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Russland gibt Gas

Die Rückkehr einer Weltmacht

AutorAlexander Rahr
VerlagCarl Hanser Fachbuchverlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl289 Seiten
ISBN9783446416239
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR

Spätestens seit den Öl- und Gaskonflikten der letzten Jahre ist klar, wie abhängig wir von Russland sind. Und wie wenig wir über das Land wissen: Welche Pläne verfolgt der Kreml im Energiesektor? Droht uns ein neues Gaskartell? Wie werden sich die anderen beiden strategischen Industriezweige, Rüstung und Transport, entwickeln - und was bedeutet das für uns?

Mit der Präsidentschaftswahl sind die Weichen in Russland neu gestellt: Können wir uns auf eine Phase friedlichen Handels einstellen? Werden uns die großen Märkte im Osten weiter geöffnet? Steht uns ein knallhartes Powerplay um Energie, Ressourcen und militärischen Einfluss ins Haus? Droht uns gar ein neuer Kalter Krieg?

Alexander Rahr gilt als einer der besten Russlandexperten Deutschlands. In seiner brillanten Analyse zeigt er, welches Stück auf der machtpolitischen Bühne Russlands gespielt wird, wer im Hintergrund die Strippen zieht - und was das alles für Investoren, Unternehmen und die einfachen Bürger im Westen bedeutet.

Der Autor

Alexander Rahr ist Programmdirektor in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Berlin. Er ist ein international anerkannter Politikberater, Publizist und Fernsehkommentator im Bereich Russland/Eurasien, sitzt im Lenkungsausschuss des "Petersburger Dialogs" und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er kennt Präsidenten und Regierungspolitiker in den postsowjetischen Staaten persönlich.

Pressestimmen:

"Der Wissenschaftler Rahr brilliert mit einer Analyse der russischen Politik, liefert Kurzbiografien der wichtigsten Strippenzieher und versucht, den Putin-Code (was denkt, was plant er wirklich?) zu entschlüsseln." manager magazin, Februar 2008

"Rahr lenkt den Blick auf das Machbare der russischen Gesellschaft. Es ist die Stimme eines Realisten, von denen es im Westen nicht viele gibt." Financial Times Deutschland, 1. Februar 2008

"Wer 'Russland gibt Gas' liest, wird hin- und hergerissen sein: zwischen einem autoritären Staat und einer aufstrebenden Wirtschaftmacht, zwischen einem Russland, das Europa verängstigt und einem Russland, das vom Westen immer wieder enttäuscht wurde. Alexander Rahrs Bestandsaufnahme zum Ende der Ära Putin ist differenziert, anschaulich, kritisch, aber nicht einseitig - und deshalb lesenswert." Jürgen Webermann, NDR Info, 11. Februar 2008

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Leseprobe

8 Der Putin-Code (S. 145-146)

Die künftige Olympiastadt Sotschi an einem regnerischen Tag Anfang September 2007. Eine Gruppe westlicher Experten des internationalen Waldai-Klubs ist auf Putins Datscha am Schwarzen Meer eingetroffen, um mit dem Präsidenten über die Lage in Russland zu diskutieren. Soeben hat Putin die Regierung entlassen und das Finale des Wettlaufs um seine Nachfolge eingeläutet. Die Professoren und Redakteure werden aufgefordert, ein Spalier zu bilden. Putin wird gleich herauskommen und jedem von ihnen persönlich die Hand schütteln. Die Fernsehkameras halten die Szene fest. Plötzlich öffnet sich die Tür und heraus kommt – nicht Putin, sondern sein Labrador Conni. Am nächsten Tag erscheint das brüskierende Foto von strammstehenden westlichen Experten und Putins Hund auf den ersten Seiten der russischen Printmedien. Mit undurchsichtigem Lächeln tritt einige Sekunden später auch der Hausherr aus seinen Gemächern und bittet alle zu Tisch.

Die Gäste verspüren zunächst einen Hunger nach Informationen. „Who is Mister Subkow, der neu ernannte Premier?" Einer, der alle Finanzströme im Land kontrolliert und über Dossiers von allen Bankkonten verfügt, erklärt Putin. Ist Subkow sein Nachfolger? Vielleicht ja, aber es gibt noch fünf andere Kandidaten, deutet Putin mysteriös an. „Die einen sagen, Sie werden Premier, die anderen meinen, Sie würden Parteichef von Einheitliches Russland werden", fragt ein Amerikaner.

