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Wettbewerb im Bankensektor

Eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Wettbewerbsverhaltens der Sparkassen

AutorMike Stiele
VerlagGabler Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl241 Seiten
ISBN9783834999016
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR
Mike Stiele setzt sich mit der Wettbewerbsmessung auf Bankenmärkten auseinander und untersucht anhand eines theoretisch-empirischen Testverfahrens das Wettbewerbsverhalten der Sparkassen.

Dr. Mike Stiele war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Geld und Kredit, an der Universität Magdeburg und leitet derzeit das Controlling und Risikocontrolling einer Förderbank.

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Leseprobe
2 Existenz und Funktionen von Banken im Wirtschaftssystem (S. 5-6)

Moderne Volkswirtschaften sind ohne das reibungslose Funktionieren eines Bankensektors undenkbar. Private Haushalte, Staat und Unternehmen nutzen auf vielfältige Weise die von Banken angebotenen Leistungen, als Beispiele seien hier nur die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die Kreditvergabe genannt. Die folgenden Ausführungen sollen verdeutlichen, warum Banken existieren und welche Funktionen sie in einer Volkswirtschaft erfüllen. Die Diskussion konzentriert sich auf die finanzwirtschaftliche Bedeutung dieser Institutionen. Von monetären Aspekten, etwa der Rolle der Banken im Rahmen der geldpolitischen Transmission, wird abgesehen.4

2.1 Transformationsfunktionen der Banken

Kern der Tätigkeit einer Bank ist die Finanzintermediation. Als Finanzintermediär5 erhält eine Bank gegen Zahlung von Zinsen Kapital von Depositenkunden und reicht dieses Kapital, ebenfalls gegen Zahlung von Zinsen, an andere Wirtschaftssubjekte weiter. Da in der Regel die Vorstellungen der potentiellen Kapitalgeber und -nehmer hinsichtlich der Fristigkeit, des Volumens sowie der Riskantheit des anzulegenden bzw. aufzunehmenden Betrages nicht übereinstimmen, nehmen die Banken hier eine Transformationsfunktion wahr. Adolph Wagner hat schon vor 150 Jahren die Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation als die wesentlichen Funktionen einer Bank herausgearbeitet. Die bankwissenschaftliche Literatur nennt außerdem die Liquiditätstransformation als weitere Leistung von Banken, die mit den anderen Funktionen in engem Zusammenhang steht. Ferner lässt sich eine räumliche Transformationsfunktion erkennen, da Banken regionale Unterschiede überbrücken und so gegebenenfalls ein Überschussangebot an Kapital an einem Ort für die Kreditvergabe andernorts nutzen.

Typischerweise sind die einzelnen Einlagen von Depositenkunden bei den Banken kurzfristiger Natur und haben einen relativ geringen Umfang. Außerdem werden bevorzugt risikoarme Anlagemöglichkeiten gewünscht, die im Notfall kurzfristig liquidierbar sein sollen. Unternehmen hingegen fragen häufig langfristige Kredite mit großen Volumina nach, die in riskante, kurzfristig nicht liquidierbare Projekte investiert werden. Die Bank ist daher mit gänzlich unterschiedlichen Präferenzen ihrer Kundschaft auf beiden Seiten konfrontiert. Im Rahmen der Losgrößentransformation sammelt eine Bank das Kapital vieler Kleinanleger ein und wandelt es in wenige, großvolumige Kredite. Aufgrund des Diversifikationseffektes lassen sich Portefeuilles riskanter Kreditausleihungen mittels risikoarmer Anlagemöglichkeiten für Sparer finanzieren (Risikotransformation).

Viele kurzfristige Einlagen bei Banken (Sichteinlagen, Tages- und Monatsgelder usw.) weisen eine höhere tatsächliche Verweildauer in der Bank auf, als dies vertraglich zwischen der Bank und den Einlegern vereinbart wurde. Es existiert ständig ein Bodensatz von eigentlich fälligen Einlagen, denen faktisch eine höhere Fristigkeit zugeordnet werden kann, weil die Bank von einer regelmäßigen Prolongation dieser Gelder ausgeht. So können bei der Fristentransformation langfristige Ausleihungen durch Prolongation kurzfristiger Einlagen bzw. durch Substitution abgezogener Einlagen durch neue Einlagen finanziert werden.

Der Bodensatz lässt sich auch zur Liquiditätstransformation nutzen, d.h. illiquide Ausleihungen in Form von Krediten können durch liquide Einlagen finanziert werden. Fristen- und Liquiditätstransformation sind allerdings dafür verantwortlich, dass Banken der Gefahr überraschender, nicht eingeplanter Abzüge von Einlagen ausgesetzt sind. Dies bildet die Grundlage für das Problem der sogenannten Bank Runs. Auslöser für einen Bank Run können negative Nachrichten sein, die ein Anleger über seine Bank erhält, zum Beispiel die mögliche Insolvenz eines Großkreditnehmers der Bank oder hohe drohende Verluste aufgrund riskanter Engagements an den Kapitalmärkten.

Der Anleger steht dann vor der Frage, ob er seine Einlagen bei dieser Bank jetzt schnell abzieht, oder ob er die weitere Entwicklung abwartet. Dabei riskiert er, seine Einlagen ganz oder teilweise zu verlieren, falls die Bank tatsächlich zahlungsunfähig wird. Der Kunde reagiert deshalb in der Regel auf den Vertrauensverlust in eine Bank mit dem sofortigen Abzug seiner Anlagen.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort7
Vorwort9
Inhaltsverzeichnis10
1 Einleitung13
1.1 Motivation13
1.2 Gang der Untersuchung15
2 Existenz und Funktionen von Banken im Wirtschaftssystem16
2.1 Transformationsfunktionen der Banken16
2.2 Transformation über Kapitalmärkte19
2.3 Der Kreditvertrag als Lösung des Problems der Informationsasymmetrie20
2.4 Finanzintermediation - effizientes Instrument der Überwachung des Kreditnehmers23
3 Der deutsche Bankenmarkt37
3.1 Struktur des Bankensektors in Deutschland37
3.2 Strukturelle Unterschiede der Kreditinstitute in den einzelnen Säulen44
3.3 Profitabilität der Kreditinstitute52
3.4 Overbanking im deutschen Bankensektor?60
4 Konzepte der Wettbewerbsmessung64
4.1 Wettbewerbsmessung durch Marktstrukturmaße64
4.2 Lerner-Index als Wettbewerbsindikator76
4.3 Methoden der NEIO77
5 Der Panzar-Rosse-Ansatz82
5.1 Monopol82
5.2 Vollkommener Wettbewerb91
5.3 Monopolistische Konkurrenz97
5.4 Zusammenfassende Diskussion des Ansatzes98
5.5 Wahl der Untersuchungsmethode104
5.6 Überblick über Panzar-Rosse-Studien in der Literatur106
5.7 Nachtrag108
6 Methodische Vorüberlegungen zur Schätzung und Datengrundlagen110
6.1 Ertrags- vs. Preisgleichung111
6.2 Input- und Outputbestimmung bei Banken114
6.3 Datengrundlagen120
6.4 Unterschiedliche Entwicklung der Sparkassen in Ost und West125
7 Empirische Schätzung137
7.1 Auswertung für Westdeutschland137
7.2 Auswertung für Ostdeutschland162
7.3 Zu den Unterschieden zwischen Ost und West173
7.4 Vergleich mit Spezifikationen aus der Literatur178
7.5 Ergebnisse für Deutschland gesamt und Vergleich mit Literatur184
8 Fazit189
Literaturverzeichnis196
Anhang211

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