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E-Book

Shotokan Karate

Technik - Training - Prüfung

AutorJoachim Grupp
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl216 Seiten
ISBN9783840306006
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
Dieses Buch ist eine Hilfestellung für alle Shotokan Karateka, die sich über das Training hinaus intensiv mit ihrer Kampfkunst beschäftigen wollen - ob als Anfänger oder Fortgeschrittener, als Schüler oder Lehrer. Leicht verständlich werden alle Facetten dieser anspruchsvollen Kampfkunst behandelt. Die ausführliche Darstellung der für die Gürtelprüfungen vom Weißgurt bis zum Schwarzgurt relevanten Techniken aus Kihon, Kumite und Kata ist ein kompaktes Angebot für jeden, der seine Leistungen in dieser Kampfsportart verbessern möchte. Aus dem Inhalt: Die Geschichte des Shotokan. Training und Prüfungsvorbereitung. Einführung in die Grundstellungen und -techniken. Das aktuelle Prüfungsprogramm des Deutschen Karate-Verbandes (DKV) in Bildern. Die Katas Heian 1-5, Tekki 1 und Bassai-Dai. Insgesamt über 600 Farbfotos verdeutlichen die Bewegungsabläufe und helfen bei der Verbesserung im Trainingsalltag. Aus dem Inhalt: Die Geschichte des Shotokan. Training und Prüfungsvorbereitung. Einführung in die Grundstellungen und -techniken. Das aktuelle Prüfungsprogramm des Deutschen Karate-Verbandes (DKV) in Bildern. Die Katas Heian 1-5, Tekki 1 und Bassai-Dai. Insgesamt über 600 Farbfotos verdeutlichen die Bewegungsabläufe und helfen bei der Verbesserung im Trainingsalltag. Weißgurt bis Schwarzgurt; Optimale Prüfungsvorbereitung; Viele Trainingstipps.

Joachim Grupp betreibt seit 1976 Karate. Er ist Träger des 5. DAN im Shotokan Karate und Trainer eines Karatevereins in Berlin. Von ihm erschienen im Meyer & Meyer Verlag die Bücher 'Shotokan Karate. Technik, Training, Prüfung', 'Shotokan Karate KATA 1', 'Shotokan Karate KATA 2' und 'Shotokan Karate Kumite'.

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Leseprobe

2 PRAXIS


2.1 Karate: Anforderungen und Eigenschaften


2.1.1 Grundanforderungen


Die meisten beginnen mit dem Karatesport, um Selbstverteidigung zu erlernen. Das ist ein legitimes Anliegen und Karate bietet vielfältige Möglichkeiten, dieses Bedürfnis nach Stärkung des Selbstbewusstseins und der Selbstsicherheit – auch im mentalen Bereich – zu stillen. Andere Motive treten dann aber rasch in den Vordergrund: Freude an der Bewegung, an der körperlichen Anstrengung, am persönlichen Fortschritt, an der sich zunehmend einstellenden Harmonie von Körper und Geist, am geselligen Trainieren oder nach sportlichen Erfolgen im Wettkampf. Gerade die ständige Verbesserung der Technik ist nicht in einigen Monaten oder Jahren abgeschlossen, sondern geht weit über das Erreichen des ersten Dans hinaus. Die im Karate erlangte persönliche und körperliche Entwicklung wirkt sich nicht nur im Dojo, sondern auch im Alltag positiv aus.

In Deutschland betreiben weit über 130.000 Menschen Karate, die meisten als Breitensport, und dies, obwohl Karate bislang noch nicht einmal olympische Disziplin ist. Der Grund liegt in der Vielseitigkeit dieser Sportart. Karate ist eines der komplexesten Bewegungssysteme. Abgesehen von den geistigen und persönlichen Anforderungen an den Karateka, trainiert er den Körper in einem sehr ausgewogenen Verhältnis. Umgekehrt setzt diese Sportart auch motorische Grundfähigkeiten voraus. Im Karate wird der gesamte Körper gefordert. Im Gegensatz zu anderen sportlichen Disziplinen kann Karate, physiologisch betrachtet, durchaus als ganzheitlicher Sport gesehen werden. Deshalb kann man Karate bei einer Anpassung der Trainingsschwerpunkte im Laufe der Jahre auch lebensbegleitend bis ins hohe Alter betreiben.

Die konditionellen Grundfähigkeiten setzen sich aus folgenden Faktoren zusammen: Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilität, Koordination und Kraft.

