Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS, auch Legasthenie genannt) ist zwar vielen bekannt, aber nur wenige wissen, dass sie viele Facetten hat

Wie bekomme ich als Elternteil, oder gar als Pädagoge, heraus ob ein Kind darunter leidet bzw. was ist zu unternehmen?

Als Faustregel gilt: Wenn ein Kind in ungeübten Diktaten regelmäßig durchschnittlich zehn Fehler oder mehr macht, leidet es an einer Rechtschreibeschwäche.

Eine sogenannte Leseschwäche besteht, wenn das Kind beispielsweise Fehler nicht erkennen kann, stockend und mühsam liest oder auch ähnliche Wörter miteinander verwechselt.

Allen voran bemerkt man eine Leseschwäche daran, dass ein Kind ungern Bücher liest, sogar einfache und altersentsprechende Lektüren meidet und zu Bildern (z.B. Comics und Fernsehen) flüchtet.

 

Ein Indiz für eine LRS ist keinesfalls die Intelligenz des Kindes. Auch Faulheit ist keine Ursache dafür. Der wahre Kern einer LRS ist die Unreife des am Lesen und Schreiben beteiligte Gehirnareals. Dieses ist nicht genügend ausgebildet und bedarf einer Nachreifung.

Hier steckt nun aber glücklicherweise eine großartige Chance der LRS den Kampf anzusagen.

 

Da eine Lernschwäche nichts Endgültiges oder gar Absolutes ist, kann man mit dem richtigen Knowhow die Ursachen bekämpfen und sie somit in den Griff bekommen.

 

Die Lösung hierfür sind wider Erwarten nicht das Auswendig-Lernen oder wie es die meisten irrtümlicherweise glauben würden, dass viele Schreiben und Lesen.
Wie soll denn ein Kind, das nicht zuverlässig schreiben kann, durch das bloße Schreiben besser darin werden?

Wie soll ein Kind, für das ein einfaches Lesebuch schon ein nicht zu erklimmender Berg darstellt, durch das bloße Lesen von mehreren Sätzen besser im Lesen werden?

Gehen wir zurück zu den Ursachen: Lesen und Schreiben sind Hirnfunktionen. Jede Art einer Lese- und/ oder Rechtschreibeschwäche basiert auf einem neuronalen Verbindungssystem, welches durch eine Unreife bis nicht vorhandene Ausprägung des Buchstaben-Netzwerks äußerst lückenhaft ist.

Man kann sich die angesprochenen Hirnareale in etwa wie ein löchriges Fischernetz vorstellen bei dem die Buchstaben durchschwimmen können und daher keine Wörter in der richtigen Zusammensetzung zustande kommen. Es mangelt an Verknüpfungen und Verbindungen.

Daher sind die Symptome einer LRS typischerweise die vielen Fehler und das Verdrehen, Verwechseln oder Auslassen von Buchstaben, aber auch z.B. Schwierigkeiten mit der Groß- und Kleinschreibung.

Der Begriff „Legastheniker“ dürfte jedem geläufig sein. Die Ausprägung bzw. Stärke der Legasthenie fallen üblicherweise bei jedem Individuum anders aus.

Fälschlicherweise nehmen viele an Legastheniker können überhaupt nicht lesen oder schreiben. Jedoch wissen wir mittlerweile, dass es zwischen Schwarz und Weiß ein ganzes Spektrum an Farben gibt. Dies gilt auch für eine LRS; es gibt mehrere Verläufe und Stufen.

Als Beispiel hierzu zählen unter anderem Kinder, die früher gerne und gut gelesen haben, sich später aber nur durch Mühe und Not durch (altershomogene) Lektüren quälen.
Hier spricht man von einer latenten LRS.
Diese kann auch in der fortschreitenden Karriere eines Schülers in Erscheinung treten, z.B. in Zusammenhang mit dem Erlernen einer neuen oder zweiten Fremdsprache.

Sie muss sich auch nicht immer auf die Muttersprache auswirken (was jedoch oft vorkommt), sondern kann ihre Wurzeln ebenfalls in der erlernten Fremdsprache schlagen und ausbreiten.

Von einer versteckten LRS spricht man, wenn Menschen, die Zeit ihres Lebens damit verbracht haben einen großen Bogen um das Schriftliche machen.

 

Früher ist man davon ausgegangen, dass die Kinder nicht intelligent genug, faul oder töricht sind, Auffälligkeit in ihrem Verhalten zeigen oder an Konzentrationsproblemen leiden.

