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Wie ernährt sich China? Eine Analyse zur chinesischen Nahrungsmittelsicherung und Nahrungsmittelsicherheit

AutorAnneke Bösche
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl55 Seiten
ISBN9783668036369
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Gesundheit - Ernährungswissenschaft, Note: 2,0, Hochschule Bremen, Veranstaltung: Chinese and Economics, Sprache: Deutsch, Abstract: Chinas Stellung in der Welt hat heutzutage an derart großem Ansehen gewonnen, dass es schwer ist, nicht von dem Land der Superlative zu hören und zu reden. Das Wachstum der Wirtschaft liegt momentan bei knapp 7,7 Prozent (Stand Dezember 2014) und ist damit nicht mehr im zweistelligen Bereich wie noch vor ein paar Jahren, jedoch ist die Zahl verglichen mit anderen Schwellenländern noch immer besonders hoch. Allerdings scheint das Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern in vielerlei Hinsicht mit großen Herausforderungen konfrontiert zu sein. Besonders in Bezug auf Chinas Nahrungsmittelversorgung und seine weltweit kritisierte Nahrungsmittelsicherheit gewinnt die Volkrepublik an Brisanz. Während die Regierung mit Blick auf den landwirtschaftlichen Output des Landes bisher vorrangig quantitative Ziele verfolgt, sorgt sich die Bevölkerung angesichts der unzähligen Lebensmittelskandale der letzten Jahre zunehmend um die Qualität der Nahrungsmittel, die sie täglich zu sich nimmt. Es lässt sich sagen, dass sowohl Umweltverschmutzung, die ansteigende Urbanisierung als auch die Versorgung der noch immer wachsenden Bevölkerung Chinas einige Probleme mit sich bringen, die die Nahrungsmittelpolitik Chinas im 21. Jahrhundert zu lösen versucht. In der folgenden Thesis wird sich mit den Themen der Nahrungsmittelsicherung und der Nahrungsmittelsicherheit in China auseinandergesetzt, die gerade in der heutigen Zeit immer mehr an Aktualität gewinnen. In der Arbeit werden somit die beiden Themenkomplexe der Sicherung und der Sicherheit von Nahrungsmitteln genauer durchleuchtet und kritisch hinterfragt. Da die Lebensmittelbranche äußerst viele Bereiche umfasst und dadurch eine recht komplexe Struktur aufweist, wird sich in der folgenden Ausarbeitung hauptsächlich mit agrarischen Produkten beschäftigt, um das Themengebiet zumindest ein wenig eingrenzen zu können.

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Leseprobe

3 Die Nahrungsmittelsicherheit


 

Um ein vollständiges Bild über Chinas Situation in Bezug auf seine Nahrungsmittelversorgung zu erhalten, dürfen nicht nur die Regierung und die lebensmittelproduzierenden Unternehmen in den Fokus gestellt werden, sondern muss auch die Stellung des Konsumenten durchleuchtet werden. In den vorangegangenen Abschnitten ging es hauptsächlich darum, wie China es schafft, sein Volk mit ausreichend Lebensmitteln bezüglich landwirtschaftlicher Produkte zu ernähren und welche Maßnahmen China dafür ergreifen muss, um sein Ziel einer Nahrungsmittelsicherung erreichen zu können. In den folgenden Teilabschnitten soll der Fokus weg von der quantitativen hin zur qualitativen Sicherheit gesetzt werden. Dabei wird herausgearbeitet, wie sicher chinesische Lebensmittel für den Konsumenten sind, auf welche Weise sich das wirtschaftliche Wachstum Chinas auf die Qualität der Nahrungsmittel auswirkt und welche rechtlichen Grundlagen in Form von unterschiedlichen Gesetzen der Verbraucher im Falle von mangelhaften Produkten hat.

