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E-Book

Everything is Fucked

Ein Buch über Hoffnung

AutorMark Manson
Verlagriva Verlag
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783745307443
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Wir waren niemals freier, reicher und gesünder als heute. Nie hatten wir mehr Möglichkeiten, geschweige denn das Geld dazu. Dennoch gehts uns beschissen und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Der Planet erwärmt sich, Regierungen versagen, die Wirtschaft bricht zusammen und auf Twitter sind ständig alle beleidigt. In Everything is Fucked wirft Bestsellerautor Mark Manson einen Blick auf dieses Paradox. Humorvoll stellt er unsere gängigen Definitionen von Glück, Hoffnung und Freiheit auf den Prüfstand. Ausgehend von den Erkenntnissen der Psychologie sowie der zeitlosen Weisheit großer Philosophen hinterfragt er unsere Beziehung zu Geld, Vergnügungen und dem Internet. Er beweist: Zu viel von einer guten Sache überfordert und macht uns schlicht fertig - aber es gibt Hoffnung. Mit seinem gewohnten Mix aus Ernsthaftigkeit und lockerem Humor fordert er uns auf, ehrlicher mit uns selbst zu sein und uns auf eine ganz neue Weise mit der Welt zu verbinden. Denn noch ist nicht alles im Arsch.

Mark Manson ist Blogger, Autor und Unternehmer. Er schreibt über Glück, Selbsterkenntnis, Gewohnheiten und Beziehungen. Sein erstes Buch Die subtile Kunst des Daraufscheißens hat sich weltweit millionenfach verkauft und stand in 13 Ländern auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Manson lebt in New York City.

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Leseprobe

KAPITEL 2


Selbstbeherrschung ist eine Illusion


Alles begann mit Kopfschmerzen.1

»Elliot« war ein erfolgreicher Mann, Manager bei einem erfolgreichen Unternehmen. Bei Kollegen und Nachbarn war er beliebt. Er konnte charmant und entwaffnend witzig sein. Er war Ehemann und Vater und Freund und machte zünftigen Strandurlaub.

Nur hatte er Kopfweh, und zwar regelmäßig. Und zwar nicht handelsübliches Kopfweh, das nach Aspirin verlangt, und gut ist. Es waren geistzermalmende, schlagbohrende Kopfschmerzen, ähnlich einem Abrissbagger, der von innen gegen die Augenhöhlen rammt.

Elliot nahm Medikamente. Er machte Nickerchen. Er versuchte, Stress abzubauen, zu entspannen, zu relaxen, zu verdrängen und sich zusammenzureißen. Aber das Kopfweh ging nicht weg. Es wurde sogar schlimmer. Bald war es so schlimm, dass Elliot nachts nicht schlafen und tags nicht arbeiten konnte.

Endlich ging er zum Arzt. Der Arzt machte Ärztekram, führte Ärztetests durch, bekam die Ergebnisse und hatte am Ende eine schlechte Nachricht: Elliot hatte einen Hirntumor, mitten auf dem Stirnlappen. Genau da. Sehen Sie? Der graue Fleck da vorne. Und Mann, ist der groß. Baseballgroß, würde ich sagen.

Der Chirurg schnitt den Tumor heraus, und Elliot kehrte nach Hause zurück. Kehrte zur Arbeit zurück. Kehrte zurück in den Familien- und Freundeskreis. Alles schien in Ordnung und normal zu sein.

Dann ging alles entsetzlich schief.

Elliots Arbeitsleistung litt. Aufgaben, die er früher mit links erledigt hatte, erforderten auf einmal Berge an Konzentration und Anstrengung. Einfache Entscheidungen, beispielsweise ob er einen blauen oder schwarzen Stift benutzen sollte, beschäftigten ihn stundenlang. Er machte simple Fehler und ließ sie wochenlang unbehoben. Er wurde zu einem schwarzen Loch für Termine, verpasste Besprechungen und Abgabetermine, als wären sie eine Zumutung für den Zusammenhalt von Raum und Zeit.

