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Organisation der Regulierung - Regulierung der Organisation

Zum erweiterten Fokus internationaler Bankenaufsicht

AutorMatthias Kussin
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl385 Seiten
ISBN9783531913766
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR


Dr. Matthias Kussin war mehrere Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltgesellschaft an der Universität Bielefeld. Derzeit arbeitet er als Referent in der Politikabteilung eines deutschen Energieversorgungsunternehmens.

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Leseprobe
"1 Organisation und Gesellschaft (S. 28-30)

Thema dieser Untersuchung ist die Relevanz organisationaler Aspekte im Kontext einer supranationalen Bankenregulierung und die verstärkte Beobachtung dieser Relevanz durch die Bankenaufsicht. Bereits in der Einleitung wurde angedeutet, dass sich der Fokus der Aufsicht verschiebt, fort von einer primären Beobachtung des Finanzsystems hin zu einer komplementären Aufsichtsform von Bankensystem und Bankorganisationen.

Wo jedoch liegt der Unterschied dieses veränderten Blickwinkels? Wo liegt der Gewinn einer solchen perspektivischen Verschiebung des Beobachtungsschwerpunktes? Welche Risiken und Folgeprobleme lassen sich gleichzeitig aufzeigen? Um diese Fragen in befriedigender Weise beantworten zu können, wird in diesem Kapitel die Unterscheidung von gesellschaftlichem Teilsystem und formaler Organisation herausgearbeitet. Wir wollen zunächst sozialtheoretisch aufzeigen, dass es einen Unterschied macht, von der Regulierung des Bankensektors oder der Regulierung von Banken zu sprechen. Dabei geht es gleichzeitig darum, die theoretischen Grundlagen zu sichten, die für unsere noch folgende Analyse anschlussfähig erscheinen. Ziel ist es dabei, auch die konzeptionellen Unterschiede zu anderen Forschungsansätzen zu rekonstruieren, die üblicherweise beim Thema Regulierung einen zentralen Referenzpunkt darstellen.

1.1 Zur Trivialität von Bankorganisationen in der „Organisationsgesellschaft""

An der Bedeutung formaler Organisationen – und damit auch von Banken – für die Gegenwartsgesellschaft besteht in den Sozialwissenschaften über Disziplin- aber auch Theoriegrenzen hinweg wenig Zweifel. Begriffe wie die der „organisierten Gesellschaft"" oder „Organisationsgesellschaft"" deuten an, dass in einigen Konzepten Organisationen sogar als das charakteristische Merkmal der Gegenwartsgesellschaft bezeichnet werden. In handlungstheoretischen Überlegungen zur Organisationen wird dabei vor allem das Macht- und Einflusspotential von Organisationen herausgestellt: Organisationen ermöglichen kollektives Handeln. Sie verfügen über überindividuelle Ressourcen und besitzen damit ein hohes Einflusspotential. An wenigen Organisationen erscheint dies wohl in empirischem Sinne so einleuchtend wie im Falle der Banken. Banken können über die Leistungsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften entscheiden. Ihre monetären Ressourcen sind aufgrund ihrer Intermediärfunktion wohl mit keiner anderen Institution vergleichbar. Die Bedeutung von Banken liegt dabei nicht allein in ihrer Einflusskraft. Ebenso entscheidend ist die Tatsache, dass das Scheitern einzelner Institute beträchtliche gesellschaftliche Folgen haben kann.

Für die regulierungswissenschaftliche Forschung ergeben sich aus diesem Umstand heraus die Fragen nach dem Umgang mit dieser Herausforderung und ihrer Flankierung durch Steuerungsprozesse. Einen prominenten Ansatz dafür stellt der akteurszentrierte Institutionalismus dar, der vor allem durch die Arbeiten von Renate Mayntz und Fritz Scharpf am Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln geprägt wurde. Bankenregulierung wird aus dieser Perspektive als „marktkorrigierende Regulierungspolitik"" betrachtet. Ihr kommt die Funktion zu, negative Externalitäten, die sich aus Krisen des Bankengeschäftes ergeben, zu verhindern. Dabei werden zwei Aspekte als zentrale Kategorien der Regulierung ausgemacht. Zum einen sind es die Zielsetzungen und Strategien von Banken, die möglicherweise in ihren Konsequenzen mit Aspekten des Gemeinwohls kollidieren und somit Gegenstand von Regulierungsprozessen werden können.

Ein Beispiel könnte eine nicht hinnehmbare wettbewerbsschädigende Marktbeherrschung sein. Ebenso denkbar sind aber auch (Neben-)folgen des Bankgeschäfts, die sowohl von Entscheidern als auch von Betroffenen weder gewollt noch vorhergesehen werden konnten (Schimank 2004, 290). Denkbare Fälle sind in diesem Zusammenhang Aggregationseffekte, die sich aus Kreditgeschäften, oder aber aus Nebenfolgen ergeben. Ein Beispiel dafür im Bankenbereich ist die Vergabe besonders riskanter Kredite, die möglicherweise hohe Gewinnerwartung erzeugen, jedoch im Falle des Ausfalls destabilisierende Wirkungen mit sich bringen und damit die Ersparnisse der Kleinanleger bedrohen."
Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort8
I Einleitung9
II Kontinuitäten24
1 Organisation und Gesellschaft25
2 Komplexität, Kontingenz und Risiko55
3 Regulierung und Integration100
III Diskontinuitäten120
4 Die Konstitution internationaler Aufsicht122
5 Die Globalisierung (in) der Weltgesellschaft139
6 Die Dynamisierung von Innovation und Risiko192
IV Paradigmen210
7 Zur Herausbildung internationaler regulatorischer Wissensordnungen214
8 Zur Implementierung von Basel II295
V Fazit und Folgerungen338
Literatur361

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