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Rauhnächte: Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren

Alte Bräuche und magische Rituale für sich entdecken

AutorElfie Courtenay
VerlagHeyne
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783641113872
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Der Blick in die Zukunft, umherirrende Geister, Bräuche des Beschwörens, Beschwichtigens und Bannens - die zwölf Rauhnächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar umgab von jeher ein besonderer Zauber. Dieser magische, liebevoll vierfarbig gestaltete und fundierte Begleiter durch jene sagenumwobene Zeit lässt die letzten Tage des Jahres zu etwas ganz Persönlichem werden: zu einer heilsamen Zeit der Rückschau, tiefer Selbsterfahrung und Ausrichtung auf das Kommende. Mit alten Orakel-Techniken, Anleitungen fürs Räuchern, für Rituale, das Anfertigen von Schutzamuletten u.v.a.m.


Elfie Courtenay wuchs mit alten Bräuchen und Überlieferungen auf und entdeckte früh ihre Liebe zur Natur. Sie bietet u.a. meditative Wanderungen und Wildkräuterexkursionen an und ist Führerin im Freilichtmuseum Glentleiten in Großweil bei Murnau.

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Leseprobe

Keltische Feste im Jahreskreis

Anhand der keltischen Jahreskreisfeste lässt sich wunderbar nachvollziehen, wie die Menschen in früheren Zeiten im Einklang mit dem Lauf der Jahreszeiten und der Sonne lebten und feierten. Ähnliche Feste gab es auch in der germanischen Kultur und im Mittelmeerraum. Wie sehr diese Feste noch heute hinter unseren christlich geprägten Feiertagen versteckt sind, fasziniert immer wieder.

Das Sonnenjahr war in acht Feste unterteilt und begann mit »Samhain« in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Samhain war das keltische Neujahrsfest und markierte den Beginn des Winters und der dunklen Jahreszeit. Die ersten Fröste kamen, die Blätter fielen, die Zugvögel brachen auf, Tiere begaben sich in den Winterschlaf.

Samhain ist ein Fest des Todes mit der Hoffnung auf Wiedergeburt. Bei den Kelten war es Morrigan, als weise Trägerin des Wissens um die Welt, die den Übergang der Seelen in die Anderswelt und auch zurück begleitete. Sie war als Göttin der Unterwelt eine Wächterin der Tore zwischen den Welten. Zu Samhain wurden die Schleier zwischen diesen Welten gelüftet, und um die Ahnen zu ehren, deckte man ihnen einen Platz am Tisch und lud sie ein, am Mahl der Lebenden teilzuhaben. Aber auch »böse Geister« trieben sich in dieser Nacht herum, und daher entstand der Brauch, Rüben auszuhöhlen, wilde Fratzen hineinzuschneiden und sie mit einem Licht vor die Tür zu stellen, um die Geister abzuschrecken.

Das Christentum legte später die beiden Feiertage Allerheiligen und Allerseelen auf diesen Termin. Auch an diesen christlichen Feiertagen werden die Ahnen geehrt, werden die Gräber geschmückt und wird der Verstorbenen im Gebet gedacht.

Das zweite Fest im Jahreskreis war »Alban Arthan«, die Wintersonnenwende. Sie wurde zwischen dem 20. und 23. Dezember gefeiert, als Wiedergeburt der Sonne aus dem dunklen Schoß der Nacht, die endlich zurückkehrte und wieder Fruchtbarkeit, Wachstum und neues Leben versprach.

Die Geburt Christi, die wir als Weihnachtsfest feiern, wurde später von der Kirche ganz bewusst auf diesen Zeitpunkt gelegt, entspricht sie doch genau dieser Symbolik: Rückkehr des Lichts auf die Erde.

Das dritte Fest im Jahreskreis war »Imbolc« und fiel auf den 1./2. Februar. Es war ein weiteres Fest zu Ehren des zurückkehrenden und zunehmenden Lichtes und war in Irland der Göttin Brigid geweiht. Zu Imbolc verkörperte Brigid den jugendlichen Aspekt der dreifachen Göttin. Zu dieser Zeit repräsentierte sie das erwachende, zurückkehrende Leben nach der langen, dunklen Zeit des Winters.

