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Bautechnik in der Landschaftsarchitektur: gestalterische Anforderungen und der Faktor Zeit

Eine Untersuchung aktueller Landschaftsarchitektur zwischen Theorie und Praxis

AutorBettina Wettstein
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl251 Seiten
ISBN9783831607754
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis36,99 EUR

Forschung in der Landschaftsarchitektur ist immer im Zusammenhang mit dem gebauten Ergebnis zu betrachten. Theoretische Überlegungen entfalten nur dann Wirkung, wenn die Möglichkeit der Realisierung gegeben ist. Das bedeutet, Idee und Realisierung stehen in einem engen Verhältnis, das nicht zerrissen werden darf.

Landschaftsarchitektur stellt Anforderungen in gestalterischer wie in bautechnischer Hinsicht. Auffallend dabei ist die Tatsache, dass gestalterische Wünsche und tatsächliche Bauausführung häufig stark differieren. Die Arbeit sucht mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden Ursachen für diesen Unterschied. Sie verfolgt dazu den Ablauf des Planungsprozesses, die planerisch getroffenen Wertsetzungen und ihr logisches Verhältnis zueinander, ihre Wirkungen im Zuge der Realisierung und Entwicklung ebenso wie die Rahmenbedingungen.

Wichtig sind in diesem Zusammenhang Argumentations- und Begründungszusammenhänge, denn deren Logik führt zur Akzeptanz des Planers und seiner Planung durch die Planungsbeteiligten und die Gesellschaft.

Die Überlegungen dienen als Basis und der Planungsprozess, wie er in dieser Arbeit herausgearbeitet wird, bildet ein Gerüst, um weitere Forschungsarbeiten einzugliedern. Dadurch ergibt sich eine Möglichkeit, Forschung in der Landschaftsarchitektur visuell und inhaltlich in Verbindung zu bringen.

Diese übergeordnete Arbeit ist als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen angelegt. Sie bildet den Anfang einer eigenen Forschungsserie der Autorin mit Themenschwerpunkten zwischen Theorie und Praxis.

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Leseprobe
2. Landschaftsarchitektur (S. 24-25)

2.1 Berufsstand, Berufsbezeichnung


Ausgehend vom Hofgärtner, Lustgärtner und später Kunstgärtner entwickelte sich ein Berufsstand, über das Unternehmertum von Garten- und Landschaftsbau bis hin zum heutigen Landschaftsarchitekten. Im Barock waren höfische Auftraggeber bestimmend. Bei der Ausführung standen die Spezialisierung von Pflege und Anzucht von Zierpflanzen sowie ihre Pflanzung im Vordergrund. Befähigte Gärtner, die planerisch tätig waren, wurden von ihren Auftraggebern gefördert, wie z.B. Andre le Notre (1613– 1700). In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts löste der Landschaftsgarten den architektonischen Gartenstil ab. Zunächst wieder in Form einzelner großer Anlagen, später auch in privaten und öffentlichen Gärten. Aufstieg von Wissenschaft und Technik, Wachstum von Proletariat und Bürgertum brachten eine Schwerpunktverlagerung der Berufsaufgaben auf das öffentliche Grün, im 18 Jh. auch bedingt durch neue soziale Aspekte. Dienstleistungen für die Gärten der Bürger waren gefragt. Es entstand eine neue Auftraggeberschicht und der Berufsstand wuchs. Jetzt sogenannte Landschaftsgärtner übernahmen Nebenarbeiten wie Holzarbeiten, Steinarbeiten, Betonarbeiten, Entwässerungsarbeiten. Sie wurden zu festen Bestandteilen landschaftsgärtnerischer Dienste. Die Übernahme immer größerer Aufträge forderte mehr Kapazität und Qualifizierung der Betriebe. An der Wende vom 19. zum 20. Jh. waren unterschiedliche Berufsbezeichnungen wie Gartenbau, Gartenwesen, Gärtnerei, Kunstgärtnerei, Gartenkünstler u.a. im Gebrauch.

