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"Für die Teilnehmer sind wir die VHS?"""""

Selbstverständnis von Kursleitenden und ihr Umgang mit Qualifizierungsmaßnahmen

AutorMichaela Harmeier
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl234 Seiten
ISBN9783763946167
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,90 EUR
Wie kann in der Erwachsenenbildung die Qualität der Lehre sichergestellt werden? Da an den Volkshochschulen überwiegend nebenberufliche Honorarkräfte unterrichten, ist das Qualifikationsniveau und das berufliche Selbstverständnis der Lehrenden sehr unterschiedlich. Am Beispiel des Landesverbands Nordrhein-Westfalen untersucht die Autorin, wie Kursleiter auf Fortbildungsangebote reagieren. Die Autorin führt für ihre Studie problemzentrierte Interviews und entwickelt ein theoretisches Modell zur Erklärung von individuellen Vorstellungen über erwachsenenpädagogisches Lernen. Die Auswertung macht deutlich, dass die Akzeptanz von Fortbildungen für Lehrende abhängig ist von dem jeweiligen Selbstverständnis und ihrer persönlichen Auffassung von Lehren und Lernen. Diese biographische Verwobenheit muss daher bei der Entwicklung von Lehrkompetenz innerhalb einer Fortbildung berücksichtigt werden. Nur so lässt sich die Qualität der Lehre weiterentwickeln und gleichzeitig das lehrende Personal an die Einrichtung binden.

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Leseprobe
6. Festlegung der Forschungsmethodik (S. 89-90)

Das biographische Gewordensein nimmt auf das Lernverhalten Einfluss. Diese Erkenntnis wurde in der Erwachsenenbildung vor allen Dingen mit Bezug auf die Teilnehmendenperspektive erforscht (dazu beispielsweise Schrader 1994). Kursleitende wurden hingegen häufig als ‚ausführende Organe’ der Planungsarbeit von hauptberuflichen Mitarbeitenden betrachtet. Ihre Biographie, so der kritische Hinweis von Bastian, geriet zumeist erst dann ins Blickfeld, wenn die Lehrenden vermeintliche Defizite in der (erwachsenen-) pädagogischen Qualifikation aufwiesen (vgl. Bastian 1997, S. 60). Ihre Arbeitssituation wurde in der Vergangenheit zudem überwiegend mit quantitativen Verfahren erforscht (vgl. „Ostwestfalenstudie" Scherer 1987b, Bechberger 1990a, aktuell Rosenbladt von/Thebis 2004, WSF 2005).

Quantitative Forschungsansätze, die wichtige Erkenntnisse über Motivationen und Einstellungen der Kursleitenden erzielten und auch noch gegenwärtig erzielen, lassen allerdings Fragen offen, die eher mit qualitativen Verfahren umfassend und valide beantwortet werden können, da diese u.a. weniger standardisiert und deshalb den Befragten mehr Gestaltungsspielraum für die Darstellung einer individuellen Sichtweise einräumen. Welchen Stellenwert beispielsweise die Lehrtätigkeit für den Einzelnen hat, ist zwar über objektive Merkmale wie Kontinuität und Umfang der Tätigkeit erahnbar, kann jedoch nicht erschöpfend beantwortet werden.

Zwar konnte etwa die Studie von Bechberger (1990a) Informationen zu der soziobiographischen Lage der Lehrenden und erste Überlegungen zu dem persönlichen Stellenwert der Lehrtätigkeit für die Kursleitenden ermitteln (vgl. Kap. 2.2), allerdings gibt diese Studie nur einen ersten Einblick in noch weiter zu differenzierende Motivlagen. So bleiben anhand quantitativer Studien vielschichtige Motivlagen unberücksichtigt, die wesentlich mit der persönlichen Lebenssituation und den biographischen Prägungen der Kursleitenden in Bezug auf die individuelle Lernbiographie zusammenhängen. Auch reichen statistische Angaben über die Zeiten für Vor- und Nachbereitung der Kurse nicht aus, um Aussagen über das Engagement und die Motivlagen der Lehrenden zu treffen.

Ein Zusammenhang zwischen Zeiteinsatz und Engagement kann also nicht hergestellt werden. Solche Beziehungen lassen sich zufriedenstellend nur über einen qualitativen Zugang zu den subjektiven Erfahrungswelten generieren. Qualitative Forschungsansätze zeichnen sich insbesondere durch eine hohe Gegenstandsorientierung aus, das heißt dass die Untersuchungsmethode dem Gegenstand und der Fragestellung angepasst werden muss. Anders als quantitative Forschungsansätze arbeiten qualitative Forschungsprojekte mit Stichproben kleineren Umfangs und versucht hierüber stärker in die Tiefe zu gehen und die Befragten ausführlich zu Wort kommen zu lassen.

Da die Validität der Ergebnisse maßgeblich von der Forschungsfrage und der Zielgruppe abhängt (vgl. Diekmann 2000, S. 445), müssen sich qualitative Forschungsansätze stets mit folgenden drei Problembereichen reflexiv auseinandersetzen: Begründung der Auswahl der Stichprobe, Reliabilität und Validität der qualitativ gewonnenen Daten und Transparenz der Datenauswertung. Die nachfolgenden Ausführungen werden bezogen auf den gewählten Forschungsansatz hierzu Stellung nehmen. Mit der vorliegenden Studie wird ein biographischer Zugang gewählt, der Deutungsmuster in Bezug auf individuelle Motivlagen zur Lehrtätigkeit von nebenberuflichen Kursleitenden, ihrem Lehrverständnis und ihres Umgangs mit erwachsenenpädagogischen Qualifizierungsmaßnahmen analysiert.

Es sollen Aussagen darüber getroffen werden, inwieweit lebensweltlich ausgebildete Deutungsmuster als Wahrnehmungs- und Verarbeitungsfilter die Auseinandersetzung mit der erwachsenenpädagogischen Qualifizierungsmaßnahme prägen. Da Deutungsmuster auf einer latenten Ebene wirken und nur im eingeschränkten Maße reflexiv verfügbar sind, müssen sie „über einen retrospektiven Weg heuristisch gewonnen werden" (Gieseke 1989, S. 133). Friebertshäuser fasst diesen Sachverhalt folgendermaßen zusammen: „Gefragt wird danach, wie die Akteure ihre Welt sehen, was sie dort erleben, erleiden und was sie lernen" (ebenda 2003, S. 63). Standardisierte Verfahren, wie beispielsweise eine Fragebogenerhebung sind darum nicht geeignet, um Deutungsmuster als Innenperspektive auf die subjektiv erlebte Welt aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis8
Vorwort10
1. Einleitung12
2. Forschungsstand zur Lehrkompetenz der Kursleitenden20
3. Erwachsenenpädagogische Grundqualifizierung als institutionelles Bildungsangebot für Kursleitende68
4. Verständnis des Deutungsmusteransatzes74
5. Spezifizierung der Forschungsfrage86
6. Festlegung der Forschungsmethodik90
7. Berufliches Selbstverständnis und Deutungsmuster als strukturgebende Elemente110
8. Bedingungsfaktoren im Prozess der Auseinandersetzung182
9. Theoretische Einordnung der empirischen Ergebnisse198
10. Kurzprofile der weiteren befragten Kursleitenden212
11. Literaturverzeichnis222

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