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Prozessorientierte Textproduktion mit dem Lesetagebuch

Kann durch die Förderung des Schreibprozesses die analytische und argumentative Schreibkompetenz im Englischunterricht nachhaltig verbessert werden?

AutorKatrin Zielina
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl46 Seiten
ISBN9783640347230
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft, Studienseminar für Gymnasien Wiesbaden, Sprache: Deutsch, Abstract: In dieser Arbeit wurde ein didaktisches Konzept erprobt und evaluiert. Es geht darum, ob das Lesetagebuch die Schreibfähigkeit verbessern kann oder nicht. Das Konzept wurde an einer schwachen 11. Klasse erprobt.

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Leseprobe

2.    Besseres Schreiben durch Schreibprozessförderung?

 

2.1  Schreibkompetenz und Schreiben im Fremdsprachenunterricht der Sek. II

 

Je nach Sichtweise ändert sich die allgemeine Definition von Schreibkompetenz. Fix fasst diese linguistischen, psychologischen und schulpädagogischen Sichtweisen zusammen und definiert Schreibkompetenz als „die Fähigkeit, a) pragmatisches, b) inhaltliches [...] Wissen, c) Textstrukturwissen und d) Sprachwissen in einem Schreibprozess so anzuwenden, dass das Produkt den Anforderungen einer (selbst- oder fremdbestimmten) Schreibfunktion [...] gerecht wird.“

 

 

Anhand des folgenden Modells von Bereiter lassen sich die Stufen in der Schreibentwicklung nachvollziehen:[8]

 

Die einfachste Form ist das assoziative Schreiben, bei welchem der Schreibende ohne Reihenfolge und Leserorientierung aufschreibt, was ihm in den Sinn kommt. Diese Form ist hauptsächlich bei Schreibanfängern zu beobachten. Beim nächsten Entwicklungsschritt, dem performativen Schreiben, orientiert sich der Schreibende an Konventionen wie Orthographie, Grammatik und Syntax. Bei vielen SuS lässt sich diese Form beobachten, da der Fokus noch auf dem Produkt liegt, nicht aber auf dem Leser. Der Schreibende erzielt die Stufe des kommunikativen Schreibens, wenn er eine Wirkung bei seinem Publikum erzielen will. Die nächste Stufe, das unified writing, bezieht den Schreibenden als Leser mit ein – dies bedeutet, dass der Schreibende in der Lage ist, seinen eigenen Text kritisch zu reflektieren. Bereiter bezeichnet diesen Vorgang als „writing-reading feedback loop[9], welcher im Schreibprozessmodell eine große Rolle spielt. Die höchste Entwicklungsstufe ist das epistemische Schreiben. Der Schreibende nutzt das Schreiben als Mittel zum Zweck, Wissen zu generieren. Hierbei soll nicht nur der Leser von einem Standpunkt überzeugt werden, der Schreibende setzt sich selbst mit einer Thematik auseinander und erzielt neues Wissen durch den Schreibprozess.

 

Aufgrund folgender Merkmale geschriebener Sprache ist der Erwerb von Schreibkompetenz nach Bereiter schwierig: [10]

 

Geschriebene Sprache ist ein Untersystem gesprochener Sprache. Sie ist dichter und enthält weniger lokale Unterschiede als gesprochene Sprache und sie hat unterschiedliche Verteilungen linguistischer Mittel und Anwendungen.

Geschriebene Sprache unterliegt vielen Konventionen, welche in gesprochener Sprache nicht immer sichtbar werden, wie Rechtschreibung, Zeichensetzung, Absatzmarkierungen usw.

Da der Schreibende keine Rückmeldung über seinen Text erhält, bedarf es beim Schreiben eines veränderten Denkprozesses. Der Schreibende muss logisch argumentieren können, um den Leser, dessen Position der Schreibende nicht kennt, zu überzeugen.

Aufgrund der Überarbeitungs- und Verbesserungsmöglichkeiten von geschriebenen Texten, bedarf es beim Schreiben größerer Fertigkeiten als beim Sprechen, so dass unterschiedlichste Produkte wie Novellen, Sonette oder Romane geschrieben werden können.

 

Schreibkompetenz heißt auch, dass die Schreibenden ihre Texte nach bestimmten Prinzipien aufbauen können. In Anlehnung an die Hinweise von Hinz und Schmidt lauten diese Prinzipien wie folgt:

 

„Konzept der thematischen Geschlossenheit (unity)

Konzept der Ordnung (order)

Konzept der Kohärenz (coherence)“[11]

 

Das Konzept „unity“ meint, dass  pro Absatz nur eine Idee dargestellt wird und sich die Sätze entsprechend aufeinander beziehen. Mit „order“ meinen Hinz und Schmidt, dass auch die Absätze untereinander verknüpft sein sollen und diese eine „logische und natürliche Entwicklung der Gedanken“[12] aufweisen sollen. Das Konzept „coherence“ bedeutet, dass die Sätze miteinander verknüpft werden sollen, dieses Konzept schließt also unmittelbar an das erste Konzept an.

