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E-Book

Implizite Motive

AutorDavid Scheffer
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2004
Seitenanzahl185 Seiten
ISBN9783840917783
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis30,99 EUR

Motive sind eine wichtige Antriebsquelle menschlichen Handelns. Sie sind komplexe Wissensnetzwerke über Bedürfnisse sowie Pläne und Ziele, mit denen sich Motive realisieren lassen. Das Buch befasst sich mit der Frage, wie Motive messbar und damit objektiv beobachtbar gemacht werden können. Die internationale Forschung zeigt, dass das Wissen über eigene Motive zum Teil auf Erlebnissen in der frühen Kindheit beruht und daher implizit, d.h. teilweise unbewusst ist. Das bedeutet, dass sich Motive nicht erfragen lassen, z.B. in einem Interview oder durch einen Fragebogen, sondern nur indirekt erschlossen werden können. Der Band informiert ausführlich über indirekte Verfahren, mit denen sich implizite Motive messen lassen.   

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt und Vorworte
  2. 1 Allgemeine Grundlagen
  3. 2 Entwicklungspsychologische Grundlagen
  4. 3 Differentialpsychologische Grundlagen
  5. 4 Zur Validität des OMT
  6. 5 Veränderung von Motiven und Motive zur Veränderung
  7. Literatur
  8. Anhang
Leseprobe

3 Differentialpsychologische Grundlagen (S. 57-58)

Vergleicht man den im letzten Abschnitt postulierten Entstehungshintergrund von Motiven, dann fällt auf, dass sie alle einen „dunklen" Hintergrund haben, der von den meisten Familienforschern als ungünstig oder deprivierend bezeichnet würde. Denn eine geringe Kohäsion als Hintergrund des Bindungs- und Leistungsmotivs, sowie eine schwache Position des Vaters beim Machtmotiv sind ja sicherlich eher ungünstige Erscheinungen. Überraschend ist dies jedoch nicht, denn Bedürfnisse beruhen schließlich auf Ist-Soll-Abweichungen (Bischof, 1985) und Motivationsforscher haben schon früh auf die Parallelen von sozialen Bedürfnissen und biologischen Bedürfnissen wie bspw. Hunger verwiesen (Atkinson und McClelland, 1948). Dies hat sich bis in die Terminologie des TAT erhalten: Dort werden Motive (!) als n(eed) for affiliation, n achievement und n power bezeichnet.

Können Bedürfnisse wie Hunger tatsächlich eine Analogie für soziale Motive darstellen? Man kann diese Frage bejahen, wenn die Analogie verdeutlichen soll, dass auch Motive auf Mangelzuständen beruhen. Die Entwicklungskontexte für die Entstehung von Motiven verweisen offenbar zumindest auf ungünstige Umweltbedingungen. Sie signalisieren eine Regelabweichung, die abgestellt werden soll. Eine geringere familiäre Kohäsion und väterliches Desinteresse sind darüber hinaus auch eindeutig mit ungünstigen Makrokontexten korreliert, wie Anthropologen beim Studium dieser Variablen im Kulturvergleich feststellten – sie verweisen auf geringe Vorhersagbarkeit der Lebensumstände und menschlicher Beziehungen, auf eine ungleiche Verteilung von Ressourcen, auf Krieg oder die Gefahr von Krieg (Draper & Harpending, 1982; Belsky et al., 1991; Chasiotis, 1998, 1999). Alle Motive haben eine Relevanz für das Durchsetzen der eigenen Interessen, das nötig ist, weil eine Ist- Soll-Abweichung zwischen Bedürfnis und Realität festgestellt wurde.

In der Motivationsforschung ist diese These umstritten. Immer wieder gab es Forscher, die vehement dafür eintraten, dass Motive auch einen positiven Hintergrund haben können, also nicht nur aus Deprivation entstehen (McAdams, 1982). Und wenn Motive immer aus einem Mangelzustand herrühren würden, dann wären sie doch auf die Vermeidung von diesen ausgerichtet, müssten also alle einen emotional negativen Hintergrund (bspw. „Furcht vor Misserfolg") haben. Dies wirft einige Fragen auf: Wie hängen Motive eigentlich mit positiven Gefühlen und Emotionen zusammen? Wie schafft es ein Individuum, aus eher deprivierenden Bedingungen positive Energie und Handlungsbereitschaft, „Hoffnung auf Erfolg" zu schöpfen? Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft uns der Entstehungshintergrund von Motiven nicht weiter. Wir brauchen dazu eine Theorie die beschreibt und vorhersagt, wie Menschen Deprivation und Mangelzustände überwinden. Dies soll im nächsten Abschnitt anhand der Persönlichkeits-System-Interaktions-Theorie (kurz PSI-Theorie) von Kuhl (2000, 2001) dargestellt werden.

