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E-Book

Später Kinderwunsch

Chancen und Risiken

AutorErnst Rainer Weissenbacher, Petra Ritzinger
VerlagZuckschwerdt
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl214 Seiten
ISBN9783863711900
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Spätgebärende haben andere Fragen Viele Frauen entscheiden sich oft erst spät, Kinder zu bekommen. Bücher über 'normale' Schwangerschaften gibt es viele, die besonderen Fragen Spätgebärender werden nur selten umfassend beantwortet. 'Das Buch möchte die Frauen in ihrer Entscheidung bestärken, sich auch noch spät für ein Kind zu entscheiden und das beglückende Gefühl der Mutterschaft zu erleben und dabei - wie viele Frauen berichten - eine ganz neue Dimension des Lebens und der Liebe zu erfahren. Es soll aber auch ausdrücklich auf die Risiken hinweisen und aufzeigen, wie diesen bei älteren Erstgebärenden entgegengewirkt werden kann.'

Die Medizinjournalistin Petra Ritzinger verarbeitete in diesem Buch ihre Erfahrungen als erstgebärende Frau über 40 Jahre. Sie recherchierte ausführlich die psychologischen, soziologischen und medizinischen Vor- und Nachteile der späten Mutterschaft. Professor Dr. Ernst Rainer Weissenbacher war Leiter der Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der LMU München-Großhadern. Er ist Spezialist für die Betreuung von Spätgebärenden und Risikoschwangerschaften und arbeitet seit 2012 für das Deutsche Zentrum für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe in München sowie in seiner eigenen Facharztpraxis in München.

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Leseprobe

Der Trend zur späten Mutterschaft nimmt zu


Gründe für den Aufschub des Kinderwunsches


Warum immer mehr Frauen die Schwangerschaft weiter hinausschieben, hat verschiedene Beweggründe. Zum einen hat sich das Frauenbild stark gewandelt. Nach längeren Bildungs- und Ausbildungszeiten üben immer mehr Frauen Berufe mit einer hohen Qualifikation aus. Der Kinderwunsch ist bei den Frauen heute deshalb häufig von sehr ambivalenten Gefühlen begleitet: Habe ich den richtigen Partner für eine Familie bzw. ist die Partnerschaft stabil genug? Berufstätige Frauen fragen sich: Schaffe ich den beruflichen Wiedereinstieg? Habe ich ein gutes Betreuungsangebot für mein Kind/meine Kinder? Gelingt es mir, Karriere und Familie zu vereinbaren? Frauen, die ihren Beruf aufgeben, um sich ausschließlich um die Familie zu kümmern, haben andere Ängste: Ist auch ohne eigenen Verdienst das Familieneinkommen sichergestellt? Ist der Arbeitsplatz meines Mannes krisenfest oder muss ich Zukunftsängste haben? Ist es ein zu hohes Risiko, in der Abhängigkeit vom Mann zu leben?

In Deutschland wird ca. jedes vierte Baby von einer Frau über 35 Jahre geboren

Allein in den letzten beiden Jahrzehnten ist die Zahl der Spätgebärenden von 1,3 Prozent auf 27,5 Prozent im Jahr 2005 gestiegen [110]. Eine stetig wachsende Zahl von Frauen (und Männern) genießt ihr Leben erst einmal als Single. Allein im früheren Bundesgebiet hat sich die Zahl der Alleinlebenden zwischen 25 und 45 Jahren von 1976 bis heute verdreifacht. Während Anfang der 70er Jahre nicht einmal acht Prozent der Westdeutschen zwischen 25 und 35 allein lebten, waren es um die Jahrtausendwende schon etwa 25 Prozent. In Großstädten vollzieht sich diese Entwicklung noch rasanter. Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt ständig. So lebt beispielsweise in Frankfurt oder München bereits in mehr als der Hälfte aller Haushalte nur eine Person.

