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Naturwissenschaft in der Allgemeinen Weiterbildung

Probleme und Prinzipien der Vermittlung von Wissenschaftsverständig. in der Erwachsenenbildung

Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl157 Seiten
ISBN9783763945009
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis22,90 EUR

Das Angebot der Weiterbildungseinrichtungen zu den Naturwissenschaften entspricht nicht deren Bedeutung für das menschliche Verständnis der Welt. Es hält nicht Schritt mit dem Wandel in den Wissenschaften selbst. Um dieses Angebot zu verbessern, führten TU Darmstadt und das hvv-Institut an hessischen Volkshochschulen das Projekt "Naturwissenschaft in der Allgemeinen Weiterbildung" durch. Dabei entwickelten sie das hier vorgestellte Verständnis von Aufgaben und Zielen der Wissenschaftsvermittlung und die didaktischen Modelle für die Erwachsenenbildung.

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Leseprobe
Resonanzen

Kritische und nachhaltige Verbraucherbildung als Allgemeine Weiterbildung
(S. 101-102)

Armin Kremer

0 Vorbemerkung

Die im Zuge der Globalisierung immer präsenter, vernetzter und aggressiver gestalteten Werbe- und Marketingstrategien der Konsumgüter produzierenden Unternehmen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin und diverse Verbraucherverbände eine Reihe von Offensiven für eine Reform der Verbraucherberatung gestartet haben. Dabei ist man sich einig: Verbraucherberatung allein genügt nicht (mehr), Verbraucherbildung muss Leitbild einer zukunftsfähigen Bildungspolitik sein. Deshalb soll Verbraucherbildung als Allgemeinbildung in allen Jahrgangsstufen und Schulformen und möglichst auch in der Weiterbildung verankert werden. Zu einer der Offensiven gehörte ein Schultest, der im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes an Berliner Schulen durchgeführt wurde und dessen Ergebnis den Verbraucherzentrale Bundesverband veranlasste, von „‚PISA‘ in der Verbraucherbildung" zu sprechen (Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. [Hrsg.] 2005a).

Schützenhilfe erhielten die Verbraucherverbände auch durch den Weltverbrauchertag, der 2006 im Zeichen der Verbraucherbildung stand. In einer Resolution der EU wurde beklagt, dass das vom Europäischen Gerichtshof formulierte Leitbild vom „informierten und verständigen Verbraucher" sich bisher als bloße Fiktion erwiesen habe. Parallel dazu zeigt die Konsumgüterindustrie in den Schulen immer mehr Präsenz.

So drängen, vermittelt durch PR-Agenturen, immer mehr Unternehmen als Sponsoren und Werbetreibende in die Schulen (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. [Hrsg.] 2006). Sie wollen die kaufkräftigen Schüler/innen erreichen und als Kunden gewinnen. Denn Schüler/innen sind eine umworbene und begehrte Zielgruppe, verfügen sie doch über eine enorme Kaufkraft: Etwa 8,8 Milliarden Euro haben die rund 11 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland durch Taschengeld, Geldgeschenke zu Geburtstag und Weihnachten, Nebenjobs, Ferienarbeit und Sparguthaben direkt zur Verfügung. Sie beeinflussen außerdem auch die Kaufentscheidungen ihrer Eltern, sodass indirekt noch einmal 17,8 Milliarden Euro an Konsumausgaben dazugezählt werden können. Für die Wirtschaft also eine lukrative Zielgruppe, die es möglichst ohne Streuverluste zu erreichen gilt.

1 Das konventionelle Verbraucherleitbild

In der traditionellen Verbraucherbildung gibt es drei konnotative Kontexte, in die der Begriff „Verbraucher" eingeformt ist. Zum Ersten den Homo oeconomicus als Adressat von Information, Belehrung und Aufklärung, der zwischen den zur Verfügung stehenden Optionen rational abwägt und kalkulierend seine Konsumentscheidung trifft. Zum Zweiten der Verbraucher als Opfer, das des staatlichen Schutzes durch verbraucherpolitische Maßnahmen bedarf, und zum Dritten der Verbraucher als moralisches Subjekt, dem die Verantwortung für die Zukunft des Planeten aufgebürdet wird. Entsprechend die Definition in einem der wenigen Fachwörterbücher, in denen das Stichwort „Verbraucherbildung" überhaupt vorkommt: Verbraucherbildung „ist ein Qualifizierungsangebot für solche Erwachsene, die sich als Konsumenten informiert und verantwortungsvoll verhalten wollen" (Berger 2001, S. 321).

