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... und dann machte ich mich auf den Weg ...

In vier Jahren mit dem Fahrrad um die Welt

AutorFritz Kratzeisen
VerlagiKotes Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl368 Seiten
ISBN9783941626133
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
'Außer ein paar Sätzen Englisch kann ich keine Fremd­sprache.' Das hinderte Fritz Kratzeisen nicht daran, sich mit 64 Jahren auf den Weg zu machen: Mit seinem Fahrrad, einem Anhänger, 80 kg Gepäck und viel Mut.Mehr als 80.000 Kilometer brachte er in vier Jahren hinter sich, besuchte dabei (fast) alle Kontinente und erlebte eine Unmenge an schönen und auch weniger schönen Geschichten.Über 150 Mal musste er einen Reifen flicken, mehr als 80 Mal brachen Speichen oder eine Felge und auch viele andere Schwierigkeiten wurden von ihm bewältigt.Trotzdem: 'Ich würde es wieder tun.'Von den Begegnungen mit Menschen und seinen Ein­drücken in den vielen Ländern handeln Kratzeisens Reiseerzählungen. Sie zeigen, dass immer etwas mehr möglich ist, als wir selbst glauben ...

Fritz Kratzeisen 1955 stand der 16jährige Fritz im Hafen von Genua und wusste: 'Ich werde mal eine Weltreise machen!' Der gelernte Bäcker war 12 Jahre bei der Bundeswehr, bildete sich weiter und wurde Sportlehrer an einer bekannten Privatschule im badischen Sasbach. 33 Jahre trainierte er nicht nur seine Schüler, als Trainer von Leichtathleten und Langstreckenläufern erkannte und förderte er viele Talente - bis zur Deutschen Meisterin. In all den Jahren vergaß Fritz Kratzeisen niemals seinen Traum. Er sammelte alle Informationen, die er über die Länder dieser Erde bekommen konnte. 'Außer meiner Tochter, einem guten Freund und mir selbst hat niemand daran geglaubt, dass ich das schaffe.' Mit 64 Jahren macht er sich auf den Weg. Die Reise dauerte vier Jahre. Mit seiner beeindruckenden Multivisionsshow begeistert Fritz Kratzeisen mit einem bescheidenen Auszug aus 16.000 Bildern und Geschichten über Menschen und Länder. Sein Publikum: Fahrradbegeisterte; Menschen mit Fernweh; Rentner und alle anderen, die (fast) nicht daran glauben können, dass so etwas möglich ist ...

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Leseprobe

Martinique

Das Organisationstalent

Kurz vor meiner Pensionierung hatte ich mich auf eine Zeitungsanzeige gemeldet, in der ein Hausverwalter auf der Insel Martinique gesucht wurde. Der Auftraggeber versprach, mich zurückzurufen, wenn er seinen Segeltörn auf dem Atlantik beendet habe. Ich habe nichts mehr von ihm gehört.

Ein Jahr später las meine Bekannte Gerda eine ähnliche Anzeige. Da sie sich beruflich verändern wollte, nahm sie Kontakt mit dem Herrn auf. Es war der gleiche Mann. Ich begleitete sie zu ihrem ersten Gespräch.

Georg hat als gelernter Metzger und Koch eine steile Karriere gemacht. Mit 21 Jahren ging er auf die Meisterschule nach Hamburg. Er finanzierte sie, indem er am Hamburger Bahnhof Würstchen verkaufte und anschließend in der Fernsehkantine noch die Mitarbeiter der „Tagesschau“ verköstigte. Die Meisterprüfung schloss er als Prüfungsbester ab. Georg ging als Leiter einer Wurstfabrik nach Paraguay.

Der geborene Organisator baute zwei eigene Wurstfabriken auf und besaß bald zwei Hotels. Auf Martinique kaufte er ein halb fertiges Haus, stellte es fertig und vermietete fünf Doppelzimmer. Bald konnte er sich eine Yacht leisten und baute Martinique zu seiner „Trans-Ozean-Station“ aus.

Seit einigen Jahren lebt Georg, inzwischen 65 Jahre alt, mit seiner jungen Lebenspartnerin in den Wintermonaten auf Martinique und im Sommer in Deutschland und Österreich. Er will nun verschiedene Projekte in gute Hände geben. Wir überlegen nicht lange und nehmen die Herausforderung an. Meine Weltreise beginnt in der Karibik.

Georg lässt uns acht Wochen lang „zur Probe“ schuften, nichts geht ihm gut und schnell genug, und für unsere Unterkunft müssen wir auch noch teuer bezahlen. Er ist ein moderner Ausbeuter und Sklavenhalter. Ich komme mit seiner poltrigen Art ganz gut zurecht, Gerda dagegen weniger.