2.1.2 Spezifische Karateeigenschaften


Zu den karatespezifischen Prinzipien treffen die Lehrbücher meist unterschiedliche Aussagen. Kata-Bundestrainer E. Karamitsos (6. Dan Shotokan) definiert in seinem Buch über Karategrundlagen drei Grundsätze, die hier übernommen werden.

  • Zielgerichtetheit der Technik
  • Korrekter Einsatz der Hüfte
  • Anspannung und Entspannung (Kime)

2.1.2.1 Zielgerichtetheit der Technik

Die Effizienz der Technik beruht nicht nur auf einer perfekten Ausführung, sondern vor allem darauf, dass man lernt, sie genau dort zu platzieren, wo sie den Gegner am empfindlichsten trifft. Vitale Punkte oder Atemi-Punkte sind z. B. im Jodanbereich Schläfe, Kinn, Halsschlagadern, Kehlkopf, Nase und Augen. Es trifft den Sachverhalt präziser, von Trefferpunkt zu sprechen, als von Trefferfläche. Durch das Prinzip der Zielgerichtetheit erhalten gerade kleine und schwache Personen die Möglichkeit, Angreifer mit explosiver Schnelligkeit und dem richtigen Technikeinsatz aufzuhalten oder außer Gefecht zu setzen.

Nicht nur im Kumite, sondern bereits im Kihon muss auf die exakten Trefferpunkte geachtet werden. Dabei sollte nicht versäumt werden, dem Karateschüler die Verhältnismäßigkeit einer solchen Zielgerichtetheit nahe zu bringen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss auch im Ernstfall oberster Grundsatz bleiben.

2.1.2.2 Einsatz der Hüfte

Der Hüfteinsatz ist im Karate eine zentrale Komponente der Bewegung. Die Rotation der Hüfte überträgt die Bewegungsenergie des Körpers auf die Extremitäten. Durch diese Energieübertragung erhöhen sich Schnelligkeit und Wirkung der Technik. Mit dem Einsatz der Hüfte verlagert sich auch das Hara, der Körperschwerpunkt. Von dort kommt die Energie für die Technik. Wie wir später sehen werden, ist die richtige Stellung, die Stabilität in der Bewegung und im Stand, die Basis für ihre Entfaltung.

2.1.2.3 Kime

Kime (Brennpunkt der eingesetzten Energie), Kiai (Kampfschrei) und die richtige Atmung sind die Kulminationspunkte der Karatetechnik. Wer alles richtig macht, erzielt die volle Wirkung. Voraussetzung ist natürlich die korrekte Ausführung der Technik.

Kime definiert den kurzen Punkt, in dem die für die Technik eingesetzten Muskeln aus einem Zustand der Entspannung explosionsartig zum gezielten Einsatz gelangen. Danach kehrt der Körper sofort in den lockeren Zustand der Entspannung zurück, jedoch immer unter Wahrung des Zanshin, der Wachsamkeit. Dabei hat die Atmung eine unterstützende Funktion. Wir atmen gleichmäßig durch die Nase und den Mund, wobei im Kimepunkt das explosive Ausatmen eine wichtige Funktion erhält. Wenn die volle Energie auf den Gegner übertragen wird, erfolgt der Kampfschrei, auch Kiai genannt, als Ausdruck der geistigen Energieübertragung und des Siegeswillens. Die Atmung kommt in diesem Moment aus dem Zwerchfell und nicht nur aus Hals- oder Brustbereich. Selbstverständlich soll der Kiai den Gegner auch einschüchtern.

2.2 Das Karatetraining


2.2.1 Training


Im Training üblich, für die Prüfung unerlässlich ist das Tragen eines weißen Karate-Gi. Der Gi sollte bequem geschnitten sein. Das heißt, nicht zu schwer oder zu leicht, nicht zu lang oder zu kurz. Je nach Stoffbeschaffenheit nimmt der Gi mehr Schweiß auf. Man vermeidet dadurch ein Festkleben am Körper. Die Jacke wird durch den Baumwollgürtel zusammengehalten, dessen Farbe die technische Entwicklungsstufe des Karateka zum Ausdruck bringt.

