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Hörspielproduktion im Englischunterricht. Handlungsorientierter Unterricht am einem Beispiel

AutorAnna Werner
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl93 Seiten
ISBN9783638060158
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis31,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft, Note: 1,3, Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg), 52 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Neben den traditionellen Medien wie der Schultafel, dem Schulbuch und anderen bedruckten Materialien werden immer häufiger auch technische Medien im Fremdsprachenunterricht eingesetzt. In dieser Arbeit ist mit Fremdsprachenunterricht der Englischunterricht gemeint. Technische Medien sind z.B. das Tonbandgerät, der Schulfunk, das Sprachlabor, der Fernseher, der Videorecorder oder der Computer. Da viele Lehrkräfte sich aufgrund der ihnen fremden Technik scheuen, Medien regelmäßig, systematisch, mediengerecht und didaktisch begründet in den Unterricht zu integrieren, um bestimmte Lernziele zu erreichen, ist die Anzahl der Unterrichtsentwürfe noch recht gering und aktuelle Fachliteratur zu diesem Themenbereich schwer zu bekommen. Oftmals wird davon ausgegangen, dass Medien für den Fremdsprachenunterricht nicht unbedingt notwendig, sondern eher schmückendes Beiwerk sind, das den Unterricht gelegentlich auflockert. Dagegen spricht, dass der Fremdsprachen-unterricht, der sich als oberstes Lernziel Kommunikationsfähigkeit setzt, nicht um technische Medien herumkommt, denn nur so können optimale Lernvoraussetzungen zum Erlangen der kommunikativen Kompetenz geschaffen werden. Als ein weiteres Argument gegen den Einsatz von Medien wird der enorme Zeitaufwand angeführt, der angeblich nicht im Verhältnis zu dem steht, was mit Hilfe von Medien erreicht werden kann. Natürlich muss ein gewisses Maß an Zeit eingeplant werden, um z.B. Hörspiele, Videoprojekte usw. zu erarbeiten, dafür können durch diese technischen Medien jedoch sprachspezifische Lernziele umgesetzt, Medienkompetenz aufgebaut und Handlungskompetenz gewonnen werden, die in diesem Umfang im traditionellen Fremdsprachenunterricht nicht erreicht werden können. ...

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Leseprobe

3. Didaktische und methodische Aspekte des Hörspiels


 

3.1 Didaktische Begründung und Lebensweltbezug


 

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich nun darauf eingehen, wie Schülern das Medium Hörspiel näher gebracht und wie es im Englischunterricht eingesetzt werden kann. Daher möchte ich didaktisch erläutern, warum das Hörspiel zum Unterrichtsgegenstand von Schule gemacht werden sollte und aus welchem Grund ich gerade dieses Medium für mein Vorhaben ausgewählt habe. Gleichzeitig werde ich das Hörspiel mit anderen Medien, wie dem Theater, dem Film oder dem Computer vergleichen und dabei gezielt auf den Medieneinsatz sowie die Medienerziehung im Fremdsprachenunterricht eingehen.

 

Im Zeitalter der „Neuen Medien“ ist der Kassettenrecorder im Kinderzimmer kaum noch anzutreffen. Gerade Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren geben an, dass mittlerweile eher das Radiohören als das Hören von Hörspielkassetten zu den häufigsten Freizeitbeschäftigungen gehört. Je älter die Kinder werden, desto weniger wird das Medium Hörspiel genutzt.[41]

 

Gehört der Kassettenrecorder zur Grundausstattung des Klassenzimmers, wovon leider nicht immer ausgegangen werden kann, wird er in erster Linie zum Hören von Musik aller Art (Lieder, Tänze, Meditationsmusik, usw.), seltener von Hörspiel- oder Märchenkassetten genutzt.[42] Viele Lehrer oder Pädagogen vergessen dabei, dass man mit diesem Gerät auch selbst aufnehmen kann. Viel zu selten steht der produktive Umgang der Schüler mit dem Kassettenrecorder im Mittelpunkt, obwohl mittlerweile fast jedes Kind ein eigenes Gerät besitzt, ob Kassettenrecorder oder Stereoanlage, und sehr gut damit umzugehen weiß.