Zunächst tat er seinen Kollegen leid, und sie hielten ihm den Rücken frei. Schließlich hatte der Kerl gerade einen Tumor vom Umfang einer kleinen Müslischüssel aus dem Kopf geschnitten bekommen. Aber dann wurden ihnen das Rückenfreihalten zu viel und Elliots Ausreden zu absurd. Du hast ein Investorengepräch verpasst, weil du einen neuen Tacker gekauft hast? Elliot? Geht’s noch? Was hast du dir dabei gedacht?2

Nach Monaten voller verpasster Termine und anderem Mist war es nicht mehr abzustreiten: Elliot hatte bei der OP neben dem Tumor noch etwas eingebüßt, und in den Augen der Kollegen war dieses Etwas ein Riesenhaufen firmeneigenes Geld. Also wurde Elliot gefeuert.

Währenddessen ging es zu Hause nicht viel besser. Man nehme einen schluffigen Vater, verpflanze ihn aufs Sofa, besprenkle ihn mit Familienduell-Wiederholungen und backe ihn rund um die Uhr bei 180 Grad. Das war Elliots neues Leben. Er verpasste die Baseballspiele seines Sohnes. Er ging nicht zum Elternabend, weil im Fernsehen James Bond lief. Er vergaß, dass seine Frau es ganz gern hatte, wenn er mehr als einmal in der Woche mit ihr sprach.

Ehestreitigkeiten brachen an neuen und unerwarteten Frontlinien aus – allerdings konnte man sie kaum Streitigkeiten nennen. Für Streitigkeiten ist es nötig, dass zwei Menschen einen Standpunkt haben. Aber wenn seine Frau vor Wut kochte, konnte Elliot kaum folgen. Statt eifrig Änderungen oder Besserungen vorzunehmen und damit seine Liebe und Fürsorge für die Seinen zu zeigen, blieb er abwesend und gleichgültig. Es war, als lebte er auf einem anderen Planeten.

Irgendwann hielt es seine Frau nicht mehr aus. Elliot hätte man außer dem Tumor noch etwas anderes entfernt, schimpfte sie. Und dieses Etwas wäre sein verdammtes Herz gewesen. Sie ließ sich scheiden und nahm die Kinder mit. Und Elliot war allein.

Entmutigt und verwirrt suchte Elliot nun nach einem beruflichen Neuanfang. Er ließ sich zu mehreren üblen Geschäftsideen überreden. Ein Betrüger brachte ihn um einen Großteil seiner Ersparnisse. Eine gewiefte Frau verführte ihn, zerrte ihn vor den Traualtar, ließ sich ein Jahr später scheiden und sicherte sich die Hälfte seines Vermögens. Er gammelte herum, zog in immer billigere und schäbigere Wohnungen, bis er am Ende praktisch obdachlos war. Sein Bruder nahm ihn auf und begann, ihn zu unterstützen. Freunde und Familienmitglieder mussten fassungslos mitansehen, wie ein Mensch, den sie einst bewundert hatten, innerhalb weniger Jahre sein Leben wegwarf. Niemand konnte sich einen Reim darauf machen. Zweifellos hatte sich in Elliots Innern etwas verändert; das lähmende Kopfweh hatte mehr als Schmerzen verursacht.

Die Frage war: Was war anders?

Elliots Bruder brachte ihn von einem Arzttermin zum nächsten. »Er ist nicht mehr er selbst«, sagte der Bruder. »Er hat ein Problem. Er wirkt normal, aber er ist es nicht. Glauben Sie mir.«

Die Ärzte machten ihren Ärztekram und erhielten Ergebnisse und stellten leider fest, dass Elliot vollkommen normal war – zumindest nach ihrer Definition von normal –, ja, er war sogar überdurchschnittlich normal. Die Tomografien sahen gut aus. Sein IQ war immer noch hoch, sein Denkvermögen solide, sein Gedächtnis hervorragend. Er konnte die Aus- und Nachwirkungen seiner Fehlentscheidungen ausgiebig erörtern und sich humorvoll und charmant über allerlei Themen unterhalten. Sein Psychiater fand, dass Elliot nicht depressiv sei. Im Gegenteil, er hatte ein starkes Selbstbewusstsein und keinerlei Anzeichen von Stress oder Angststörungen. Im Auge des Hurrikans, den er selbst durch Nachlässigkeit bewirkt hatte, stellte er fast schon Zen-hafte Gelassenheit zur Schau.