Drastisch stieg auch der Anteil der jungen Leute an, die in nichtehelichen Lebensgemeinschaften wohnen. Besonders im Alter von 25 bis 35 wird diese Lebensform der traditionellen Ehe vorgezogen. Viele Singles entscheiden sich, später doch mit einem Partner zusammenzuziehen und dann zu heiraten. Viele nichtehelichen Lebensgemeinschaften werden noch legalisiert. Die Entscheidung für eine Heirat wird nur in einer späteren Lebensphase getroffen als früher. Heirateten 1991 in Deutschland ledige Männer mit 28,5 Jahren und ledige Frauen mit 26,1 Jahren, so taten sie dies 2004 erst mit 32,4 bzw. 29,4 Jahren [17, 117].

In den alten Bundesländern wird heute jedes fünfte Kind nicht ehelich geboren. In den 1970er Jahren war es nur jedes 20. Im Osten sind nicht eheliche Geburten mit über 50 Prozent inzwischen der Normalfall. Die Zahl der Alleinerziehenden nahm seit Mitte der 1970er Jahre um die Hälfte zu. So lebten im Jahr 2000 in Deutschland 1,8 Millionen Alleinerziehende.

Da fast jede zweite Ehe geschieden wird, ergeben sich heutzutage ganz neue Familienstrukturen: die Patchworkfamilie, die Ein-Eltern-Familie der Alleinerziehenden, die Stief- bzw. Adoptivfamilie. Auch wenn die jeweiligen Ehepartner schon Kinder haben, entsteht der Wunsch, mit dem neuen Partner ein gemeinsames Kind zu haben. Die Frauen sind dann häufig schon Mitte/Ende dreißig oder Anfang vierzig, wenn sie ihre zweite Familie gründen [46]. Bedingt durch diese demographischen Veränderungen und andere Gründe (siehe unten) steigt in der Bundesrepublik Deutschland und vielen anderen Industriestaaten seit etwa 30 Jahren der Prozentsatz spätgebärender Mütter. Heute sind bereits 7 Prozent aller Lebensgemeinschaften Stieffamilien.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes [117] nimmt seit Jahren die Anzahl der Mütter, die bis zu ihrem 29. Lebensjahr ihr erstes Kind bekommen, ständig ab und die Anzahl, die zwischen ihrem 30. und 45. Lebensjahr ihr erstes Kind bekommen, steigt kontinuierlich an. Im Jahr 1997 wurden zum ersten Mal die meisten Kinder von Müttern im Alter von 30 bis 34 Jahren geboren und nicht mehr wie in den Jahren zuvor von Müttern im Alter von 25 bis 29 Jahren. Heute wird ca. jedes vierte Baby von einer Mutter geboren, die über 35 Jahre alt ist. Heutzutage ist es nichts Besonderes mehr, mit 45 Jahren Mutter von Kleinkindern zu sein.

Innerhalb der letzten 13 Jahre ist das Durchschnittsalter der Frau bei der Geburt des ersten Kindes um ca. drei Jahre gestiegen und liegt heute bei knapp 30 Jahren. Kurz vor der Wende bekamen die Frauen im Osten ihr erstes Kind noch mit knapp 24 Jahren, während im Westen der Mittelwert schon damals bei knapp 27 Jahren lag. Sowohl im Westen als auch im Osten wünscht sich jede dritte Frau um die vierzig mehr Kinder als sie hat. Fast jedes dreißigste Neugeborene der Republik hat schon eine Mutter jenseits der vierzig. Das rapide Ansteigen des Alters der Erstgebärenden im ehemaligen Osten lässt vermuten, dass die wirtschaftlich unsichere Situation und Zukunftsängste dafür verantwortlich sind, obwohl die Frauen ja bessere Voraussetzungen für einen beruflichen Wiedereinstieg haben, da die Betreuungsangebote für Kleinkinder wesentlich besser sind als im Westen.

