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«Ein Lächeln im Vorübergehen»

Erlebensorientierte Altenpflege mit Hilfe der Mäeutik

AutorCora van der Kooij
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl234 Seiten
ISBN9783456951355
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
Die Mäeutik geht auf eine als «Hebammenkunst» umschriebene und von Sokrates entwickelte Methode zurück, durch geschicktes Fragen die im Partner schlummernden, ihm aber nicht bewussten richtigen Antworten und Einsichten auf die Welt zu bringen.
Einer Schatzgräberin gleich sucht die niederländische Demenz-Expertin Cora van der Kooij, den in Pflegenden schlummernden Erfahrungsschatz zu heben und ihre Potenziale und Professionalität für die erlebensorientierte Pflege alter und chronisch kranker Menschen zu nutzen. Sie beschreibt, wie Pflegende Menschen mäeutisch und erlebensorientiert pflegen können, indem sie sich in die zu versorgende Person hineinversetzen und sich mit ihr verbinden. Gleichzeitig zeigt sie, wie Pflegende bewusst und reflektiert mit professionellen Beziehungen umgehen können. Sie beschreibt drei Kernbegriffe einer professionellen Einstellung Pflegender: Kontakt, Kreativität und Kommunikation. Kontakt als eine gefühlsmäßige Wechselwirkung zwischen Bewohnern und Pflegenden mit beiderseitig positiven Folgen. Kreativität als eine Kombination aus Freiheit und Findigkeit. Kommunikation als einen Prozess der Bewusstwerdung von Pflegenden und Betreuungsteams. – Cora van der Kooij beschreibt Pflegende, die anteilnehmend mit dem Schicksal der Bewohner umgehen, weil sie wissen, wie verletzbar und abhängig alte und chronisch kranke Menschen sind. Sie zeigt, wie Pflegende administrativ und organisatorisch unterstützt werden müssen, um ein mäeutisch-erlebensorientiertes Pflege- und Betreuungsmodell zu verwirklichen. Die zweite Auflage wird ergänzt um einen neuen Erfahrungsbericht zur Implementierung des mäeutischen Pflegemodells sowie einen ausführlichen und informativen Anhang zum Thema «Demenz».

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Horizontale Tabs

Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis, Geleitwort, Vorwort
  2. Erläuterung
  3. 1 Pflegetalent als gesellschaftlicher Wert
  4. 2 Das mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell
  5. 3 Der mäeutische Pflegeprozess
  6. 4 Was es heißt, eine Pflegende zu sein
  7. 5 Spannungsfelder und Strategien
  8. 6 Abstimmen und Kontaktaufbauen
  9. 7 Umgangsfertigkeiten
  10. 8 Der Manager als Schatzgräber
  11. Zusammenfassung und Schlusswort
  12. Anlage 1: Pflege- und Betreuungsübersicht
  13. Anlage 2: Erläuterung der Charakteristik
  14. Glossar
  15. Literaturverzeichnis, Deutschsprachige Literatur, Adressen und Links zum Thema «Demenz»
  16. Sachwortverzeichnis
Leseprobe
Eine Übersicht über die Kapitel

