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Diesseits vom Abseits - Studien zur beruflichen Benachteiligtenförderung

Studien zur beruflichen Benachteiligtenförderung

AutorArnulf Bojanowski, Günter Ratschinski, Peter Straßer
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl364 Seiten
ISBN9783763945245
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,90 EUR

Jugendliche mit besonderem Förderbedarf beim Übergang von der Schule in die Berufs- und Arbeitswelt gibt es seit vielen Jahren. Deutschland lebt aber inzwischen mit der Tatsache, dass bis zu 15-20% eines Altersjahrgangs durch Ausgrenzung bedroht sind. Diese Heranwachsenden werden oft selber mit ihren individuellen Problemen nicht fertig, vor allem aber: Sie haben am Arbeitsmarkt geringe oder gar keine Chancen mehr. 

Empirische Untersuchungen können vielfach zeige n, dass die Übergänge dieser Heranwachsenden in die berufsbildende Schule, in die Berufsausbildung oder gar in Erwerbsarbeit extrem prekär verlaufen. Welche Möglichkeiten einer beruflichen Förderung haben solche Jugendlichen? Das Buch zur beruflichen Benachteiligtenförderung wendet sich an die Fachöffentlichkeit, an Studierende und an Lehrende in diesem Feld.

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Leseprobe
Einzelfallförderung im Niedersächsischen Berufsvorbereitungsjahr – Eine Aktenanalyse (S. 189-190)

Anne Apel-Hieronymus, Sabine Bretschneider & Kai Kobelt

1. Einleitung: Zum Forschungskontext

Heranwachsende, die bereits aufgrund ihrer Familiensituation oder ihrer kulturellen Herkunft benachteiligt sind und in der Schule vorwiegend Misserfolgs- Erfahrungen machen, sind den gestiegenen Anforderungen beim Übergang ins Berufsleben vielfach nicht gewachsen. Gemäß aktuellen Zahlen ist davon auszugehen, dass es bis in die nächste Dekade hinein eine Vielzahl junger Heranwachsender geben wird, „die spezifischer Förderung bedürfen, um ihre Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt zu vermeiden und um ihnen eine gesellschaftliche Integration zu ermöglichen. Diese Jugendlichen sind durch traditionelle Angebote der beruflichen Förderung nicht erreichbar" (Bojanowski 1996, 28). Neue Wege der individuellen Förderung müssen beschritten werden, die insbesondere in der außerschulischen Berufsbildung eingesetzt werden. In der pädagogischen Fachliteratur hat sich dafür der Terminus „Individualisierung" durchgesetzt (Baudisch 2002, 18).

Das pädagogische Prinzip der Individualisierung richtet sich nicht auf bestimmte Maßnahmentypen für bestimmte Zielgruppen, sondern setzt auf die verstärkte Orientierung auf die Person. Für benachteiligte Jugendliche, mit ihren ganz unterschiedlichen persönlichen Lebensschicksalen, mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Möglichkeiten gibt es kein pädagogisches „Patentrezept", dessen man sich einfach bedienen könnte. Denn „jeder junge Mensch fühlt und denkt, lernt und arbeitet anders, jede/r bringt unterschiedliche Verhaltensweisen, Begabungen, Probleme, Interessen, Abneigungen und individuelle Lernblockaden mit (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2002, 138).

Die Erkenntnis, dass sich eine Gruppe von Lernenden aus sehr verschiedenen Individuen zusammensetzt, macht Förderkonzepte notwendig, die gezielt auf die Individuen eingehen. „Nur durch den Blickwinkel auf das zu fördernde Individuum kann man der Heterogenität der Zielgruppe mit ihren unterschiedlichen Problemlagen und Entwicklungsanforderungen wirklich gerecht werden" (ebenda). Ein zentrales Element in der Umsetzung dieses Prinzips ist die individuelle Förderplanung. Die wesentlichen Ansätze der individuellen Förderplanung erläutert Lippegaus so: „Die geforderte individuelle Förderung geht davon aus, dass unterschiedliche Menschen unterschiedlicher Förderung bedürfen, um sich in einer Maßnahme oder Förderung positiv zu entwickeln. Jede/r von ihnen bringt eine ganz persönliche Lebensgeschichte, individuelle Neigungen und Begabungen, aber auch entwicklungs-hemmende Erfahrungen mit.

