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E-Book

Chronische Wunden

Beurteilung und Behandlung

AutorSusanne Danzer
VerlagKohlhammer Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl236 Seiten
ISBN9783170267091
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Der Heilungsprozess chronischer Wunden ist meist langwierig, für die Betroffenen mit einer eingeschränkten Lebensqualität verbunden und zieht nicht zuletzt hohe volkswirtschaftliche Kosten nach sich. Dieses Buch bietet entsprechend dem Expertenstandard Informationen zu physiologischen Wundheilungsstadien, Gradeinteilungen chronischer Wunden, die häufigsten chronischen Wundarten sowie Beurteilungskriterien und Therapiemöglichkeiten. Themen wie Ernährung, Schmerz und Dokumentation, Präventivmaßnahmen, Beratung und Anleitung der Betroffenen ergänzen dieses kompakte Praxisbuch. Die Versorgung von Tumorwunden wurde in der 4. Auflage erweitert und es wurden zusätzliche Informationen zum Thema Lymphödem ergänzt.

Susanne Danzer, examinierte Krankenschwester, Fachautorin, Pflegetherapeutin Wunde ICW e. V., zertifizierte Wundexpertin ICW e. V., geprüfte Wundberaterin AWM®, Pflegeexpertin Haut WMAK, Pflegeexpertin Unterdrucktherapie WMAK, Pain Nurse, Pain Nurse Plus, arbeitet in einem Homecare Unternehmen.

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Leseprobe

3         Häufig auftretende chronische Wunden


 

 

3.1        Dekubitus


 

    

Ein Dekubitus wird als Schädigung der Haut durch anhaltende lokale Druckeinwirkung und/oder durch die Einwirkung von Scherkräften definiert.

Abb. 3.1: Entstehung eines Dekubitus

Stadieneinteilung des Dekubitus (modifiziert nach Shea, 1975)


Stadium I:

Scharf begrenzte Hautrötung bei intakter Haut, die sich nicht wegdrücken lässt. Bei konsequenter Druckentlastung verblasst die Rötung nach einigen Stunden bis Tagen, je nach Ausprägung der vorangegangenen Minderdurchblutung.

Stadium II:

Teilverlust der Epidermis bis hin zur Dermis. Es handelt sich hierbei um oberflächliche Hautdefekte, die sich als Abrasion, Blase oder flaches Ulkus zeigen.

Stadium III:

Schädigung aller Hautschichten (Epidermis, Dermis, Subkutis), die bis auf die Faszie reichen kann. Sie zeigt sich als tiefes, offenes Ulkus mit oder ohne Unterminierung des Gewebes.

Stadium IV:

Hautverlust über die gesamte Hautdicke mit ausgedehnten Gewebsnekrosen und Schädigung von Muskeln, Sehnen und Knochen. Unterminierungen in Form von Wundtaschen und Fisteln sind dabei häufig.

Stadieneinteilung nach Seiler (1979)


Hier wird das Aussehen der entstandenen Wunde beschrieben, wobei keine Orientierung an der Tiefe der Wunde stattfindet.

Stadium A:

Wunde sauber, Granulationsgewebe vorhanden, keine Nekrosen

Stadium B:

Wunde schmierig belegt, Restnekrosen, keine Infiltration des umliegenden Gewebes

Stadium C:

Wunde wie Stadium B mit Infiltration des umliegenden Gewebes und/oder Allgemeininfektion (Sepsis)

Abb. 3.2: Dekubitus-Kategorieeinteilung: Bei der Klassifizierung der Schwere eines Dekubitus orientiert sich man daran, welche Gewebeschichten durch die Druckschädigung bereits zerstört wurden (mit freundlicher Genehmigung Paul Hartmann AG, Heidenheim, © Paul Hartmann AG, 2001)

Klassifizierung nach EPUAP/NPUAP (2009) (European Pressure Ulcer Advisory Panel, National Pressure Ulcer Advisory Panel)


Kategorie/Stufe/Grad I: Nicht wegdrückbares, umschriebenes Erythem der intakten Haut; Verfärbung, Überwärmung, Induration oder Verhärtung der Haut können als Indikatoren gelten, insbesondere bei Menschen mit dunkler Haut.

Kategorie/Stufe/Grad II:

Beeinträchtigung der Epidermis und/oder Dermis.Der Dekubitus ist oberflächlich und stellt klinisch eine Blase (intakt, serumgefüllt oder offen/rupturiert), eine Abschürfung oder ein flaches Geschwür ohne nekrotisches Gewebe oder Bluterguss dar.

Kategorie/Stufe/Grad III:

Zerstörung aller Hautschichten. Schaden und mitunter auch Nekrosenbildung des Unterhautfettgewebes. Das Geschwür erstreckt sich bis zur darunter liegenden Faszie, durchdringt sie aber nicht, sodass Knochen oder Sehnen nicht sichtbar oder tastbar sind. Klinisch stellt das Geschwür einen tiefen Krater mit (oder auch ohne) Unterminierung des angrenzenden Gewebes dar.Dekubitus der Kategorie/Stufe/Grad III können sich je nach anatomischer Lokalisation (z. B. Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf) auch sehr oberflächlich darstellen, da hier kein subkutanes Gewebe vorhanden ist.