Heutzutage weiß man zum Glück, dass basierend auf der neurologischen Forschung und aufgrund erprobter Methoden, dass es einen spezifischen Bereich im Gehirn gibt, der nur für die Lese-Schreib-Fähigkeit zuständig ist.

Die Krux ist, dass unser Schulsystem und die Regelschulen im Allgemeinen weder genügend ausgebildet sind, um eine LRS teilweise oder vollständig zu berücksichtigen, noch ansatzweise methodisch in den Griff zu bekommen.

Folge dessen sind es die Erziehenden, die vorrangig in der Verantwortung stehen. Doch wie kommt man seiner Verantwortung nach, wenn man nicht das passende Know-how und Handwerkzeug zur Verfügung hat? Vor dieser kopfzerbrechenden Frage stehen viele Elternteile und Alleinerziehende Tag ein Tag aus.

Aus Verzweiflung lassen sie ihre Schützlinge meistens Sätze schreiben und einfache Literatur lesen. Dabei gerät jedoch wieder mal in Vergessenheit, dass genau diese zwei Dinge ihren Liebsten die größten Schwierigkeiten bereiten.

Zumal genau diese Vorgehensweise die Ausgangssituation nicht verbessern, sondern im schlimmsten Fall sogar noch verschlechtern wird.
Wenn ein Mensch, der eine LRS hat, zum Lesen und Schreiben gezwungen wird kann man davon ausgehen, dass er noch bedeutend mehr darunter leiden wird.

Die effektiven und erprobten Methoden Legasthenikern und allen Kindern sowie Erwachsenen, die Berührungspunkte damit haben, zu helfen, haben überraschenderweise sogar wenig bis gar nichts mit dem Lesen und Schreiben gemein.

Doch bis der Groschen gefallen ist, hat man meist bereits das gesamte Internet durchforscht und sich mit im Hinblick auf effiziente Strategien mit zahlreichen inkompetenten Personen in Foren ausgetauscht – einzig und allein in der Hoffnung unverzüglich eine effektive Lösung parat zu haben.

Dabei ist die Bekämpfung von einer LRS anders als bislang vermutet wurde.

Es ist weder förderlich Sätze, Wörter zu lesen bzw. zu schreiben, noch Silben zu analysieren und diese auswendig zu lernen.
Auch wenn man Silben braucht um Wörter zu bilden und Wörter um Sätze zu konstruieren.

Die Bekämpfung der LRS ist noch kleinschrittiger.
Man geht davon aus, dass LRS-Kinder in der Grundschule etwas mehr Zeit benötigen als ihre Mitschüler um sich Buchstaben einzuprägen. Aufgrund des voranschreitenden Lehrplans, der Klassengröße und vor allem der Tatsache entsprechend, dass die Lehrer nicht genügend Zeit finden um jedem Kind effektiv zu helfen.

 

Die Folge daraus ist, dass die Buchstaben bruchstückartig abgespeichert werden und der Schüler sich selbst unvollständig „programmiert“ hat.

 

Die positive Nachricht ist, dass das Buchstaben-Areal im Gehirn kein geschlossenes System ist. Somit ist es möglich durch einen heilpädagogischen Prozess die Hirnregion, die verantwortlich für Buchstabenautomatisierung ist, nachzureifen.

Um diesen Prozess in den Gang zu setzen bringt also das Lesen und Schreiben gar nichts.

Was befördert aber nun diesen Prozess und hilft dem Betroffenen?

 

Man kann sich dieses Hirnareal wie einen Muskel vorstellen, der zu schwach ist um die Buchstaben korrekt zu erkennen.
Wenn man aber nicht genügend Kraft (bspw. durch eine akute Muskelschwäche) besitzt um einen Gegenstand hochzuheben, bekommt man ihn allein durch das Zureden und Anfeuern nicht bewegt.

Vielmehr sollte man sich in ein Trainingslager begeben um einen spezifischen und differenzierten Muskelaufbau zu betreiben.

Unreife ist also quasi die Ursache.  Die Nachreifung geschieht durch die die Aufnahme der Buchstaben, genauer gesagt über die Sinne sehen, hören und tasten. Man kann sich dieses Hirnareal allerdings auch wie eine Art Betriebssystem vorstellen, welches programmiert werden kann.
Bislang wurde dieses (offene) Computerprogramm mit zu wenig oder gar Fehlinformationen gefüttert.