 

3.1 Definition und Überblick der chinesischen Nahrungsmittelsicherheit


 

Während es China gelungen ist, den Hunger zu beseitigen und sein Volk weitestgehend mit ausreichend Nahrungsmitteln zu versorgen, wird die Lebensmittelsicherheit des Landes zu einem immer größer werdenden Problem. Dies betrifft zum einen die Exportmöglichkeiten von Agrarprodukten, zum anderen vor allem aber die Verbraucher, die immer häufiger mit Protesten und Rechtsmitteln gegen Gesundheitsgefährdungen durch mangelhafte Nahrungsmittel vorgehen.[82] Für viele Chinesen ist die Sicherheit von Lebensmitteln daher ein immer wichtiger werdendes Thema in der heutigen Gesellschaft. Mehr als 95 Prozent der chinesischen Bürger ordnen Nahrungsmittelsicherheit als „sehr wichtiges“ Kriterium in ihren Alltag ein.[83] Wie der Begriff der Nahrungsmittelsicherheit definiert wird und welche Ursachen und Entwicklung die Sicherheitsprobleme von Lebensmitteln haben, wird in den folgenden Abschnitten genauer erläutert.

 

3.1.1 Definition und Begrifflichkeit der Nahrungsmittelsicherheit


 

Neben der Versorgungssicherheit ist die Sicherheit von Lebensmitteln für den Nahrungsmittelexport, für die Verbraucherschützer und für die chinesische Bevölkerung von hoher Bedeutung.[84] Der Begriff der Nahrungsmittelsicherheit ist zwar ein immer wichtiger werdendes, dafür aber auch relativ neues Thema in der chinesischen Gesellschaft, welches in den frühen 1990er Jahren zum ersten Mal in den chinesischen Medien aufkam. Der Begriff wird im Chinesischen ebenfalls mit shípǐn ānquán (食品安全) übersetzt und kann somit leicht zu inhaltlichen Verwirrungen mit dem chinesischen Begriff der Nahrungsmittelsicherung führen.[85] Zhe Feng (2013) definiert die Begrifflichkeit „sichere Nahrung“ als etwas, das einen akzeptablen Level an Risiken in Bezug auf gesundheitliche Auswirkungen nicht übersteigt. Diese Begrifflichkeit scheint relativ viel Spielraum für Interpretationen zu haben, was aber auch daran liegen mag, dass sich bis vor wenigen Jahren sowohl auf Seiten der chinesischen Gesellschaft wie auch auf staatlicher Regierungsebene ein recht undifferenziertes Verständnis der Nahrungsmittelsicherheit zeigte. Dies verdeutlichte wiederum ein allgemein fehlendes Bewusstsein für die Bedeutung der Lebensmittelsicherheit in China.[86]

 

Im westlichen Kontext hingegen scheint die Begrifflichkeit ein wenig differenzierter und klarer definiert: So beschreibt der Begriff der Nahrungsmittelsicherheit ein Forschungsfeld, das sich mit der gesamten Lebensmittelkette im Hinblick auf Lebensmittelverunreinigung, -infektionen und -krankheiten beschäftigt. Dabei wird ein besonderer Fokus auf mögliche Gefahren für die Gesundheit der Verbraucher gelegt.[87] Dieses Interesse bezüglich der qualitativen Sicherheit von Nahrung und die Eindämmung von Gefährdungen macht auch der Leiter der nationalen Kommission für Nahrungsmittelsicherheit und momentaner Ministerpräsident in China namens Li Keqiang im Jahre 2010 vor dem Staatsrat deutlich: ”Food is essential and safety should be a top priority. Food safety is closely related to people’s lives and health and economic development and social harmony.”[88] Zwar zeigt die chinesische Regierung somit Interesse an sicherer Nahrung in China, jedoch gibt es noch genügend Ursachen für die Probleme der qualitativen Sicherheitsgewährleistung von Nahrungsmitteln, auf die in dem folgenden Abschnitt eingegangen werden soll.

 

3.1.2 Ursachen, Entwicklungen und Auswirkungen der Sicherheitsprobleme von Nahrungsmitteln


 

Die Sicherheit von Lebensmitteln ist ein dominantes und allgegenwärtiges Thema, bei dem Begriffe wie „Dioxon-Eier“, „Rinderwahnsinn“ und „Gammelfleisch“ in den täglichen medialen Berichterstattungen und in der öffentlichen Diskussion weltweit Verwendung finden.[89] Gerade in China finden sich einige Ursachen, die auf den Mangel an Lebensmitteln zurückzuführen sind und die globale Auswirkungen annehmen können. Doch wo genau liegen die Ursachen für eine unzureichende Sicherheitsgewährleistung von Lebensmittelprodukten, die aus China stammen? Und welche Entwicklungen und einhergehenden Auswirkungen sind damit verbunden?