Diese Voraussetzungen müssen untersucht und erkannt werden, um darauf eine jeweils anders geartete Förderung aufzubauen, die den individuellen Bedürfnissen entspricht" (Lippegaus 2003, 2). Die individuelle Förderplanung macht also die individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Jugendlichen zum Ausgangspunkt der Förderplanung. In unserem Beitrag soll die „Einzelfallbezogene Förderung" als ein Ansatz der individuellen Förderung von benachteiligten Jugendlichen in der berufsbildenden Schule näher untersucht werden. Grundlage dieser „Einzelfallbezogenen Förderung" ist der § 67 Abs. 5 des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG), wonach benachteiligte Jugendliche ihre Schulpflicht durch den Besuch einer „anderen Einrichtung" erfüllen können. Dieser individuelle Förderansatz bietet schulpflichtigen, aber „schulmüden" Jugendlichen die Chance, ihre Schulpflicht außerhalb der Schule abzuleisten.

Sie erhalten somit die Möglichkeit sich selbst, ihre Leistungsbereitschaft und Integrationsfähigkeit in einer betrieblichen Situation auszuprobieren und zu überprüfen. Im Rahmen eines Projektseminars haben wir 38 Einzelfallakten (Förderpläne) von 30 Schülern und 8 Schülerinnen des schulischen Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) eines niedersächsischen Bezirks aus dem Schuljahr 2002/2003 systematisch ausgewertet. Das Hauptanliegen unserer Arbeit war herauszufinden, welche Aspekte und Faktoren für den erstaunlich hohen Erfolg dieser individuellen Fördermaßnahmen sprechen. Die Untersuchungsergebnisse geben unseres Erachtens wertvolle Hinweise und Anregungen sich mit verschiedenen Aspekten der individuellen Förderplanung intensiver auseinander zu setzen. Darüber hinaus bieten die Ergebnisse Anlass, über die Rolle schulischen Lernens im Rahmen des BVJ nachzudenken.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Einleitung6
Annäherung an die Benachteiligtenforschung – Verortung und Strukturierungen11
Viele Daten – (zu) wenig Erkenntnis?42
Zum Wert der empirischen Benachteiligtenforschung für die Pädagogik42
Die berufliche Benachteiligtenförderung – eine vorrangige bildungspolitische Gestaltungsaufgabe73
Wege zum Verstehen - reflektiertes Lehren und Lernen in der beruflichen Benachteiligtenförderung86
Kompetenzen von Nirgendwoher? Zur historischen Dimension von „Benachteiligung“ und „Begabung“112
Kompetenzen feststellen und entwickeln. DIA-TRAIN: Eine Diagnose- und Trainingseinheit für Jugendliche im Übergang Schule – Beruf131
Produktionsschule – ein Angebot für Schulverweigerer? Aus einem Modellprojekt des BuntStift Kassel e.V.152
Schulische Berufsvorbereitung und kooperative duale Ausbildung – Das Modell BAVKA176
Einzelfallförderung im Niedersächsischen Berufsvorbereitungsjahr – Eine Aktenanalyse190
Berufsvorbereitungsansätze in Deutschland und Großbritannien im Vergleich207
Ausbildung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf zum Teilezurichter in einer dual-kooperativen Berufsfachschule223
Geschäftsprozessorientierte Ausbildung in der Informations- und Telekommunikationstechnik – Ergebnisse aus einem Modellprojekt243
Berufsausbildung in theoriegeminderten Metallberufen – Bericht aus der wissenschaftlichen Begleitung eines Schulversuchs264
Kompetenzanregung beim Fachpersonal in der Benachteiligtenförderung – Zum Modellversuch „Lernorte im Dialog“281
„Lernende Organisation“ und Eingliederungspädagogik – Qualifizierung des Fachpersonals in einer Werkstatt für behinderte Menschen305
Nachhaltigkeit in der Benachteiligtenförderung – Nutzung des Expertenwissens einer Akteurskonferenz318
Umriss einer beruflichen Förderpädagogik. Systematisierungsvorschlag zu einer Pädagogik für benachteiligte Jugendliche331
Die Autoren364

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