Ein Sklaventraum

Bei einer Radtour ins Landesinnere habe ich mich auf dem Rückweg mit der Zeit vertan. Die Sonne geht bereits unter und ich befinde mich kurz vor Lamentin, nahe dem Flughafen. Bis zu meinem Stützpunkt Anse Mitan sind es noch 20 Kilometer. Eigentlich bin ich schon wagemutig, aber an eine Weiterfahrt ist nachts und bei diesem Verkehr nicht zu denken. Am Stadtrand von Lamentin entdecke ich eine Siedlung: etwa 30 kleine Häuschen, denen der Sklaven nachempfunden. In einem Schuppen richte ich meinen Schlafplatz ein.

Mitten in der Nacht erwache ich schweißgebadet von meinem eigenen Schrei. Ich hatte einen schrecklichen Traum: Als Sklave werde ich in Ketten auf einem Schiff aus Afrika hierher gebracht und auf dem Sklavenmarkt feilgeboten. Wegen meiner großen, kräftigen Statur werde ich als einer der Ersten verkauft, an den Besitzer einer Zuckerrohr-Plantage. Um den Preis wird lange gefeilscht. Ein Eisenring mit eine Kette liegt um meinen Hals. Wir sind insgesamt neun Sklaven und marschieren mit vier Aufsehern durch hügeliges und steiniges Gelände in der brütenden Hitze eine Stunde zur Plantage.

Schon früh am nächsten Morgen müssen wir in der glühenden Sonne Zuckerrohr schneiden und auf einen großen zweirädrigen Karren verladen. Diese Schufterei soll bis an unser Lebensende so weitergehen. Ich entschließe mich zur Flucht. Doch die Aufseher hetzen mir die Hunde auf den Hals und legen mich wieder in Ketten. Als ich unterwegs zusammenbreche, werde ich weitergeschleift. Mein Körper ist zerschunden und blutig. Ich werde in ein stinkendes, dunkles Verlies geworfen und am nächsten Morgen auf den Hof des Grundbesitzers gebracht. Zahlreiche Zuschauer sind bei der öffentlichen Auspeitschung anwesend.

Mitten im Hof wird dafür ein dicker Pfahl in den Boden gerammt, an dem ich an Händen und Füßen festgebunden werde. Die Stahlrute reißt meine Haut auf, ich schreie vor Schmerzen, Blut strömt aus unzähligen Wunden. Nach dem zwanzigsten Peitschenhieb wird mir schwarz vor Augen. Als ich wieder zu mir komme, geht die Auspeitschung weiter. Nach weiteren 15 Hieben breche ich mit einem lauten Schrei erneut zusammen. Der hat mich aus dem Albtraum geweckt. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben ein Sklave? Ein Aufrührer wäre ich sicherlich gewesen. Der Traum verfolgt mich noch lange.

Unser erster Segeltörn

Georgs Segelboot, die 17 Meter lange und 24 Tonnen schwere „Sunrise“, liegt für einige Zeit in einer Werft im Süden von Martinique. Das Boot bekommt auf dem Trockendock von unten einen neuen Anstrich. Auch das Getriebe muss ausgewechselt werden. Georg, der in den letzten Tagen sehr angespannt und nervös war, hat Angst, das Boot könnte nicht termingerecht fertig werden, da der erste Törn bereits gebucht ist. Doch nun steht er mit seiner grünen Kapitänsmütze am Steuerrad und ein zufriedenes Lächeln huscht über sein kantiges Gesicht. Wir nehmen Fahrt auf in Richtung Anse Mitan, dem Heimathafen der „Sunrise“, und segeln an der Südküste Martiniques in Richtung Norden, wobei uns Georg die Sehenswürdigkeiten bis ins kleinste Detail erläutert. Wir brauchen keinen Reiseführer.

Ingrid, seine Lebenspartnerin, wartet bereits auf uns. Am Abend trifft auch Skipper Gerry ein. In drei Tagen soll unsere erste größere Tour beginnen.

Von Martinique nach Dominica

Mit Motorkraft verlassen wir die Bucht in Richtung Norden, vorbei an dem Städtchen Schölcher, das nach einem Elsässer benannt ist. Nach eineinhalb Stunden taucht die alte Hauptstadt St. Pierre auf. Von Weitem schon erkennen wir die Kirche und das Sklavenhaus. Am nördlichsten Zipfel von Martinique angekommen setzen wir endlich die Segel.

Wir erreichen streckenweise eine Geschwindigkeit von 10 Knoten, wobei sich das Boot so weit auf die (rechte) Steuerbordseite legt, dass der obere Schiffsrand fast das Wasser berührt.