Bei uns galt Imbolc als Fest der Stille, der Reinheit und Reinigung. Zu Ehren des zunehmenden Lichts wurden Kerzen, Öl- oder Talglichter angezündet. Die Leiber der trächtigen Haustiere schwollen zu dieser Zeit bereits deutlich an, und als Opfergabe und Zeichen der Dankbarkeit wurde an Imbolc eine Schüssel Milch vor die Tür gestellt.

Im christlichen Jahreskreis heißt das Fest am 2. Februar Mariä Lichtmess. Dieses Maria geweihte Fest wurde meist mit einer Kerzenweihe und Lichterprozession begangen. Geweihte Kerzen waren sehr kostbar und wurden nur zu besonderen Gelegenheiten angezündet, z. B. bei drohenden Unwettern oder wenn jemand im Sterben lag.

Das vierte Fest wurde zwischen dem 20. und 23. März gefeiert. Es war die Frühlings-Tagundnachtgleiche, der Zeitpunkt, wenn Tag und Nacht gleich lang sind und das Licht endgültig die Dunkelheit zu besiegen beginnt. Der keltische Name für dieses Fest war »Alban Eiler«. Es war das Frühlingsfest; für ein halbes Jahr würden nun die Tage länger als die Nächte sein. Traditionell kam es jetzt zur Abschreitung der Äcker und zur Feldweihe. Die Göttin dieses Festes hieß Ostara oder auch Eostre; es lässt sich unschwer die Namensverwandtschaft mit Ostern erkennen. Symbolisch geht es um das Thema Auferstehung. In vorchristlicher Zeit ging es um die Auferstehung der Natur und um den Beginn eines neuen Vegetationsjahres, im Christentum geht es um die Auferstehung von Jesus Christus, die Überwindung des Todes durch das ewige Leben.

Symbole, die seit jeher zur Frühlingsgöttin und zum Osterfest gehörten, waren Hasen und Eier. Beide Symbole repräsentieren Fruchtbarkeit und neues Leben. Eier spielten seit jeher in Fruchtbarkeitsritualen eine wichtige Rolle, und Hasen sind weithin für ihre Paarungsfreude bekannt. Und da sie in Höhlen leben, sprach man ihnen außerdem eine besondere Verbindung zur Erde zu.

Das christliche Osterfest fällt nicht direkt auf das keltische Frühlingsfest. Es wurde auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gelegt.

Traditionell wurden in Bayern in der Osternacht hinter der Kirche Feuer angezündet und vom Priester gesegnet. Anschließend wurde die Osterkerze daran entzündet und in die dunkle Kirche getragen: als Symbol für Christus als Licht der Welt.

Vor dem Gottesdienst ließ man die Feuerstellen im Haus verlöschen, und nach dem Gottesdienst brachte man Baumschwämme im gesegneten Feuer zum Glimmen, trug sie nach Hause und entzündete das Feuer von Neuem. Dieses Feuer versuchte man so lange wie möglich zu erhalten, indem man die Glut abends mit Asche bedeckte und in der Früh von Neuem zum Brennen brachte.

Das fünfte Fest im Jahreskreis war »Beltane«, bei uns auch »Walpurgisnacht« genannt, nach Walpurga, der »Großen Göttin« der Germanen. Es wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gefeiert. Im keltischen Jahreskreis war Beltane das Fest der heiligen Hochzeit, und mancherorts wurde ein »Eichenkönig« oder »Grüner Mann« mit einer »Maikönigin« in einem Ritual vermählt. Der Name Beltane leitet sich vermutlich vom keltischen Sonnengott Bel oder Belenus ab, was so viel wie »der Leuchtende, Strahlende, Glänzende« bedeutet.

So wie Samhain die Ankunft des Winters anzeigt und für Tod und Vergänglichkeit steht, so steht Beltane für den Beginn des Sommers, für Zeugung, Fruchtbarkeit und Lebensfreude. Die Häuser und Ställe wurden mit Blumen und frischem Grün geschmückt, und das Vieh konnte wieder auf die Weiden getrieben werden. Aus Irland gibt es die Überlieferung, dass zu Beltane das Vieh von den Druiden zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben wurde, um es vor Krankheiten zu bewahren.