Mit den 20er und 30er Jahren erweiterte sich das Spektrum der Aufgaben und damit des Berufsbildes, und andere Aufgaben dehnten den Bereich auf die Landschaft aus. Die spätere Spezialisierung ‚Landschaftsplanung‘ deutete sich bereits an. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurde für den Garten- und Landschaftsbau Entwicklungszeit für Unternehmertum auf breiter Basis. In den Ausführungsbetrieben hielt man am Begriff des Garten- und Landschaftsgärtners fest.

Nach 1945 bekannte man sich zu dem Begriff Landschaftsgärtner als offizieller Berufsbezeichnung. Wesentliche Impulse liegen in den fünfziger Jahren. Sie brachten einen weiteren Strukturwandel für zahlreiche Betriebe einschließlich neuer Art der Aufträge und neuer Arbeitstechniken. „Die strikte Trennung von Planung und Ausführung und die damit einhergehende Unterscheidung zwischen Landschaftsarchitekturbüros und gärtnerischen Ausführungsbetrieben wurde (...) auf Betreiben der Berufsverbände aus marktstrategischen Gründen eingeführt“ (Weilacher 2001: 16). Es mangelte an Arbeitskräften und die Mechanisierung setzte ein. Dies hat das Berufsbild mehr verändert als in den Epochen zuvor. Daraus entstand wohl auch der Wunsch (im Jahr 1967) eine neue Berufsbezeichnung zu entwickeln, den Garten- und Landschaftsbau (vgl. Steubner 1969:143). Hermann Fürst Pückler hatte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts den Begriff Landschaftsgärtner fixiert, Leute, die sich mit der Planung und der Anlage von Landschaftsgärten beschäftigten. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Begriff nur noch für Ausführende angewendet. Die erste schulische Ausbildungsstätte schuf Peter-Josef Lenne im Potsdamer Wildpark. Diese Ausbildung schloss als Gartenbauingenieur ab und zeigte, dass technische ebenso wichtig wie künstlerische Elemente des Berufs sind. Bei der Berufsbezeichnung herrschte noch lange Zeit Unsicherheit. Nach dem 2. Weltkrieg existierten nebeneinander die Titel Gartenarchitekt, Gartengestalter und Landschaftsgestalter. Das Studium mit Hochschulabschluss ‚Diplom Gärtner‘ (ursprünglicher Titel) gibt es seit 1929 in Berlin. Voraussetzung für das Studium war eine Gärtnerlehre. Der Hochschulabschluss Diplom-Ingenieur entstand erst nach dem zweiten Weltkrieg. Dies war zumindest äußerlich ein Zeichen, mit Architekten und Ingenieuren gleichziehen zu wollen.

Etwa 1965 beginnt eine vielfältige Ausweitung traditioneller Aufgabenbereiche, die bis heute nicht abgeschlossen ist, kennzeichnend dafür unter anderem die Zusammenlegung der Fächer Landschaftsarchitektur, Architektur und Städteplanung in einem Fachbereich, wie es an der Universität Kassel erfolgte (vgl. Grizmek u Rainer Stephan, Skript von Prof. Hans Jörg Weber 1993: 130–139). „Sicherlich musste dieser Berufsstand sich zu nächst einmal neu profilieren. Für sich selbst, vor allem aber gegenüber den Hochbauarchitekten, den selbstempfundenen „echten Architekten“ (Schröder 2002: 41), denn diese beanspruchten für sich selbst die führende Rolle in der Gartengestaltung und betrachteten den »Gärtner« als Hilfskraft (vgl. Weilacher 2001: 15).
Inhaltsverzeichnis
Vorwort10
Inhaltsverzeichnis12
1. Einleitung18
2. Landschaftsarchitektur31
3. Planung41
4. Realisierung53
5. Zwischenfazit58
6. Planungsbeispiele65
7. Ergebnisse der Gespräche94
8. Zusammenführung der Ergebnisse und Überprüfung der Hypothesen150
9. Abschließende Diskussion der Ergebnisse210
10. Weitere Entwicklung219
Literaturliste229

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