 

Weltweit betrachtet ist China das Land, das von den meisten Gefahren bezüglich mangelhafter und unsicherer Nahrung betroffen ist. Vorfälle hinsichtlich schlechter Produktqualität wurden in den vergangenen zwanzig Jahren vermehrt aufgedeckt und zeigen auch zukünftig keine Signale der Abschwächung. Die Gründe dafür sind vielfältig und verursachen unterschiedliche Risiken für den Konsumenten. Yunxiang Yan (2012) unterteilt daher mangelhafte Lebensmittel in vier Kategorien, die in China am häufigsten entdeckt wurden. Typ 1 sind Lebensmittel mit vermehrtem Zusatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die bei der Bebauung von landwirtschaftlichen Produkten verwendet werden[90]. Dabei verbraucht China weltweit am meisten dieser Zusatzmittel, um eine ertragsreichere Ernte zu erzielen.[91] Problematisch hierbei ist nicht nur, dass die chinesische Bevölkerung an der unzureichenden Sicherheit dieser Produkte leidet, sondern dass auch andere Länder betroffen sind, die diese Güter aus China importieren.[92] Beispielsweise ist den deutschen Konsumenten nicht bewusst, dass viele Produkte aus China in Deutschland bereits Standard sind. Neben Fisch oder Shrimps stammen etwa auch Zutaten für beispielsweise Marmelade, besonders Erdbeeren, und Apfelsaftschorle von dort. Dabei fällt den EU-Kontrolleuren kein Herkunftsland öfter wegen verunreinigter oder mit verbotenen Zusatzmitteln versetzter Lebensmittel auf als China. Da Chinas fünftgrößte Exportmenge Äpfel sind (siehe Abbildung 4, Seite 13), ist es nicht verwunderlich, dass etwa fünf Prozent des nach Deutschland exportierten Apfelsaftkonzentrates, aus dem anschließend Apfelsaftschorle hergestellt wird, aus China stammen. Doch auch Äpfel gehören zu den Produkten, die in China mit reichlich Düngemitteln und anderen chemischen Zusätzen angebaut werden, um so eine ausreichende Ernte und den langen Transport nach Europa gewährleisten zu können. Problematisch dabei ist jedoch, dass man nicht feststellen kann, ob in diesem Fall Apfelsaftschorle aus chinesischem Konzentrat sicher ist oder nicht, da es sich am fertigen Produkt kaum noch nachweisen lässt und infolgedessen Lebensmittelkontrolleuren Schwierigkeiten bei der Kontrolle bereitet. Zudem ist es für die Kontrolleure verhältnismäßig teuer und zu aufwendig, jeden Frucht- und Gemüseimport zu prüfen, was die Situation hinsichtlich sicherer Nahrung zusätzlich belastet.[93]

 

Doch betrachtet man einmal den Mangel an Kontrollen bezüglich Lebensmittelimporte aus China beispielsweise nach Deutschland, so können die Auswirkungen auf den Konsumenten enorm sein. Nicht nur werden große Mengen an Erdbeeren von der chinesischen Bevölkerung konsumiert, sondern ist China für die deutsche Lebensmittelbranche der zweitwichtigste Exporteur von tiefgefrorenen Erdbeeren geworden. Durch mit Noroviren kontaminierte Erdbeeren erlangte der Verzehr dieser importierten Erdbeeren in Deutschland im Jahre 2012 einen Skandal, der durch die Erkrankung von elf tausend Schülern in Berlin und Brandenburg enormes Aufsehen erregte und die Einfuhrkontrollen für Erdbeeren und andere Produkte aus China stark verschärfte. Da sich chinesische Zutaten, wie Erdbeeren oder Äpfel, oft in verarbeiteten Lebensmitteln wiederfinden, sind die Hersteller zu keiner Herkunftsangabe verpflichtet und können gar auf Anfrage die Auskunft verweigern, was das Lösen der Sicherheitsprobleme in Bezug auf Nahrungsmittel besonders erschwert.[94]

 

Aber nicht nur der vermehrte Zusatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in agrarischen Produkten, sondern auch mangelnde Hygiene[95], unsichere Materialien beim Produktionsprozess und illegale Zusätze bereiten den chinesischen Verbrauchern große Sorgen.[96] Der zweite Typ von mangelhaften Nahrungsmitteln beschreibt die Verfälschung von Produkten, bei denen Hersteller billige und minderwertige Produktionsmaterialen verwenden, um so höhere Profite zu...

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