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Das Miteinander fördern

Ansätze für eine professionelle Benachteiligtenförderung

AutorAnke S. Kampmeier, Beatrix Niemeyer, Meike Stannius, Ralf Petersen
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl152 Seiten
ISBN9783763945238
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,90 EUR

An der Förderung der Berufsausbildung für Jugendliche mit schlechten Startchancen arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen in unterschiedlichen Institutionen. Obwohl dieser Bildungsbereich seit dreißig Jahren wächst, sind die Ausbildungsmöglichkeiten bzw. die Studienangebote für eine Berufstätigkeit in diesem Bereich unzureichend geblieben. Ebenso verbesserungsbedürftig ist die Zusammenarbeit der Akteure und Akteurinnen in den Förderinstitutionen. Die Autoren sehen die Ursachen dafür in schlechten Professionalisierungsbedingungen und entwickeln Lösungsansätze für eine verbesserte Kooperation und Qualifikation in der Benachteiligtenförderung. 

Studierende der Sozial- und Berufspädagogik erhalten eine grundlegende, systematische Einführung in die Professionalisierungsbedingungen des Arbeitsfelds der beruflichen Benachteiligtenförderung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden hier den aktuellen Forschungsstand. Für alle Berufsgruppen, die in der beruflichen Benachteiligtenförderung arbeiten, ist es eine Handreichung für die gemeinsame Reflektion ihrer Praxis.

Der Autor

Anke S. Kampmeier lehrt als Professorin für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung und Sozialpädagogik an der Hochschule Neubrandenburg.

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Leseprobe
5 Erste Lösung: Kooperation (S. 73-74)

Anke S. Kampmeier

Der paradigmatische Anspruch der Transdisziplinarität ebenso wie der Anspruch der Inklusion, die Kultur der Vielfalt zu achten und konstruktiv zu nutzen, findet seine praktische Umsetzung in professionellem kooperativem Handeln aller Akteurinnen und Akteure in der Benachteiligtenförderung. Gleichzeitig ist eine professionelle Kooperation gefordert, weil der ‚Problemkomplex der Kooperation’ ein konstituierendes Element des Professionalisierungsdilemmas ist, dem begegnet werden muss. Die Lehrkräfte, Ausbilder und Ausbilderinnen, die sozialpädagogischen Fachkräfte sowie die beteiligten Institutionen Schule und außerschulische Bildungsträger, gegebenenfalls beteiligte Betriebe, müssen sich in einen gemeinsamen, konstruktiven Prozess für die bestmögliche Förderung der jungen Menschen einfinden. Wie dieses Einfinden geschehen kann, wie eine (trans)professionelle Kooperation in der Benachteiligtenförderung erfolgen kann, wird in diesem Kapitel erläutert. Das Paradigma der Transdisziplinarität wird unter dem Begriff der Transprofessionalität in die pädagogische Praxis der Lehr- und Ausbildungskräfte sowie der sozialpädagogisch Tätigen transferiert.

Die Förderer und Förderinnen agieren auf der Grundlage ihrer jeweiligen Profession und ihrer professionsspezifischen Erfahrungen miteinander in einem kooperativen Prozess. Die Erkenntnisse beruhen im Wesentlichen auf den Ergebnissen der vierjährigen Handlungsforschung des Projektes ‚Professionell kooperieren’ aus dem Bundesprogramm ‚Kompetenzen fördern: Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf’ (BQF-Programm) (vgl. hierzu Fink/Kampmeier/Niemeyer 2003, 2004, Kampmeier/Niemeyer 2003, Kampmeier et al. 2006, Petersen et al. 2007). Ausgehend von der leitenden Definition von Kooperation wird ein Handlungsschema für Kooperation vorgestellt und an Hand empirischer Ergebnisse erläutert. Abschließend werden Empfehlungen für eine professionelle Kooperation in der Benachteiligtenförderung zusammengefasst.

5.1 Was ist Kooperation? – Eine Definition

Wenn Transdisziplinarität als eine ‚Integration von Professionen und deren Transzendierung zu einer qualitativ veränderten Metaprofession’ führen soll (Goll 1996, S. 171), wenn sich Transdisziplinarität – hier Transprofessionalität – durch ein miteinander Planen und miteinander Handeln darstellt und dem Anspruch einer ganzheitlichen pädagogischen Förderung gerecht werden soll und wenn sich das Handeln in der Benachteiligtenförderung einer Professionalität verpflichtet fühlt, wie sie in Kapitel 3 dargestellt wurde, muss sich das gemeinsame, das kooperative Handeln einer besonderen Qualität verpflichten, die aus der Orientierung an dem Professionalisierungsmodell (vgl. Niemeyer in diesem Band, Kapitel 3) erwächst. In dem hier vorliegenden Kontext ist ein umfassendes, die interpersonelle Dynamik einbeziehendes Kooperationsverständnis notwendig, das über mechanistische Ansätze (vgl. Spieltheorie und hierzu Axelrod 1991) und entwicklungspsychologische und interaktionistische Ansätze (hierzu u. a. Bloh 2000) hinausgeht. In Anlehnung an das Professionalisierungsmodell und Hinzuziehung der Arbeiten von Lave und Wenger (1991) zum situierten Lernen wurde eine prozessorientierte, interaktionstheoretische Definition entwickelt. Kooperation ist der bewusst initiierte, interaktive Prozess der Abstimmung und Durchführung von Handlungen zum Nutzen aller Beteiligten, um festgelegte Ziele zu erreichen.

Mit dieser Definition wird die Möglichkeit gegeben, viele und vielfältigste pädagogische Aktivitäten konzeptionell kooperativ auszurichten und den Akteurinnen und Akteuren zugleich eine konzeptionelle Handreichung zu geben. Es wurde absichtlich sehr weit umfassend formuliert, wobei die gewählten Begriffe jeweils weiter erörtert werden (s. u.).

Dieses Kooperationsverständnis ist der oben geforderten interpersonellen ganzheitlichen Dynamik verpflichtet, indem Kooperation als ein interaktiver Prozess bezeichnet wird. Kooperation umfasst sowohl top-down- als auch bottom-up- Prozesse, die jeweils aber immer bewusst (reflektiert) sind.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
1 Vorwort6
2 Professionelle Benachteiligtenförderung – eine Bestandsaufnahme12
3 Überlegungen zu einer Professionalisierungstheorie50
4 Paradigmatische Einbettung der Lösungsansätze62
5 Erste Lösung: Kooperation74
6 Zweite Lösung: Qualifizierung96
7 Das Miteinander fördern – Zusammenfassung und Schlusswort124
8 Literatur132
9 Verfasserinnen und Verfasser144
Index146

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