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E-Book

Konstruieren und berufliches Lernen

AutorJörg-Peter Pahl
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl360 Seiten
ISBN9783763946174
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,00 EUR
Konstruieren gehört zu den wesentlichen Aufgaben von Ingenieuren. Das Arbeitsfeld bietet aber auch viele Anregungen für die Ausbildung in technischen Berufen. Der Autor beschreibt die Bedeutung der Konstruktionssystematik für den Bereich der Metall- und Maschinentechnik und die Denk- und Handlungsabläufe, die Konstruktionsprozessen zugrunde liegen. Er zeigt, wie das Fachwissen der Konstruktionstheorie methodisch aufbereitet werden muss, um in der Praxis der Berufsausbildung eingesetzt werden zu können. Neue berufs- und fachdidaktische sowie fachmethodische Ansätze helfen Berufsschullehrern und Ausbildern bei der Umsetzung.

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Leseprobe
5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN (S. 327-328)

5.1 Konstruieren in der Zukunft – Zu den Grenzen und Möglichkeiten beim beruflichen Lernen

Konstruieren in den hochentwickelten Bereichen der Industrie vollzieht sich durch neue computertechnische Möglichkeiten in ganz anderen Formen, als sie im Bereich industrieller oder handwerklicher Facharbeit gegenwärtig noch auftreten. Die folgende Beschreibung zeigt die Entwicklungsrichtungen auf der ‚höchsten’ Ebene des Konstruierens: „In Dearborn im US-Staat Michigan arbeiten im Schein zahlreicher Computer- Bildschirme die wertvollsten Ingenieure des Ford-Konzerns, des zweitgrößten Autobauers der Welt. Mühelos demonstrieren sie die Symbiose von Mensch und Maschine. Ein Karosserie-Designer fährt mit seinem verkabelten Stift über das elektronische Zeichenfeld auf seinem Tisch.

Ein schneller Druck hier, eine Linie dort, und auf seinem Monitor werden die Umrisse eines Fahrzeugs erkennbar, das vielleicht bald als Ford-Modell in Ausstellungsräumen in aller Welt die Blicke der Käufer auf sich ziehen wird." (Martin/ Schumann 1997, S. 137) Bis hier ist das ‚herkömmliche’ Konstruieren noch annähernd zu erkennen, doch plötzlich „ertönt aus einem unscheinbaren Lautsprecher neben dem Monitor eine hohle Stimme: ‚Das gefällt mir ganz gut’, kommentiert der Anonymus das Gezeichnete, ‚aber wie wäre es, wenn wir es so machen?’ Und wie von Geisterhand gesteuert verändert sich die Fahrzeugskizze auf dem Schirm, wird oben ein wenig runder und seitlich noch schnittiger." (ebd.)

Denkt man jetzt, der Konstrukteur wurde vom ‚Nachbarn’ beobachtet und unterstützt, so täuscht man sich. „Das mitzeichnende Phantom sitzt in Köln, der Europa-Zentrale von Ford. Mal gleichzeitig, mal nacheinander im Schichtbetrieb arbeiten die Entwickler in Deutschland mit ihren Kollegen in Dearborn an denselben Projekten. Sie führen europäische, amerikanische und auch japanische Ideen und Vorstellungen zusammen."(ebd.)

Solche und ähnliche extraterrestrisch anmutende Szenarien stellen heute die höchste Stufe von Konstruktionstechnik und Konstruktionshilfen dar. Wird damit das Konstruieren dem Einflussbereich der Facharbeiterebene noch stärker oder gänzlich entzogen? Sicherlich ist dieses nicht zu erwarten, denn die grundlegenden Probleme während des Konstruierens, ob man beispielsweise Klebe-, Schweiß- oder Schraubverbindungen verwendet bzw. wie man Schrauben anordnet, treten bei den fortgeschrittenen Verfahren ebenso auf, wie in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Facharbeit. Betrachtet man diese hoch entwickelten Konstruktionssysteme, so darf daraus keineswegs geschlossen werden, dass eine Ausrichtung auf einfachere Konstruktionstechniken deshalb heute beim beruflichen Lernen nicht mehr thematisiert werden sollte.

Wie aber soll das geschehen, ohne inhaltlich und methodisch sowie lern- und arbeitsorganisatorisch nicht den Anschluss zu verlieren? Sicherlich muss auch beim beruflichen Lernen über moderne technische Konstruktionshilfen nachgedacht werden. Eine veränderte Geräteausstattung für Ausbildung und Unterricht wird vermutlich zukünftig notwendig sein, aber das alleine wird nicht reichen. Einen entscheidenden Schritt in die gewünschte Richtung können Konzeptentwicklungen beruflichen Lernens leisten, die für neue Themenbereiche offen sind. Um der allgegenwärtigen Forderung nach Handlungsorientierung in Ausbildung und Unterricht gerecht zu werden, stellen moderne ansprechende Lern- und Arbeitsumgebungen, offenere Gestaltungsvarianten der Lernorganisation und die Umsetzung von selbstbestimmtem, problemorientiertem Handlungslernen auch für das Gebiet des Konstruierens eine Notwendigkeit dar.

Dabei ist es aber keineswegs das Ziel von konstruktionsbezogenen Ausbildungs- und Unterrichtsverfahren, etwa die Kompetenzen eines global arbeitenden Konstrukteurs als Paradigma anzustreben, wie sie im aufgeführten Zukunftsszenario beschrieben werden. Vielmehr enthält die Konstruktionsproblematik auf anderem Niveau – nämlich dem der Facharbeit – auch ein sehr beachtenswertes Handlungspotenzial für die Realisierung und Integration von handlungsorientiertem Lernen in die berufliche Ausbildung und in den Berufsschulunterricht.
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS6
VORWORT10
1 EINLEITUNG12
2 BERUFSFELDWISSENSCHAFTLICHE AUSSAGEN ZUM KONSTRUIEREN16
3 BERUFS- UND FACHDIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUM KONSTRUKTIONSORIENTIERTEN BERUFLICHEN LERNEN50
4 AUSBILDUNGS- UND UNTERRICHTSKONZEPTE110
5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN328
6 LITERATUR UND QUELLENVERZEICHNIS332
7 STICHWORTVERZEICHNIS348
8 ABBILDUNGSVERZEICHNIS354
9 BILDNACHWEIS360

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