Georg beschließt, zu angeln. Nach einer halben Stunde kreuzt uns ein Boot. Georg flucht, denn das kreuzende Schiff hat den Haken des Köders, der angeblich 60 Euro gekostet hat, abgerissen. Nach einer weiteren Stunde ist es soweit. Die Angel biegt sich fast bis zur Wasseroberfläche. Wir verlangsamen die Geschwindigkeit, Georg schreit: „Das ist ein ganz Großer!“ Er strahlt, doch in diesem Augenblick entkommt der Fisch samt Haken. Zum Abendessen auf Dominica gibt es statt Fisch einen Linseneintopf.

Wir liegen am nördlichsten Zipfel der Insel, in Portsmouth, vor Anker. Der Ort besteht fast ausschließlich aus Bretterbuden, entlang der Bucht entdecke ich einige Schiffswracks, Hurrikanopfer vergangener Jahre. Selbst Frachtschiffe haben bei solchen Naturkatastrophen keine Chance. Die Insel Dominica hat ca. 100.000 Einwohner und ist auf der Westseite 27 Meilen lang.

Am nächsten Morgen machen wir eine Kanufahrt auf dem Indian River. Alexander, unser Bootsführer, rudert uns gemächlich flussaufwärts durch die Mangrovenwälder. Plötzlich steuert er das rechte Ufer an. Er hat in der Krone eines Mangrovenbaums den vom Aussterben bedrohten Nationalvogel, einen Sisserou-Papagei, entdeckt. Nach einer Stunde erreichen wir eine Dschungelbar. Da die „Aida“, ein riesiges Kreuzfahrtschiff, auch gerade vor Anker liegt, herrscht reger Betrieb. Gerry steuert direkt die Bar an, Gerda und ich erkunden zu Fuß den Dschungel auf einem Trampelpfad durch die üppige Vegeta­tion. Als wir schließlich an die Bar kommen, sind nur noch wenige Leute da. Neben der Bar hockt an einem Holzklotz die dreijährige Tochter des Barbesitzers und trommelt mit zwei Holzstöckchen den Takt der Musik, die aus der Musikanlage dröhnt. Ich setze mich zu ihr und wir trommeln gemeinsam. Dann mahnt Gerry zum Aufbruch. Wir rudern zurück zum Boot und nehmen Kurs auf Les Saintes.

Fort Napoléon

Von der Bucht Anse du Bourg sehen wir oben auf einer Anhöhe das Fort Napoléon. 1782 fand hier die größte Schlacht aller Zeiten mit Segelschiffen statt. Die Franzosen erlitten gegen die Briten unter Admiral Rodney eine ihrer größten Niederlagen. Erst 1816 konnten die Franzosen die Vorherrschaft über die Kleinen Antillen zurückerobern.

Das Fort Napoléon ist heute ein Museum mit Kakteengarten. Rechts und links der Dorfstraße reihen sich kleine, in kräftigen Pastelltönen gestrichene Holzhäuschen wie Streichholzschachteln aneinander. Die Dächer sind mit rotem oder grauem Wellblech gedeckt. Auf dem Fort waren einst fast 3.000 französische Soldaten stationiert. Da es dort keine Frauen gab, wurden sie von den Nachbarinseln einfach entführt. Heute leben auf der vier Quadratkilometer großen Insel etwa 8.000 Einwohner. Nachdem wir das Dorf inspiziert haben, machen wir einen Inselrundgang und steigen hinauf zu den Ruinen des 300 Meter hoch gelegenen Forts Napoléon. Zwischendurch fällt unser Blick immer wieder auf die Schmetterlingsinsel Guadeloupe.

Plötzlich entdecken wir auf der Atlantikseite der Insel eine nagelneue Sportanlage mit einer Tartanbahn. Unglaublich, aber wahr: Der französische Staat gibt jedes Jahr Unsummen für Förderprojekte ihrer überseeischen Departments aus!

Auf dem Fort wird es bereits dunkel. Das Museum hat nur am Morgen geöffnet, also ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab. In einer kreolischen Kneipe treffen wir Georg, Gerry und einen gemeinsamen Seglerkameraden aus Österreich.

Besuch bei Waltraut

Am nächsten Tag segeln wir zurück nach Dominica. Diesmal ankern wir etwas südlicher in der Bucht von Portsmouth. Georg will eine alte Bekannte besuchen, die hier ein Restaurant betreibt und Appartements vermietet.

Sie ist Deutsche und lebt nun schon seit 25 Jahren hier. Georg hat eine selbstgemachte Schwarzwurst aus dem Vorratsraum in Alufolie gewickelt. Wir legen mit unserem Dingi direkt vor Waltrauts Restaurant an. Das Haus...

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