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Die Mechanik des Seelenwagens. Eine neuronale Theorie der Handlungsregulation

AutorDietrich Dörner
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2002
Seitenanzahl382 Seiten
ISBN9783456938141
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis43,99 EUR
Jeder Kriminalkommissar weiß: Die Motive muss man kennen! Doch Menschen haben selten nur eines: Die Mechanik ihres "Seelenwagens" ist nicht so einfach konstruiert und der Wagen wird von mehr als einem Pferd gezogen. Man hat ein wenig Hunger und zugleich ist man neugierig, wie der Roman weitergeht, und eigentlich müsste man noch etwas ausarbeiten...

Für solch komplexe Vorgänge gibt es Computersimulationen. Zum Beispiel diese: Ein netter kleiner Roboter bewegt sich auf einer Insel. Er findet bestimmte Bedingungen vor, er nährt sich, hat eine Aufgabe zu lösen - und er tut all dies nach einem Programm, das dem "Seelenleben" eines Menschen nachgebildet ist. Man kann Versuchspersonen die gleiche Aufgabe geben und untersuchen, ob ihre Handlungen den Handlungen des Roboters gleichen. Und das ist genau, was Dörner zusammen mit seiner Arbeitsgruppe getan hat.

Fazit: Handeln lässt sich als ein komplexes Zusammenspiel emotionaler, kognitiver und motivationaler Prozesse erklären. Und dieses Zusammenspiel kann man - ohne Rest - auf Vorgänge in Neuronennetzwerken zurückführen.   

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt
  2. Einleitung
  3. 1. Handlungsregulation
  4. 2. Gedächtnisstrukturen
  5. 3. Operationen
  6. 4. Die Organisation des Verhaltens
  7. 5. Emotionale Regulationen
  8. 6. Die Insel
  9. 7. Was tun?
  10. Nachwort und Literaturverzeichnis
  11. Autoren- und Sachwortregister
Leseprobe
6. Die Insel (S. 249-250)

6.1 Wie prüft man komplexe Theorien?

Wir haben jetzt eine vollständig formale Theorie über kognitive Prozesse und ihre Einbettung in motivationale und emotionale Prozesse geschildert. Diese Theorie ist nichts anderes als ein Bündel von Hypothesen.
 
Jede einzelne Hypothese besteht aus einer «wenn . . . dann . . .-Aussage».

Wie prüft man Hypothesen? Jeder Psychologiestudent lernt in den methodischen Veranstaltungen im Grundstudium, wie das zu machen ist. Man unterscheidet zunächst die Prädiktoren (oder die «unabhängigen Variablen») von den Kriteriumsvariablen (oder den «abhängigen Variablen»). Dann variiert man die Prädiktorvariable und stellt fest, ob diese Variation die Kriteriumsvariable beein.usst. Wenn dieser Ein.uss vorhanden und außerdem theoriekonform ist, dann ist die Prüfung der Theorie positiv ausgefallen. Man kann die Theorie (vorerst einmal) für richtig halten. – Man überprüft also z. B., ob sich Ärger auf die Rechenleistung auswirkt, indem man zwei Versuchspersonengruppen bildet und die Personen der einen Gruppe auf irgendeine Weise ärgert, die der anderen nicht.

Dann lässt man die Versuchspersonen beider Gruppen die gleichen Rechenaufgaben lösen und stellt Fehleranzahl oder Lösungszeit oder beides fest und überprüft mit dem geeigneten statistischen Verfahren, ob ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen besteht. Wenn dieser vorhanden und außerdem theoriekonform ist, dann ist die Theorie richtig. Man könnte z. B. die Hypothese gebildet haben, dass Ärger auf der einen Seite aktiviert und deshalb das Handeln beschleunigt, auf der anderen Seite aber zu ungenauem Arbeiten verführt, so dass die «ärgerlichen» Versuchspersonen einerseits mehr Aufgaben in Angriff nehmen, andererseits aber mehr Fehler machen. Wenn das herauskommt, ist die Theorie bestätigt.

Hat man mehr Prädiktorvariablen und auch mehr Kriterienvariablen, dann greift man am besten zu einem varianzanalytischen Planversuch und prüft die Effekte der Variation von mehreren Prädiktorvariablen zugleich. Soweit so gut; man kann mit solchen Verfahren sicherlich unter bestimmten Umständen eine Menge anfangen. Für die Überprüfung der Ø-Theorie aber sind diese Verfahren aus mehreren Gründen unbrauchbar. Die Anzahl von Variablen, über die Zusammenhänge behauptet werden, ist in der Ø-Theorie außerordentlich groß. Es ist schwer, überhaupt die Anzahl von Hypothesen abzuschätzen, die in die Ø-Theorie eingehen.

Denn wie soll man das machen? Soll man jeden einzelnen synaptischen Übergang von einem Quad eines Schemas zu einem anderen als besonders zu prüfende Hypothese betrachten? Zweifellos ist es eine Hypothese, wenn behauptet wird, dass ein bestimmtes Schema existiert, welches in der und der Weise gebraucht wird. Ein Schema ist ein Gefüge synaptischer Übergänge. Wenn wir auf dieser Ebene prüfen wollen, dann besteht die Theorie aus Hunderttausenden von Teilhypothesen, und es ist gänzlich unmöglich, sie alle zu prüfen, ganz davon abgesehen, dass es gar nicht möglich ist, die neuronalen Prozesse im einzelnen (z. B. durch Mikroelektroden) zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Einleitung10
Theorien, Modelle, Simulation17
Was ist das: Simulation?18
1. Handlungsregulation24
1.1 Die Insel24
1.2 «Psychische Instanzen»27
1.3 Der Verhaltenszyklus29
1.4 Ein Beispiel fur das Verhalten von ?33
2. Gedächtnisstrukturen38
2.1 Neuronen und Synapsen39
2.2 Quad-Netzwerke45
2.3 Sensorische Schemata51
2.4 Verhaltensprogramme55
2.5 Ziele und Aversionen57
2.6 Abstrakte Schemata60
2.7 Das Gedachtnis von ?63
2.8 Die Logik der Neuronen66
3. Operationen70
3.1 Basale Operationen73
3.2 Komplexe Operationen87
3.3 Gedächtnisbildung und Lernen156
3.4 Gedächtnis und Gedächtnisgebrauch166
3.5 Neuronale Programmierungen und das Gehirn168
3.6 Symbolische und subsymbolische Informationsverarbeitung173
4. Die Organisation des Verhaltens178
4.1 Absichten182
4.2 Orientierung183
4.3 Suche nach Automatismen187
4.4 Planen188
4.5 «Was kann man tun?»188
5. Emotionale Regulationen196
5.1 EMOREG: die Dekomposition von Emotionen198
5.2 Bestimmtheitsregulation202
5.3 Kompetenzregulation207
5.4 Emotionale Modulationen208
5.5 Emotionen220
5.6 Gefühlsausdruck222
5.7 Emotionen und Persönlichkeit231
5.8 Persönlichkeit und ihre ökologische Validität235
5.9 Das Verhalten von Ø und die emotionalenModulationen242
6. Die Insel250
6.1 Wie prüft man komplexe Theorien?250
6.2 Abenteuer auf der Insel255
6.3 Ø auf der Insel305
6.4 Einige Beobachtungen325
7. Was tun?332
7.1 Ø als Person333
7.2 Uber die Rolle der Sprache oder: wie . lernen kann, wirklich zu denken342
7.3 Was also tun?356
Nachwort368
Literaturverzeichnis370
Autorenregister376
Sachwortregister378

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