In der Anwendung der PSI-Theorie auf Motive wird ein wesentlicher Unterschied zu älteren Konzeptionen deutlich. Im TAT werden, wie es schon die oben beschriebene Terminologie verdeutlicht, tatsächlich keine Motive sondern Bedürfnisse gemessen. Natürlich haben Bedürfnisse und Motive eine Menge gemeinsam. Bedürfnisse bilden sozusagen den Kern von Motiven. Motive sind aber mehr als Bedürfnisse, denn sie sind „intelligenter", da sie mit implizitem Handlungs- und Umsetzungswissen verbunden sind (Kuhl, 2001), was in McClellands (1987) Definition eines Motivs im Sinne von bedürfnisrelevanten Handlungsbereitschaften mit „kognitiven Obertönen" zum Ausdruck kam. Die Metapher von den „kognitiven Obertönen" bedarf allerdings einer theoretischen und methodischen Elaboration.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis7
Vorwort der Herausgeber9
Vorwort13
1 Allgemeine Grundlagen15
1.1 Einführung15
1.2 Warum Motive sich nicht mit Fragebögen messen lassen19
1.2.1 Befunde aus der experimentellen Psychologie20
1.2.2 Implizites Wissen und operante Tests23
1.3 Der TAT26
1.3.1 Das Bindungsmotiv27
1.3.2 Das Leistungsmotiv30
1.3.3 Das Machtmotiv32
1.3.4 Zur Validität des TAT35
1.3.5 Entwicklungspsychologische Studien mit dem TAT42
1.4 Zur Reliabilität von operanten Tests46
2 Entwicklungspsychologische Grundlagen51
2.1 Hypothese zur Entstehung des Bindungsmotivs52
2.2 Hypothese zur Entstehung des Leistungsmotivs54
2.3 Diskussion zur Bindungs- und Leistungsmotiventwicklung58
2.4 Eine Entwicklungshypothese zum Machtmotiv60
2.4.1 Das Machtmotiv im Kulturvergleich62
2.4.2 Ein empirischer Test65
2.5 Die Rolle des Vaters bei der Motiventwicklung66
2.5.1 Zugänglichkeit und Involviertheit67
2.5.2 Entwicklungshypothesen und die Messung von Motiven69
3 Differentialpsychologische Grundlagen71
3.1 Lageorientierung versus Handlungsorientierung72
3.2 Lageorientierung, die Alienation verursacht74
3.3 Die PSI-Theorie75
3.4 Die Trennung von Bedürfnis und Umsetzungsstrategien im OMT78
3.5 Das Ebenen-Modell des OMT und die „Big-Five“ der Persönlichkeit83
3.6 Empirische Befunde zu der Interaktion von Bedürfnissen und Umsetzungsstilen88
4 Zur Validität des OMT99
4.1 Alter bei der ersten festen Beziehung, dem ersten Geschlechtsverkehr und der Geburt des ersten Kindes100
4.2 Partnerwahl100
4.3 Zusammenhänge zwischen OMT-Motiven und Fragebögen101
4.4 Zusammenhang zwischen TAT und OMT103
4.5 Studienleistung103
4.6 Kritische Verhaltensweisen105
4.6.1 Brainstormingphase107
4.6.2 Rücksortierungsphase108
4.6.3 Authentizität und kontextuelle Performanz109
4.7 Validitätshinweise aus Einzelfallstudien113
4.7.1 Der Bindungstyp113
4.7.2 Der Leistungstyp114
4.7.3 Der Machttyp115
4.7.4 Verhaltenskorrelate verschiedener Umsetzungsstile116
4.8 Implizite Motive und Organisationsentwicklung123
5 Veränderung von Motiven und Motive zur Veränderung125
5.1 Implizite Motive aus evolutionspsychologischer Sicht126
5.2 Motiventwicklung130
5.2.1 Motive fokussieren131
5.2.2 Motive anpassen137
5.3 Ausblick141
Literatur145
Anhang159
A: Version 1 Der Operante Motiv Test (OMT)161
1) Beispiel für B1 (Intimität)162
2) Beispiel für B2 (Geselligkeit)162
3) Beispiel für B3 (Networking)163
4) Beispiel für B4 (Anschluss)163
5) Beispiel für B5 (Verbindlichkeit)164
6) Beispiel für L1 (Flow)164
7) Beispiel für L2 (Gütemaßstab)165
8) Beispiel für L3 (Misserfolgsbewältigung)165
9) Beispiel für L4 (Leistungsdruck)166
10) Beispiel für L5 (Selbstkritik)166
11) Beispiel für M1 (Führung)167
12) Beispiel für M2 (Anerkennung)167
13) Beispiel für M3 (Selbstbehauptung)168
14) Beispiel für M4 (Direktion)168
15) Beispiel für M5 (Unterordnung)169
B: Version 2 Der Operante Motiv Test (OMT)170
Beispiel für B1 (Begegnung)171
Beispiel für B2 (Geselligkeit)172
Beispiel für B3 (Networking)173
Beispiel für B4 (Anschluss)174
Beispiel für B5 (Verbindlichkeit)175
Beispiel für L1 (Flow)176
Beispiel für L2 (Gütemaßstab)177
Beispiel für L3 (Misserfolgsbewältigung)178
Beispiel für L4 (Leistungsdruck)179
Beispiel für L5 (Selbstkritik)180
Beispiel für M1 (Führung)181
Beispiel für M2 (Anerkennung)182
Beispiel für M3 (Selbstbehauptung)183
Beispiel für M4 (Direktion)184
Beispiel für M5 (Unterordnung)185

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