Dieses Buch ist eine allgemeine Darlegung über die Arbeit von Pflegenden aus der Perspektive des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells und stellt sowohl eine theoretische als auch praktische Einleitung in das mäeutische Modell dar. Um die Wechselwirkung mit der Praxis zu illustrieren, finden Sie im Anschluss an jedes Kapitel Beispiele aus dem Arbeitsalltag. Diese Beispiele stammen aus meiner eigenen Arbeitsund Lebenserfahrung, aus Abschlussarbeiten3 und aus Berichten von IMOZ-Dozenten. Die Erlebenswelt von Bewohnern und Klienten findet in diesem Buch also reichlich Beachtung, wird jedoch immer durch die Augen der Pflegenden betrachtet. Für Pflegende ist es noch recht ungewohnt, in Begriffen wie Professionalität, Pflegeleitbilder oder Organisationsmodelle zu denken. Darum werden diese Termini am Anfang von Kapitel 2 erläutert. Anschließend werden die Konturen und wichtigsten Ausgangspunkte des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells beschrieben. Ein wesentliches Kennzeichen dieses Modells ist der mäeutische Pflegeprozess, der in Kapitel 3 präsentiert wird. Diese Methodik charakterisiert den Bewohner oder Klienten als den Menschen, der er ist, und fragt nach seinen Bedürfnissen, nach all den scheinbar so kleinen ‹Wehwehchen›, auf die eine Pflegekraft achtet. Die Einführung dieser Methodik bedeutet eine wirkliche Veränderung: Es bieten sich mehr Möglichkeiten, und es ist auch mehr ‹erlaubt›. Will man jedoch den Sprung wagen und auf diese Weise arbeiten, müssen Pflegende sich eine neue Art der Zusammenarbeit aneignen. Um die Notwendigkeit dieser Veränderung zu untermauern, konzentrieren sich die Kapitel 4 und 5 auf die Erfahrensund Erlebenswelt der Pflegenden, wobei ganz besonders die gefühlsmäßigen Seiten dieses Berufs beleuchtet werden. Hier stütze ich mich zu großen Teilen auf das Werk von Christine Sowinski, die diesen Bereich auf die ihr eigene, eindringliche Weise thematisiert hat. Kapitel 6 und 7 beschreiben die praktischen Seiten des Berufs des Altenpflegers: abstimmen und Kontakt aufbauen mithilfe erlebensorientierter Fertigkeiten. Verschiedene Methoden und Herangehensweisen wurden zur integrierten erlebensorientierten Pflege umgeschmiedet und im Konzept des suchenden Reagierens ausgearbeitet. Im letzten Kapitel geht es um die Einführung des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodells und um die Frage, welche Anforderungen dabei an die Heimund 3 Dies sind Abschlussarbeiten, die ich als Mitglied der Jury für den «Scriptieprijs» (Preis für die beste Abschlussarbeit) der Tijdschrift voor Verzorgenden gelesen habe. Selbstverständlich habe ich die Abschlussarbeiten verwendet, die gewonnen haben. Doch auch in den anderen Abschlussarbeiten werden besonders schöne Beispiele genannt, die ich aufbewahrt habe, um sie irgendwann einmal in einem Buch einbringen zu können.

Wohnbereichsleitungen gestellt werden. Dieses Kapitel basiert auf Erfahrungen aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich. Dieses Buch beschränkt sich also nicht auf Demenzbetreuung aber ist gemeint als Vorstellung des mäeutischen Pflegeund Betreuungsmodelles. Es behandelt Altersund Langzeitpflege und Betreuung als Erfahrungsgebiet von Pflegenden und wird eben deswegen in den Niederlanden von Pflegenden sehr geschätzt.

1 Pflegetalent als gesellschaftlicher Wert

1.1 Auf der Suche nach dem Schatz

Das Pflegetalent gleicht einem Schatz, der in der Erde verborgen liegt. Wer nicht weiß, dass es diesen Schatz gibt, der wird auch nicht nach ihm suchen. Genau wie in dem Film ‹Romancing the Stone› (Deutsch: Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten). Darin suchen Michael Douglas und Kathleen Turner gemeinsam einen verborgenen Schatz, der nur unter größten Anstrengungen gefunden werden kann. Michael Douglas zieht Kathleen Turner auf ihren hohen Absätzen durch den Urwald, auf dem Weg zu einem Schatz, von dem sie nicht einmal mit Sicherheit wissen, ob es ihn tatsächlich gibt – eine wunderbare Story. Oder die Romane über die Goldfunde im Kalifornien des Jahres 1848. Die Leute zogen einfach so in die Berge, und da lag das Gold; man brauchte nur danach zu greifen. Wer würde sich da nicht auf den Weg machen?

Und genauso liegt in unserem Gesundheitswesen ein Schatz verborgen, den man – wenn man erst einmal darauf aufmerksam geworden ist und in seinen Bann gezogen wurde – suchen muss. Und dieser Schatz ist die Zuwendung, mit der Pflegende tagein, tagaus für Menschen sorgen, die der Betreuung bedürfen. Ohne diese Zuwendung wäre unsere Gesellschaft ein ganzes Stück kälter, ärmer und kränker.