Sein Bruder gab sich nicht zufrieden. Da stimmte doch etwas nicht. Irgendwas fehlte Elliot.

Schließlich wurde Elliot mangels Alternative an einen berühmten Neurologen namens António Damásio verwiesen.

Zuerst machte António Damásio den gleichen Kram wie die anderen Ärzte: Er unterwarf Elliot einer Reihe von kognitiven Tests. Gedächtnis, Reflexe, Intelligenz, Persönlichkeit, Raumwahrnehmung, Moralempfinden – alles passte. Elliot bestand mit Bravour.

Dann machte Damasio etwas mit Elliot, auf das bisher kein anderer Mediziner gekommen war: Er sprach mit ihm – also so richtig. Er wollte alles wissen: jeden Fehltritt, jeden Irrtum, jeden Missgriff. Wie hatte er seinen Job verloren, seine Familie, sein Haus, sein Erspartes? Damásio wollte alles wissen, Schritt für Schritt jede Entscheidung erläutert haben, den ganzen Denkprozess verstehen (oder in diesem Fall eher den fehlenden Denkprozess).

Elliot konnte ausführlich erklären, welche Entscheidungen er getroffen hatte, aber nicht warum. Er konnte Fakten und Vorgänge mit großer Eloquenz und sogar einer gewissen Dramatik darlegen, aber sobald er seine Entscheidungsfindung analysieren sollte – warum ihm der Einkauf eines Tackers wichtiger war als ein Treffen mit Investoren, warum er James Bond interessanter fand als sein Kind –, war er aufgeschmissen. Er wusste darauf keine Antwort. Und nicht nur das, es störte ihn auch gar nicht, dass er keine Antwort wusste. Es war ihm schlichtweg egal.

Dieser Mensch hatte also durch eigene Fehlentscheidungen und Irrtümer alles verloren, hatte keinerlei Selbstbeherrschung an den Tag gelegt und war sich seines katastrophalen Scheiterns vollkommen bewusst – und dennoch zeigte er scheinbar keine Reue, keinen Selbsthass, ja nicht die geringste Beschämung. Viele Menschen haben sich durch leichtere Schicksalsschläge zum Selbstmord verleiten lassen. Elliot dagegen fand sein eigenes Missgeschick nicht nur erträglich, es war ihm gleichgültig.

Dies brachte Damásio auf eine brillante Idee: Die psychologischen Tests, die Elliot absolviert hatte, maßen allesamt seine Fähigkeit zu denken, keiner aber hatte seine Fähigkeit zu fühlen gemessen. Die Ärzte waren dermaßen mit Elliots Denkvermögen befasst, dass niemand daran gedacht hatte, dass sein Gefühlsleben beschädigt sein könnte. Und selbst wenn sie es gemerkt hätten, gab es kein standardisiertes Messverfahren für eine solche Schädigung.

Eines Tages druckte ein Kollege von Damásio einen Stapel grotesker und verstörender Bilder aus. Sie zeigten Verbrennungsopfer, grausige Mordszenen, vom Krieg zerrüttete Städte und verhungernde Kinder. Dann zeigte er Elliot die Fotos, eins nach dem anderen.

Elliot blieb völlig gleichgültig. Er verspürte nichts. Und seine Teilnahmslosigkeit war so schockierend, dass er selbst anmerkte, wie beschissen das sei. Er gab zu, dass diese Bilder ihn früher sicherlich verstört hätten, dass sein Herz vor Mitleid und Entsetzen übergeflossen wäre, dass er sich vor Abscheu abgewandt hätte. Aber jetzt? Saß er da, betrachtete die finstersten Perversionen des menschlichen Schicksals – und fühlte nichts.

Und darin lag das Problem, wie Damásio feststellte: Zwar waren Elliots Wissen und...

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