Durch die Eingabe der Buchstaben bringt man dieses Betriebssystem zum funktionieren, also zur Nachreifung

Spielen liegt in der Natur des Menschen.

„Das Leben besteht nicht daraus, gute Karten zu haben, sondern mit denen, die Du hast, gut zu spielen.“ sagte bereits Josh Billings, ein amerikanischer Schriftsteller, der von 1818 bis 1885 lebte.
Dieses Zitat macht auch deutlich, dass man bevor man Wörter und Sätze bildet oder liest, zunächst ein Fundament braucht, auf dem die Wörter und danach die Sätze solide stehen können.

Wie trainiert man die Fähigkeit Wörter zu bilden, die der allgemeinen Rechtschreibung entsprechen und korrekt sind?

Die Antwort wird wahrscheinlich auch für Staunen sorgen – durch das Spielen!

Die gute Nachricht hierbei ist, dass der oder die Betroffene nicht alleine spielen muss. Dies ist auch in Gruppen möglich und hilft sehr effizient die LRS abzuschütteln.

Durch den spielerischen und sensorischen Umgang mit Buchstaben trainiert man die Fähigkeit des Lesens und Schreibens.

Mit dem federführenden Finger werden einzelne Buchstaben umfahren, das Auge speichert diesen Vorgang ebenso automatisch ab.
Zusätzlich wird der Buchstabe phonetisch ausgesprochen.
Phonetik ist dabei äußerst wichtig, da die Essenz die Abspeicherung der Buchstaben ist – und somit quasi die Zerteilung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

 

Joe Kennedy, ein gebürtiger Engländer, hat darüber ein Buch mit dem Namen „Nie wieder Horrordiktate!“ und dem Zusatz „Die Lösung bei LRS: Gezieltes Buchstaben-Tipptraining und kreative ABC-Spiele“ geschrieben.

Als Vollblut-Pädagoge hat er sich nicht nur mit der Motivation der Kinder beschäftigt, sondern auch sich zur Lebensaufgabe gemacht Menschen, die selbst eine LRS haben oder jemandem im direkten Umfeld, nachhaltig zu helfen.
Es ging ihm dabei nie um eine Schadensbegrenzung, sondern vielmehr um die Ursachenbekämpfung.

 

1991 hat er in Tuttlingen die Kennedy-Schule gegründet – mit dem Ziel Schülern und Eltern zu helfen. Neben der klassischen Nachhilfe implementierte er „LRT“ (Lese-Rechtschreib-Training) und „RT“ (Rechen-Training) in seine Einrichtung und trat damit bundesweit eine Welle los um den Nachhilfe-Markt zu revolutionieren.

 

Doch dies war dem ehemaligen Lehrer noch nicht genug. Über die Schule hinaus beriet er bundesweit Familien, Eltern und andere Pädagogen und gab sogar Seminare zum Thema. Mit der Erkenntnis, dass kein Kind dumm ist, sensibilisiert er Betroffene, Angehörige und sogar Wissenschaftler für das Thema.

Mit dem Ansatz des heilpädagogischen Nachreifungstrainings wurde ein großer Fundus an Buchstaben-Spielen entwickelt, erprobt und in den Unterricht mitaufgenommen. Diese Spiele drehen sich ausschließlich um Buchstaben und lassen sich in Kleingruppen spielen.

 

Die Technik ist das spielerische Lernen über die Sinne. Bei diesen Spielen steht die sensorische Aufnahme im absoluten Mittelpunkt und hilft somit den einzelnen Buchstaben in das Langzeitgedächtnis vorzudringen – für eine korrekte Speicherung.

Wenn ein Betroffener nur einen Buchstaben anschaut benutzt er meistens nur einen Sinn; den Sehsinn. Fühlt er jedoch den Buchstaben und spricht ihn laut aus, werden mindestens 3 Sinne aktiviert. Somit wird eine Langzeitspeicherung in die Wege geleitet und der späteren Nachreifung der Leseschreibfähigkeit steht nichts mehr im Wege.

Vielen Menschen konnte durch die Erkenntnisse von Joe Kennedy, der Kennedy-Methode, seinem Buch und seinen Praktiken in der Kennedy-Schule geholfen werden.

 

Die Kennedy-Schule findet man unter www.kennedy-schule.de im Internet.
Ausführliche Informationen über die „Kennedy-Methode“ sowie der Lösung bei LRS im Buch „Joe Kennedy – Nie wieder Horrordiktate!“ (ISBN: 978-3-947572-34-2)

 

Eine Publikation von Crischa Wagner © 2020