 

Das Hörspiel führt in der Unterrichtspraxis ein „Schattendasein“ und aufgrund der immensen Bedeutung der audiovisuellen Medien in der Öffentlichkeit und vor allem der Beliebtheit des Fernsehens bei Kindern und Jugendlichen verlagert sich das didaktische Interesse offensichtlich vom Rundfunk und dem Hörspiel auf das Fernsehen.

 

Obwohl das Hörspiel ein geeignetes Gegengewicht zur „dominanten visuellen Vereinnahmung des Menschen[43] darstellt, schrecken noch viele Lehrer vor dem Umgang mit diesem Medium zurück, da sie glauben der Technik nicht gewachsen zu sein. Dass gerade das Hörspiel nicht nur als Lehrunterstützung des Lehrers dient, sondern von den Schülern aktiv als Lernmittel genutzt bzw. erstellt werden kann, vergessen die meisten.[44]

 

Fast jedes Klassenzimmer ist mittlerweile technisch so weit ausgerüstet, dass die Voraussetzungen für eine variantenreiche Hörspielarbeit geradezu ideal sind, und doch ist die Zahl der Unterrichtsmodelle zu Hörspielen minimal.

 

Im Vergleich mit den visuellen Reizen des Fernsehens ist die Fähigkeit des Hörspiels, „den Rezipienten ganz rasch an sich zu binden, ihn fast überfallartig in Handlung oder Thematik hineinzuziehen[45], eindeutig geringer.

 

Der starke sinnliche und manchmal schon aggressive Reiz der vorgegebenen fertigen Bilder in Film und Fernsehen, mit dessen Hilfe sich diese Medien Zugang zum Interesse des Betrachters und Hörers verschaffen, ist zweifellos mit dem Hörspiel nicht zu erzeugen.[46]  Auch hat es den Nachteil, anders als das Buch, nicht jederzeit und überall verfügbar zu sein, da der technische Aufwand mit Kassette, Kassettenrecorder und Stromquelle sehr hoch und zeitaufwendig ist.

 

Das Hörspiel verlangt dem Hörer ein hohes Maß an Konzentration ab und mehr aktiv- reproduktive Fähigkeiten als das bildlich Dargebotene. Der Hörspielrezipient muss sich erst in das Spiel einhören und kann sich dann mit Hilfe seiner Phantasie eine eigene innere Bilderwelt, seine innere Bühne, aufbauen. Allerdings reicht die „Bühne“ des Hörspiels auch viel weiter als die des Theaters. Der Hörer kann viel weiter sehen und viel mehr begreifen als der Zuschauer.

 

Der Computer schließlich schafft es die visuelle Anziehungskraft mit dem großen Vorteil zu verbinden, dass der Benutzer sich auch aktiv- produktiv verhalten kann.

 

Trotz der Nachteile des Hörspiels gegenüber den visuellen oder audiovisuellen Medien sollte es in den Unterricht integriert werden und als technisch reizvolle Aufgabe und produktionsorientierte Herausforderung angesehen werden[47]. Es bietet in vielerlei Hinsicht Vorteile den „Neuen Medien“ gegenüber und Möglichkeiten zur produktiven Beschäftigung, vor allem im Fremdsprachenunterricht, zur Schulung aller Grundfertigkeiten (Skills), zur intensiven Arbeit im auditiven Bereich und  zur Förderung von Kreativität.

 

Im Englischunterricht leistet das Hörspiel einen wichtigen Beitrag zur Sprecherziehung, Hörverständnisschulung und zur Förderung von Kommunikationskompetenz.[48]

 

In den Anfangsjahren ist das intensive Üben im lauten Lesen dringend erforderlich, „da die muttersprachlichen Artikulationsgewohnheiten bei den Schülern schon fest eingeschliffen sind und beim Erwerb neuer Aussprachegewohnheiten leicht zu störenden  Interferenzerscheinungen führen können.“[49] Daher ist die Erstellung von Tonaufnahmen gerade für die Ausspracheschulung dienlich.