Es heißt, dass junge Frauen, die sich eine Schwangerschaft wünschten, das Feuer übersprangen; in der Hoffnung, dass es ihre Fruchtbarkeit entfachen würde. Und junge Paare, die auf eine glückliche Gemeinsamkeit und viele Kinder hofften, übersprangen das Feuer gemeinsam Hand in Hand.

Ein alter Brauch, der sich bis in die heutige Zeit gehalten hat, ist das Aufstellen eines Maibaums am 1. Mai. An die Spitze hängte man einen mit Blumen geschmückten Kranz aus frischem Grün und ließ lange, farbige Bänder herunterhängen. Kultisch betrachtet ist der Maibaum ein Riesenphallus, der tief in der Erde sitzen und weit in den Himmel ragen sollte und so auch symbolisch für die heilige Hochzeit stand. Der sogenannte »Bandltanz«, bei dem Männer und Frauen den Maibaum umtanzen und dabei die langen Bänder miteinander ver- und wieder entweben, gibt auch einen Hinweis auf diesen Fruchtbarkeitskult.

Das sechste Fest war die Sommersonnenwende, das »Litha-Fest« oder auch »Alban Heffyn«, und wurde zwischen dem 20. und 23. Juni gefeiert. Es war Mittsommer, das Fest des längsten Tages und der kürzesten Nacht. Jetzt stand die Sonne am höchsten, bevor sie anfing, sich wieder mehr und mehr zurückzuziehen und der zunehmenden Dunkelheit zu weichen. Ihr zu Ehren wurden zum Litha-Fest Feuer entzündet. Es waren Freudenfeuer, denn die Natur hielt jetzt unzählige Gaben bereit. Viele Früchte und Kräuter konnten bereits geerntet werden, und es hieß, die Kräuter, die am Morgen des längsten Tages geerntet würden, besäßen die besten Heilkräfte. Es ist die Zeit der Fülle und Entfaltung; Reichtum und Schönheit der Natur wurden gefeiert, man genoss die Wärme und Kraft der Sonne. Doch inmitten dieser Erfahrung stand man bereits am Wendepunkt.

Die christliche Kirche hat den Geburtstag von Johannes dem Täufer auf den 24. Juni gelegt, weshalb die Feuer zur Sommersonnenwende oft auch Johannifeuer genannt werden.

Das siebente Fest im keltischen Jahreskreis heißt »Lammas« oder »Lughnasadh« und wurde zu Ehren des Sonnengottes Lugh in der Nacht vom 1. auf den 2. August gefeiert.

»Lammas« kommt vom altangelsächsischen »hlaef-mass« und bedeutet so viel wie loaf-mass oder Fest des Brotlaibs, da man die ersten Brote, die aus dem neuen Korn gebacken wurden, geopfert hat.

»Lugh« wurde nicht nur als Sonnengott, sondern auch als Gott druidischer Weisheit verehrt, und sein Name bedeutet so viel wie »der Lichtvolle, Leuchtende«. Vielleicht erklärt die Angst der Römer, und später auch der Kirche, vor den Druiden, dass Lughnasadh nicht als kirchlicher Feiertag vereinnahmt wurde.

Der nächstgelegene christliche Feiertag ist Mariä Himmelfahrt am 15. August, der nach alter Tradition mit dem Binden von »Kräuterbusch‘n« und anschließender Kräuterweihe in der Kirche begangen wird.

Symbolisch ist Lughnasadh ein Höhepunkt im Jahreslauf. Die Natur zeigt sich in ihren buntesten Farben, strotzend von üppigem Wachstum und Reife. Jetzt war die Zeit, das zu ernten, was man im Frühling gesät hatte. Aber in der Zeit der größten Fülle werden die Tage schon merklich kürzer und das Nahen des Herbstes wird allmählich spürbar.

Das achte Fest war die Herbst-Tagundnachtgleiche oder auch »Mabon« oder »Alban Elved«. Dieses Fest wurde zwischen dem 20. und 23....

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