Kategorie/Stufe/Grad IV:

Ausgedehnte Zerstörung, totaler Gewebsverlust, Gewebenekrose und Schaden an Muskel, Knochen und anderen unterstützenden Strukturen (Sehnen, Gelenkkapseln).Das Geschwür stellt klinisch einen tiefen Krater mit sichtbaren Knochen, Sehnen oder Gelenkkapseln dar. Unterminierungen und Wundtaschenbildungen kommen in diesem Stadium oft vor. Dekubitus an anatomischen Stellen ohne Subkutangewebe (z. B. Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf, Knochenvorsprung am Fußknöchel) können dort auch sehr oberflächlich sein.

Die Dekubituskategorien/Klassifizierungen sollten nicht zur Beschreibung von Heilungsfortschritten des Dekubitus verwendet werden. Ein Dekubitus Kategorie IV bildet sich nicht in einen Dekubitus einer niedrigeren Kategorie zurück. Die Klassifizierungen dienen dazu, die maximale Gewebeschädigung zu definieren.

Um den Heilungsverlauf von Dekubitus zu dokumentieren, sollten objektive Parameter verwendet werden wie größte Länge, Breite und Tiefe, sowie Menge des nekrotischen Gewebes oder des Exsudats, Vorhandensein und Struktur von Granulationsgewebe usw.

Zusätzliche Dekubituskategorien nach NPUAP


Das NPUAP (National Pressure Ulcer Advisory Panel) in den USA definiert zwei zusätzliche Dekubituskategorien, da die Einschätzung der Tiefe eines nicht eröffneten Dekubitus schwierig ist.

Uneinstufbar/nicht klassifizierbar: Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust – unbekannte Tiefe

Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust, bei der die tatsächliche Tiefe der Wunde von Belag (gelb, dunkelgelb/hautfarben, grau, grün oder braun) und Wundkruste/Schorf (hautfarben, braun oder schwarz) im Wundbett verdeckt ist.

Ohne ausreichend Belag oder Wundkruste/Schorf zu entfernen, um an den Wundgrund zu gelangen, kann die wirklich Tiefe der Wunde nicht festgestellt werden, aber es handelt sich entweder um einen Dekubitus Kategorie III oder Kategorie IV.

Stabiler Wundschorf/Nekrosen (trocken, festsitzend, intakt ohne Erythem und Fluktuation/Flüssigkeit) an den Fersen dient als »natürlicher biologischer Schutz« und sollte nicht entfernt werden.

Vermutete tiefe Gewebeschädigung – unbekannte Tiefe:

Violetter oder rötlichbrauner, umschriebener Bereich verfärbter, intakter Haut oder blutgefüllter Blase aufgrund einer Schädigung des darunterliegenden Weichgewebes durch Druck und/oder Scherkräfte. Dem Effekt vorausgehen kann eine Schmerzhaftigkeit des Gewebes, das von derber, breiiger oder matschiger Konsistenz sein kann und wärmer oder kälter als das angrenzende Gewebe ist. Vermutete tiefe Gewebeschädigungen sind bei dunkelhäutigen Menschen schwer zu erkennen. Es kann zu einer dünnen Blase über einem schwarzen Wundbett kommen. Die Wunde kann sich weiter entwickeln und mit Wundschorf bedeckt sein. Es kann zu einem rasanten Verlauf unter Freilegung weiterer Gewebeschichten auch unter optimaler Behandlung kommen.

Begünstigende Faktoren für die Dekubitusentstehung


•  Immobilität unterteilt in:

−  vollständige Immobilität: keine Spontanbewegung, z. B. durch Bewusstlosigkeit, Koma, Narkose, vollständige Lähmung. Das Alter des Patienten spielt dabei keine Rolle

−  relative Immobilität: Spontanbewegungen sind mehr oder weniger eingeschränkt, z. B. durch Sedierung, bei Frakturen, starken Schmerzzuständen, neurologische Erkrankungen besonders mit Sensibilitätsstörungen bzw. -verlusten

•  Mangeldurchblutung der Haut, z. B. durch Schock, Hypotonie, Dehydration, Herzinsuffizienz, Arteriosklerose

•  reduzierter Allgemeinzustand, z. B. durch schwere und/oder chronische Erkrankungen, maligne Prozesse, Malnutrition, Exsikkose, usw.

•  Stoffwechselstörungen

•  Durchblutungsstörungen

•  allgemeine Faktoren wie Flüssigkeitsmangel, Infektionen (besonders mit Fieber), vorgeschädigte bzw. erkrankte Haut

•  Inkontinenz (Urin- und/oder Stuhlinkontinenz)

•  physiologische Hautalterung mit Schwund von Zell- und Faserelementen und damit verbundenem Dünnerwerden der Haut sowie Elastizitätsverlust des Bindegewebes.

•  Operationen mit langer Liegezeit, extremen Scherkräften (z. B. durch Extension), Unterkühlung des Patienten, lange Gefäßabklemmzeiten oder zu lange Blutleerzeiten, falsche Anwendung von Desinfektionsmitteln

•  Anlage von Sonden und Kathetern und deren Fixierung

 

    

Die Behandlung eines Dekubitus erweist sich, besonders im Sakralbereich, oft als schwierig. Durch die relative Nähe zum Analbereich kommt es hier häufig zu Infektionen bzw. Re-Infektionen durch Darmkeime. Ein adäquates Infektionsmanagement ist deshalb...

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