„Beide haben recht", erwidert Putin. Der Kremlchef gefällt sich in seiner neuen Rolle. Er spielt das Spiel seines Lebens. Die ganze Welt, inklusive seiner nächsten Umgebung, versucht sich im Ratespiel. Derweilen bleibt Putin der alleinige Regisseur im Epizentrum der Macht. Der Mann weiß, was er will. Nach einer dreistündigen Diskussion beim Abendessen lädt er die westlichen Gäste zum Spaziergang entlang der Meeresküste ein. Eine gute Möglichkeit, den Kremlchef in ein persönliches Gespräch zu verwickeln.

Die Experten umringen Putin, dessen Stimme ist leise. „Der nächste Präsident wird sich mit mir arrangieren müssen", verkündet er. Putin sieht sich als eine Institution im Land. Auch nach dem Verlassen der Präsidentschaft bleiben sein politischer Einfluss und die Aura bestehen. Das Meer ist stürmisch geworden. Die starke Brandung übertönt das Gespräch. Putin hat eine Strategie für Russland und für seine persönliche Machtabsicherung nach 2008.

Alle Macht den Geheimdiensten

Seit seinem Machtanstieg hatte sich Putin auf die Geheimdienste gestützt. Monat für Monat zauberte er einen Tschekisten nach dem anderen aus dem Zylinder. Nach einer Recherche der russischen Soziologin Olga Kryschtanowskaja wurden unter Putin in der Staatsbürokratie 25 Prozent der Posten mit direkten Vertretern der Geheimdienste und zahlreiche Ämter mit verdeckten Mitarbeitern besetzt. Dass der Westen sich über die Rehabilitierung des Geheimdienstes mokierte, störte den Kreml nicht. Der FSB-General Viktor Tscherkessow veröffentlichte in der Komsomolskaja Prawda im Dezember 2004 einen Artikel mit folgendem Inhalt: Mit dem FSB sei ein ehrenhafter Ritterorden an die Macht gekommen, um in einer schwierigen Zeit der russischen Geschichte die heroische Aufgabe der Wiederaufrichtung Russlands zu erfüllen.

Seit den ersten Tagen des 21. Jahrhunderts liegt die Macht in Russland in den Händen einer Gruppe von Männern, die alle aus Sankt Petersburg kommen, einen ähnlichen Karrierehintergrund besitzen, sich seit 30 Jahren kennen und eine ähnliche politische Gesinnung vertreten. Sie stammen entweder aus dem Geheimdienst oder hatten eine Nähe zum ehemaligen KGB. Nach dem Zerfall der Sowjetunion begannen sie ihren Aufstieg in der Stadtverwaltung von Sankt Petersburg – unter Oberbürgermeister Anatoli Sobtschak, dem zweitbedeutendsten Reformpolitiker Russlands nach Jelzin.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt8
TEIL I Russland als Gegner10
1 Reiche Russen auf Shoppingtour10
Der russische Spätkapitalismus11
Strategische Investitionen im Westen19
Westliche Abwehr29
2 Zweiter Kalter Krieg31
Friedlicher Drang nach Westen33
Eindämmung Russlands41
Unbequeme Wahrheiten47
3 Defektes Russland52
Die Anklageschrift52
Ja, Russland ist keine Demokratie57
Irreparables Russland?71
TEIL II Russland als Konkurrent72
4 Repariertes Russland72
Das Plädoyer74
Feinmechaniker im Kreml85
Russland in der Werkstatt89
5 Drei Triebwerke des Wiederaufstiegs92
Motor 1: Der Energiekomplex94
Motor 2: Der Rüstungskomplex99
Motor 3: Der Transportkomplex102
Nachfragen an Putin109
6 Tankstellen entlang der Seidenstraße113
Das moderne Great Game114
Zweiter Zerfall des Imperiums120
Die Energieschraube131
7 Energiesupermacht134
Das Gaskartell135
Asiatische Optionen141
SOZ und die Multipolarität147
Justierung künftiger Energieinteressen152
8 Der Putin-Code154
Alle Macht den Geheimdiensten155
Operation Nachfolger beginnt159
Putins Doppel167
9 Drei Piloten im Cockpit175
Der Sozialheimbauer176
Der Technoparkdirektor183
Der Finanzinspektor193
TEIL III Russland als Partner196
10 Drei deutsche Anwälte196
Strategische Saunafreundschaft196
Strategische Partnerschaft Plus200
Skeptische Partnerschaft211
11 Ostpolitik II217
Alte und neue Wunden217
Ostpolitik reduxe220
Friedliche Koexistenz231
12 Strategiegespräch auf einer Datscha237
Russland und der Westen238
Zukunftsszenarios für Russland247
Hoher Besuch in der Nacht254
13 Der neue Putin259
Das zweite Gesicht260
Ein Vierohrengespräch im Weißen Haus265
Zar Dimitri271
Der liberale Kremlbär273
Weiterführende Literatur279
Register281
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