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Lesereise Paris

Lokaltermin bei Mona Lisa

AutorRudolph Chimelli
VerlagPicus
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl132 Seiten
ISBN9783711750495
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Die Concièrges von Paris sind eine vom Aussterben bedrohte Art. Jährlich müssen 2000 Häuser mehr ohne diese 'Institution' auskommen. Mit ihnen geht ein schrullig-charmanter Teil der berühmten Pariser Lebensart verloren. In über sechzig Prozent der Fälle ist der Concièrge übrigens weiblich und ... portugiesisch! Die französische Metropole ist anders, als man sie sich den Klischees entsprechend vorstellt, nicht nur, weil die Concièrges langsam verschwinden. Man trägt keine Baskenmütze mehr, die alten Bistros gehen ein, und es ist schwer geworden, irgendwo Musette-Musik zu hören. Aber der Eiffelturm steht noch und Paris bleibt - auch wenn es sich in der Substanz und an der Oberfläche verändert - eine atemberaubend schöne Stadt. Wer, zum Vergnügen und aus professionellem Interesse, in ihr schon so lange spazieren geht wie Rudolph Chimelli, kann Brigitte Bardot begegnen oder dem letzten Henker, japanischen Malern am Montmartre, die von hinten wie -Manet aussehen, oder den Strategen der Mode und des industrialisierten Luxus. Rudolph Chimelli zeigt uns Typisches und Verborgenes, Wichtiges und Nichtigkeiten, Vordergrund und Hintergrund, Reportagen und Analysen, Essays und -Splitter zu dem immerwährenden Thema Paris.

Rudolf Chimelli, geboren 1928 in München. Studien der Rechte und der Volkswirtschaft. Seit 1979 für die 'Süddeutsche Zeitung' in Paris, davor Korrespondent in Moskau und Beirut. Im Picus Verlag erschienen seine Reportagen zu Iran und Maghreb und die Lesereise Paris.

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Leseprobe
Frankreich entblößt sein Haupt (S. 72-73)

Die Baskenmütze wird zur Seltenheit


Wann haben Sie zuletzt eine Baskenmütze gesehen? Ein Franzose würde wohl antworten: Auf einer englischen Frankreich-Karikatur oder auf dem Kopf eines deutschen Touristen. Das béret, das einst so sehr zum Schablonenbild des Franzosen gehörte wie die baguette (unter den Arm geklemmt), die Zigarette aus schwarzem Tabak (an der Oberlippe klebend) oder der rote Landwein (zu jeder Mahlzeit getrunken), ist am Aussterben. Nur noch sehr alte Männer, in sehr kleinen Orten, sehr weit von Paris tragen den nationalen Kopfschmuck. »Wenn doppelt so viele Leute mit der Baskenmütze herumliefen, sähe man sie immer noch nicht«, klagt der Inhaber der größten von drei verbliebenen Herstellerfirmen, Bernard Fargues, in Oloron am Rand der Pyrenäen. Vor dem Krieg wurde in zweiunddreißig Werken gewirkt und gewalkt.

So unentbehrlich war ihr Produkt, dass nicht einmal die Weltwirtschaftskrise ihnen etwas anhaben konnte: im Rekordjahr 1932 stellten sie dreiundzwanzig Millionen Baskenmützen her – mehr als es damals Franzosen männlichen Geschlechts gab. Sogar die amerikanische Olympia-Mannschaft zog 1936 in das Berliner Stadion unter Mützen aus Oloron ein.

Heute machen die standhaften drei mit weniger als einer Million Baretts im Jahr nur noch wenige Millionen Euro Umsatz. Fargues selber geht, so fiel der Zeitung Le Monde auf, barhäuptig wie die meisten Franzosen. Die Baskenmütze kommt gar nicht von den Basken, sondern aus der Landschaft Bearn. Die ist zwar vom Baskenland nicht weit entfernt, aber ethnisch und historisch doch etwas ganz anderes. Schäfer in den Pyrenäen scheinen den pfannkuchenartigen Wetterschutz im 15. Jahrhundert entwickelt zu haben.

Den Rohstoff, Wolle, hatten sie im Überfluss. Zeit zum Stricken auch. Das Halbfabrikat wurde um das formgebende Hirtenknie modelliert und anschließend so lange in lauwarmem Seifenwasser geweicht und gewalkt, bis die Maschen sich zu einem festen Filz verbunden hatten. Basken wurden die besten – und schließlich namengebenden – Kunden. Gäbe es nicht das Militär und das Ausland, es stünde noch schlechter um die wasserdichte Kopfbedeckung, die sich zusammenlegen und in die Tasche stecken lässt. Zu Zeiten, als Zivilisten noch bescheiden auftraten, trug der Soldat den prächtigen bunten Rock.

Dem Bürger in Uniform wird dagegen ein sportlich-respektables Techniker-Image und mit ihm die Baskenmütze verpasst. Bei den französischen Alpenjägern, den Fallschirmtruppen, den Panzerfahrern ist sie fester Bestandteil der Montur. Die Streitkräfte kaufen zweihunderttausend Stück im Jahr. Bundeswehr und UNO-Truppen sind gleichfalls regelmäßige Abnehmer. Vor dem Golfkrieg bestellten auch die Iraker eine Million Mützen und trieben damit einen der Hersteller fast in die Pleite, denn die Ware konnte nie mehr geliefert werden.
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