Verbraucherarbeit ist demgemäß vor allem auf die Vermittlung von Sachkenntnissen abgestellt. Angefangen von den Fragen einer vernünftigen, gesunden und preiswerten Ernährung bis hin zur warenkundlichen Kenntnis. Mit diesem Bildungskonzept ist die Verbraucherbildung jedoch gescheitert. Denn die genannten Paradigmen sind nicht nur unterkomplex, sondern verweisen ihre Adressaten zugleich auf Subjektpositionen, die in eklatantem Widerspruch zu den ansonsten vorherrschenden Selbstbildern des Konsumenten stehen. Er bzw. sie sieht sich und wird angesprochen (z.B. in der Werbung) als souveränes Subjekt, das sich im Konsum produziert.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Grußwort8
Einleitung10
Klassiker14
Verstehen ist Menschenrecht14
Humaniora und Naturwissenschaften20
Naturwissenschaftliche Bildung24
Das Verstehen der Naturwissenschaften36
1 Die philosophischen Ursprünge der Naturwissenschaften36
1.1 Erkenntnistheoretische Überlegungen36
1.1.1 Die Wirklichkeit des Unterrichts – Das didaktische Normalverfahren37
Projektergebnisse42
Ausgangsbedingungen: Untersuchungen zum Stand naturwissenschaftlicher Bildung42
Das „Scheitern des naturwissenschaftlichen Unterrichts“42
Zur bundesdeutschen Entwicklung der Angebotsinhalte und -formen50
Real vorhandene Kurse in Hessen: eine didaktisch-metho dische Kriterienanalyse53
Allgemeine Bereichssituation in Hessen56
Literatur59
Theoretische Analyse: Problemdimensionen einer erwachsenengemäßen Vermittlung naturwissenschaftlicher Bildung60
1 „Two cultures“ – Zweifel am Bildungswert der Naturwissenschaften61
2 Die Struktur naturwissenschaftlicher Erkenntnisse als Verstehensproblem64
3 „Popularisierungsverdikt“ (Nolda) und aktuelle Popularisierungen66
4 Vermittlungsstrategien als Verstellung der zu verstehenden Sache71
Literatur73
Wissenschaftsverständigkeit als Konzept Allgemeiner Weiterbildung: Prinzipien kritischen Verstehens der Naturwissenschaften76
Wissenschaftsverständigkeit statt Wissenschaftsgläubigkeit und Wissenschaftsfeindlichkeit80
Prinzipien kritischen Verstehens der Naturwissenschaften84
Exemplarisch85
Genetisch88
Sokratisch89
Sozialgeschichtlich91
Kulturell92
Kontextuell93
Institutionell-organisatorische Konsequenzen96
Literatur98
Resonanzen102
Kritische und nachhaltige Verbraucherbildung als Allgemeine Weiterbildung102
0 Vorbemerkung102
1 Das konventionelle Verbraucherleitbild103
2 Entwurf eines neuen Verbraucherleitbildes104
3 Module einer kritischen und nachhaltigen Verbraucherbildung107
Literatur114
Mehr als der schöne Schein des Modells? Naturwissenschaftliches Lernen und Bürgerbeteiligung an technisch-wissenschaftlichen Entscheidungsprozessen116
Interdisziplinärer Diskurs statt zwei Kulturen118
Naturwissenschaftliches Lernen in sozialen Bewegungen118
Naturwissenschaftliches Lernen in der politischen Bildung119
Naturwissenschaftliches Lernen und politische Partizipation in Diskurstagungen123
Partizipative Technikfolgenabschätzung als Anlass und Ort naturwissenschaftlichen Lernens125
Bürgerbeteiligung als Aufgabe politischer Bildung127
Vom schönen Schein des Modells zur politischen Mitgestaltung129
Literatur130
Ausblick132
Politische Verantwortung für die Allgemeine Weiterbildung in Konzepten des sogenannten „lebenslangen Lernens“: Widersprüche und Neuvermessungen132
Gegenwärtiges politisches „Neusprech“ (G. Orwell)über Bildung132
Über die „wesentliche“ Beziehung von Bildung und Politik134
„Weiterbildung“: Widersprüche der Expansion zur vierten Säule der Bildung138
„Lifelong learning“: Ent-Grenzung der Bildung durch Bildung und ihre überfällige kritische Neuvermessung141
Die Institutionalisierung „Allgemeiner Weiterbildung“ als Schlüsselfrage im Konzept eines lebenslangen Lernens144
Hinweise auf Institutionalisierungen aus dem Projekt: Naturwissenschaft in der Allgemeinen Weiterbildung147
Literatur148
Pragmatische Bibliografie zum Themenbereich „Naturwissenschaft in der Allgemeinen Weiterbildung“152
1 Schulische Didaktik der Naturwissenschaften152
2 Pädagogik der Naturwissenschaften153
3 Popularisierung naturwissenschaftlichen Wissens155
4 Erwachsenenbildung und Wissenschaftsvermittlung156
5 Allgemeine Erwachsenen- und Weiterbildung157

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