Der Inhalt dieses Kapitels

Das mäeutische Pflegeund Betreuungsmodell steht in der Perspektive der Veränderungen, die im niederländischen und deutschsprachigen Gesundheitswesen vor sich gehen. Zwei Argumente hört man besonders häufig in den politischen Diskussionen, die diesen Veränderungen zugrunde liegen: die Notwendigkeit der Kosteneinsparung und der Wunsch nach einer «kundenorientierten» Betreuung.
Inhaltsverzeichnis
«Ein Lächeln im Vorübergehen»4
Inhaltsverzeichnis6
Geleitwort10
Vorwort14
Vorwort zur zweiten deutschen Auflage16
Erläuterung18
Eine Übersicht über die Kapitel20
1 Pflegetalent als gesellschaftlicher Wert22
1.1 Auf der Suche nach dem Schatz22
1.2 Thema und Reichweite23
1.3 Betreuung und Sinngebung24
1.4 Eine «natürliche» Begabung?26
1.5 Der Wert von Zuwendung28
1.6 Zusammenfassung29
Praxisbeispiel31
2 Das mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell34
2.1 Die Quelle des inneren Wissens34
2.2 Neuer Zweig auf altem Stamm35
2.3 Erlebensorientierte Pflege im mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodell37
2.4 Menschenbild40
2.5 Der Aufbau des Modells46
2.6 Zusammenfassung49
Praxisbeispiel51
3 Der mäeutische Pflegeprozess54
3.1 Eine Methodik für Pflegende54
3.2 Kopfzerbrechen über die Pflegeplanung55
3.3 Betreuung nach dem mäeutischen Modell60
3.4 Die dynamisierende Wirkung von Kommunikation64
3.5 Die mäeutischen Instrumente68
3.6 Zusammenfassung72
Fallbeispiel und Charakteristik74
4 Was es heißt, eine Pflegende zu sein76
4.1 Von der Bettversorgung bis zur erlebensorientierten Pflege76
4.2 Werte in der Pflege78
4.3 Persönliche Eigenschaften80
4.4 Intuition als integrierte Erfahrung84
4.5 Die Wechselwirkung zwischen dem Berufs- und dem Privatleben87
4.6 Zusammenfassung94
Praxisbeispiel95
5 Spannungsfelder und Strategien98
5.1 Entfremdung oder Erfüllung am Arbeitsplatz98
5.2 Pflege als Schattenarbeit99
5.3 Spannungsfelder während des Betreuens102
5.3.1 Nähe oder Distanz103
5.3.2 Kreativität und Flexibilität oder Regeln und Routine105
5.3.3 Kompetenz oder Ohnmacht und Allmacht108
5.3.4 Wachsen oder Stagnieren113
5.4 Strategien der Mitarbeiter115
5.4.1 Ausweichstrategien115
5.4.2 Emotionsregulierende Strategien117
5.5 Pflege als sinngebende Arbeit118
5.6 Zusammenfassung120
Praxisbeispiel: Sagen Sie doch mal was Liebeszu mir121
Praxisbeispiel: Eine ganz besondere Bewohnerin122
6 Abstimmen und Kontaktaufbauen124
6.1 Die Einzigartigkeit der Pflegenden124
6.2 Suchend reagieren125
6.3 Appell oder Prothese (Substitution)132
6.4 Mitgehen in der Erlebenswelt135
6.5 Gegensteuern und Autorität137
6.6 Zusammenfassung140
Praxisbeispiel142
7 Umgangsfertigkeiten144
7.1 Funktioneller oder zwischenmenschlicher Kontakt144
7.2 Einladend zuhören145
7.3 Einüben und Fallstricke149
7.4 Nonverbaler Kontakt152
7.5 Haupt, Herz und Hände157
7.6 Zusammenfassung158
Praxisbeispiel160
8 Der Manager als Schatzgräber162
8.1 Hilfestellung zur Einführung162
8.2 Implementierungseffektivität163
8.3 Implementieren, wie geht das?165
8.4 Zusammenarbeit zwischen Diensten171
8.5 Erfahrungen bei der Einführung176
8.5.1 Faktoren, die Erfolg begünstigen176
8.5.2 Faktoren, die Misslingen fördern181
8.5.3 Kosten und Konsolidierung183
8.6 Zusammenfassung184
Praxisbeispiel186
Zusammenfassung und Schlusswort192
Anlage 1: Pflege- und Betreuungsübersicht194
Anlage 2: Erläuterung der Charakteristik199
Glossar202
Literaturverzeichnis210
Deutschsprachige Literatur, Adressen und Links zum Thema «Demenz»212
Sachwortverzeichnis232

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