 

Da das Hörspiel Sprache in größeren Einheiten präsentiert, wird das gesamte Gebiet der Phonetik-Phonologie abgedeckt. Besonders im Bereich des einzelnen Lautes (Starkton- und Schwachtonformen, Elision, Assimilation usw.) wie auch bei Betonung, Rhythmus, Intonation, Bindung usw. eignet sich die Hörspielarbeit als Übung und Schulung.[50] Darüber hinaus hat die Arbeit mit dem Hörspiel den Vorteil, dass die Schüler bei Tonaufnahmen und dem Abhören derselben die Notwendigkeit erkennen, sich um eine gute Aussprache zu bemühen. Schwächere Schüler, die sich im normalen Unterrichtsgeschehen eher zurückhalten, haben hierbei die Chance, es den stärkeren gleichzutun und Erfolge zu erringen. Gleiches gilt für Kinder mit Sprachfehlern. Nicht selten kommt es durch intensives Üben und bei entsprechender Anstrengung  zu großen Fortschritten und Erfolgen im Bereich der Aussprache, die sich motivierend auswirken und eine positivere Einstellung zum Fach Englisch bewirken.

 

Die entstandenen Tonbandaufnahmen bieten die Möglichkeit der Selbstkontrolle durch die Schüler und auch der Lehrer kann mit Hilfe der Aufzeichnungen Aussprachefehler oder -schwächen besser erkennen, im nachfolgenden Unterricht gezielt korrigieren und ggf. beheben.[51]

 

Neben der korrekten Aussprache kann bei der Hörspielarbeit  zugleich das gestaltende Lesen geübt werden. Die Schüler müssen auf klare Artikulation, angemessenes Lesetempo und gute Vernehmbarkeit des Gesprochenen achten und sind aufgefordert, sich in den Text einzufühlen und ihn dem Inhalt entsprechend vorzutragen.

 

Das Hörspiel erzieht demnach zu einer sauberen und natürlichen Sprechweise, der Achtung auf die richtige Lautbildung, der Klarheit im Ausdruck und der Gewandtheit im Sprechen.[52]

 

Die zweite Grundfertigkeit, die durch die Arbeit mit Hörspielen gefördert wird, ist das Hörverstehen, welches oftmals als Voraussetzung für die anderen Grundfertigkeiten angesehen wird und Grundlage für den Englischunterricht als solchen ist.

 

Kein anderes Medium schafft es so wie das Hörspiel das Zuhören, welches heutzutage als eine fast verloren geglaubte Fähigkeit gilt, zu fördern. Es eignet sich hervorragend dazu, Schüler zum gesammelten und verstehenden Hinhören anzuleiten und ihnen damit zur Konzentrations- und Denkfähigkeit zu führen. Nicht umsonst werden Hörclubs an den Schulen ins Leben gerufen, die sich im besonderen Maße mit den akustischen Medien beschäftigen und Kindern eine Alternative zum täglichen Fernsehkonsum bieten.

 

Auch im Bereich der Motivationsförderung kommt dem Hörverstehen eine große Bedeutung zu, denn Schüler bringen schneller bessere Leistungen im Bereich des Hörverstehens als im Bereich des produktiven Sprachgebrauchs.

 

Groene merkt in diesem Zusammenhang an, dass „die Hörverstehensfertigkeit sich in der Fremdsprache keineswegs als selbstverständliches Nebenprodukt anderer unterrichtlicher Bemühungen ausbildet, sondern der gezielten und intensiven Schulung bedarf.“[53]

 

Neben den eben aufgeführten Grundfertigkeiten bietet die Hörspielarbeit die Möglichkeit der Phantasie- und Kreativitätsentfaltung. In einem kommunikativen Englischunterricht sollte dem kreativen Umgang mit der Fremdsprache und der produktiven Schüleraktivität große Bedeutung beigemessen werden.

 

Dieser Forderung kommt die Eigenproduktion eines Hörspiels entgegen. Die Schüler können ihre fremdsprachlichen Fähigkeiten produktiv in der Projektarbeit anwenden und können ihren...

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