 

Gemäß dem Schreibprozessmodell von Hayes und Flower[13] beinhaltet die Schreibkompetenz mehrere Teilkompetenzen. Um in der schriftlichen Kommunikation erfolgreich zu sein, benötigt der Schreibende die Kompetenz, sich selbst Ziele setzen zu können, wobei sämtliche o.g. Punkte berücksichtigt, sowie die Position des Lesers antizipiert werden müssen. Der Schreibende benötigt inhaltliche Kompetenz, wobei die Aktivierung des Vorwissens eine Rolle spielt sowie die Semantik und die Integration neuen Wissens. Weiterhin benötigt der Schreibende Strukturierungskompetenz und Formulierungskompetenz. In der Fremdsprache kommen zu o.g. Punkten allerdings noch weitere Aspekte zum Schreibprozess hinzu. So setzt sich der fremdsprachliche Schreibprozess nach Holtwisch aus folgenden Teilbereichen zusammen:

 

„Analyse der Aufgabenstellung,

thematisch-episodisches Wissen des Schreibers,

Nutzung externer Quellen und Ressourcen,

fremdsprachlich-linguistisches Wissen des Schreibers,

Kenntnisse der Schreiblehre,

eigentlicher Schreibprozess.“[14]

 

Letztlich gelingt die schriftliche Kommunikation im Englischunterricht also nur dann, wenn die SuS sowohl die Konzepte von Hinz und Schmidt als auch die Fertigkeiten nach Holtwisch kennen und anwenden können. Ein Ziel des Englischunterrichts in der Sek. II sollte entsprechend sein, diese Kompetenzen auszubilden.

 

2.2  Schreibprozessförderung als Maßnahme zur Verbesserung der Schreibkompetenz

 

Im klassischen Lateinunterricht des 19. Jahrhunderts hatte die Schreibschulung noch einen festen Stellenwert, wobei die Schreibschulung mit der Schulung rhetorischer Fähigkeiten einherging. Mit der Oberstufenreform von 1972 wurde allerdings das Schulfach „Aufsatz“ vollständig abgeschafft und in den Sprachunterricht verlegt, so dass dem Schreiben seitdem nur noch eine untergeordnete Stellung beigemessen wird.[15] Mit der Veröffentlichung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower 1980[16] wurden zumindest für den Deutschunterricht viele Konzepte entwickelt, die den Schreibprozess als solches wieder in den Vordergrund des Unterrichts stellen sollten. Die Schreibprozessförderung fand somit zwar ihren Einzug in den Deutschunterricht, jedoch nur inkonsequent, da diese Art des Schreibunterrichts nicht in Lehrplänen und Richtlinien festgehalten wurde. Auch in der fremdsprachlichen Fachdidaktik ist die Schreibprozessförderung durchaus bekannt, allerdings findet sie im Unterricht äußert selten Verwendung, da die Förderung jeder einzelnen Teilkompetenz im Schreibprozess viel Zeit kostet und somit das oberste Prinzip des Englischunterrichts - die Mündlichkeit - nicht mehr dauerhaft gewährleistet ist.

 

Dem hier dargestellten Konzept liegt das Schreibprozessmodell nach Hayes und Flower zugrunde, welches ich im Folgenden erläutern werde. Das Modell ist in drei Bereiche aufgeteilt: die Umgebung des Schreibenden, das Gedächtnis und den Prozess als solches. Die Umgebung beinhaltet die Schreibaufgabe, die Schreibsituation und die benutzten Hilfsmittel sowie den entstehenden Text. Dieser beeinflusst den Schreibprozess je nach der aktuell erreichten Länge. Das Gedächtnis umfasst das Kurz- und Langzeitgedächtnis, wobei das Kurzzeitgedächtnis nur bedingt aufnahmefähig ist, das Langzeitgedächtnis aber permanent aktualisiert. Im Langzeitgedächtnis sind das Wissen über das Schreibthema, über die Aufgabe, die Textsorte und die Konventionen gespeichert. Der Schreibprozess beinhaltet die Planung, die Versprachlichung und die Überarbeitung, wobei erfahrene Schreiber zwischen den einzelnen Phasen hin und her springen können. Letztlich spielt auch die Motivation des Schreibenden eine entscheidende Rolle beim Erfolg der Textproduktion: die Motivation ist abhängig von der Einstellung des Schreibenden gegenüber dem Schreiben und von der jeweiligen Aufgabe. Die Motivation kann sich im Lauf des Arbeitsprozesses verändern.[17]

 

 

In vielen fachdidaktischen Veröffentlichungen finden sich Abwandlungen des Modells von Hayes und Flower. Das folgende Modell von Neuhaus ist für die Schule angepasst und die darin dargestellten Schritte können im Unterricht besprochen und angewandt werden:[18]

 

Dieses Modell macht verschiedene Aspekte aus dem ursprünglichen Modell von Hayes und Flower noch deutlicher:

 

Zweispurigkeit

Der Schreibprozess wechselt permanent zwischen verstehen und verfassen, da die SuS sowohl am Problem als auch am ihrem geschriebenen Text arbeiten müssen.

Loops

Die verschiedenen Arbeitsprozesse laufen nicht linear und chronologisch ab, es soll vielmehr...

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