Weitere Kleidungsstücke oder Schutzausrüstungen sind im normalen Training nicht notwendig. Beim Kumitetraining unter Wettkampfbedingungen empfiehlt sich für Männer ein Tiefschutz und für Frauen ein Brustschutz. Außerdem sind Mundschutz und Faustschützer ratsam, um Verletzungen vorzubeugen. Schmuck ist vor dem Training und selbstverständlich auch vor Prüfungen abzulegen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Für Brillenträger empfiehlt es sich auf jeden Fall, langfristig Kontaktlinsen anzuschaffen, da trotz Kontrolle immer wieder die Möglichkeit besteht, bei Partnerübungen touchiert zu werden.

Aus Respekt vor seinen Mittrainierenden sollten hygienische Vorschriften eingehalten werden. Gewaschene Hände und Füße, kurz geschnittene Finger- und Fußnägel sowie ein regelmäßig gewaschener Karate-Gi sind Grundbedingungen für die Teilnahme am Training. Da Karate barfuß betrieben und der direkte Kontakt mit einem Partner geübt wird, ist die Einhaltung dieser Regeln eine Selbstverständlichkeit und ein Zeichen für die gegenseitige Rücksichtnahme.

2.2.2 Angrüßen und die Dojo-Etikette


Das Training beginnt mit dem Angrüßen. Nach der Aufstellung zu Beginn des Trainings stehen alle Schüler in einer Reihe nach Gürtelgraden geordnet und knien sich auf Anweisung des Trainers hin. Das Kommando dafür ist Seiza. Das Zeichen für das Schließen der Augen und die beginnende Konzentration auf das Training lautet Mokuso. Die Meditation soll helfen, den Alltag abzustreifen und innerlich leer zu werden. Den Atem gleichmäßig und bewusst fließen zu lassen, unterstützt die Absicht, mental frei zu werden, sich vorzubereiten auf das Karate und für das Kommende offen zu sein. Für die Phase des Mokuso nach dem Training dient es dazu, das Gelernte zu verarbeiten und sich zu entspannen.

Anschließend erfolgt traditionell das Shomeni-Rei. Dies ist der Gruß nach vorne, an die Schule und die, die ihren Weg gehen. Sensei-ni Rei, der Gruß an den Meister, unterstreicht den Respekt und die Bereitschaft, seinen Empfehlungen während des Trainings zu folgen und fleißig und konzentriert zu üben. Mit Otagani-Rei verpflichtet man sich den anderen Übenden gegenüber zu Höflichkeit und Rücksichtnahme. Aggressionen sollen verbannt werden und Respekt ihren Platz einnehmen. Auch das Verbeugen vor dem Partner dient dazu, ihm das Gefühl zu vermitteln, ein faires Verhalten während des Kampfs erwarten zu können. Darüber hinaus geht jeder Karateka die Verpflichtung ein, dem Schwächeren zu helfen und sich selbst nicht in den Vordergrund zu stellen.

Die Einhaltung der Etikette variiert in der Praxis von Dojo zu Dojo. Wichtig ist jedoch, dass die richtige Geisteshaltung präsent ist.

2.2.3 Aufwärmen und Gymnastik


Grundsätzlich: Eine sinnvolle Planung des Trainings ist sowohl für die einzelne Einheit als auch für den langfristigen Trainingsbetrieb nötig! Weder Schüler noch Lehrer profitieren von improvisierten Einheiten, die kein klar definiertes Ziel haben. Gerade im Hinblick auf die Prüfungsvorbereitung ist eine klare Konzentration des Trainings auf die dort vorgeschriebenen Inhalte unabdingbar. Das Prüfungsprogramm enthält viele wichtige Elemente des Karate und sollte daher immer Bestandteil des regulären Trainings sein.

Nach dem Angrüßen beginnt das Training mit der Aufwärm- und Gymnastikphase. Es empfiehlt sich, zuerst mit leichten Übungen zu beginnen, um die Kraftreserven nicht bereits am Anfang des Trainings zu verbrauchen. Übungen zum Kraftaufbau gehören an das Ende einer Trainingseinheit und nicht an den Anfang. Bedenkt man, dass eine reguläre Einheit nur anderthalb Stunden dauert und die durchschnittliche Trainingsfrequenz nur 2-3 x pro Woche beträgt, sollten die Trainingseinheiten immer präzise geplant und aufgeteilt sein. Dabei ist vom Trainer zu berücksichtigen, welche Stufe er unterrichtet. Handelt es sich um Anfänger, Ältere, Frauen, Männer oder gemischte Gruppen, Kinder, Unterstufe oder Oberstufe?

Jede...

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