Demographische Entwicklung

Die Geburtenrate, das heißt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau betrug im Jahr 2004 in Deutschland 1,36. Die meisten Frauen bekommen zwei Kinder, viele, zu viele, bleiben jedoch kinderlos. Für eine stabile Bevölkerung wären 2,1 Kinder nötig, eine Zahl, die zuletzt in den 1970er Jahren erreicht wurde [69].

Während die Geburtenzahl in Deutschland stetig fällt, ist in München als einziger Ausnahme in der Bundesrepublik seit 1995 ein leichter Geburtenzuwachs zu beobachten. Im Jahr 2005 wurden so viele Babys geboren wie zuletzt in den 60er Jahren. Eine Erklärung für diesen Trend ist zum einen ein Ausländeranteil von ca. 23 Prozent, zum anderen ziehen immer mehr junge Leute zurück in die Stadt. München geht es wirtschaftlich immer noch am besten in Deutschland und die Stadt bietet viele Arbeitsplätze. Eine traurige Tatsache bleibt jedoch: Nur in jedem siebten Münchner Haushalt - ähnlich wie in anderen Großstädten – lebt ein Kind. Eine Erklärung ist, dass sich zunehmend gut situierte Familien drei bis vier Kinder „leisten“ und andere Paare bewusst ganz auf Kinder verzichten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren in München im Jahr 2005 ca. 29 Prozent der Gebärenden älter als 35 Jahre. Auch die Zahl der Mütter, die bei der Geburt die vierzig überschritten haben, steigt allgemein rapide. In München zählten im Jahr 2005 schon fünf Prozent zu dieser Gruppe.

Die Suche nach dem richtigen Partner für eine Familie

Eine Studie ergab, dass Frauen als Hauptgrund, weshalb sie sich so spät für ein Kind entscheiden, antworteten, noch nicht den richtigen Lebenspartner gefunden zu haben. Die einen waren vorher noch nicht verheiratet, die anderen lebten in einer unbefriedigenden Partnerschaft, in der sie sich keine Kinder vorstellen konnten [115].

Auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter 40 000 Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren ergab als Hauptgrund, keine Kinder zu wollen, noch nicht den richtigen Partner gefunden zu haben. Diese Auffassung teilt auch der Soziologe Francois Höpflinger von der Universität Zürich. Er bezeichnet die heutige Generation der 30- bis 39-jährigen als „Spätzünder“. Laut Umfragen hätten die jungen Leute deshalb noch keine Kinder, weil sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch immer nicht den richtigen Partner gefunden hätten. Auch das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung befasste sich kürzlich auf einer Krisensitzung mit den stetig sinkenden Geburtenzahlen. Der Soziologe Thomas Klein von der Universität Heidelberg wies auf die „Instabilität der Beziehungen“ hin. In neuen Beziehungen müsse der Kinderwunsch immer wieder erst neu entstehen.

Vereinbarung von Karriere und Familie

Zum anderen hat sich in den letzten Jahrezehnten das Frauenbild stark gewandelt. Der Anteil beruflich gut ausgebildeter Frauen hat in den vergangenen vierzig Jahren kontinuierlich zugenommen. Berufliches Engagement wird als zweithäufigster Grund für eine späte Schwangererschaft genannt [101, 115].

Anders als in Dänemark oder Frankreich, wo die Geburtenrate deutlich höher, nämlich bei 1,7 bzw. 1,9 liegt, ist es für Mütter in Deutschland noch immer schwer, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. In Skandinavien und Frankreich ist es selbstverständlich, dass Kinder von staatlich geprüften Tagesmüttern oder in Ganztagskrippen versorgt werden.

„Frankreich ist ein Staat, der Kinder will, Lust auf Kinder hat und kollektiv das Kindersein begehrt“, so die Professorin Barbara Vinken. Kinder stehen einer Karriere nicht im Weg: Direkt nach dem Mutterschutz können Eltern ihre Kinder in die Kinderkrippe geben. Die staatliche Kinderbetreuung hat in Frankreich eine lange Tradition. Bereits 1881 wurden die ersten französischen Vorschulen für Kinder ab drei Jahren gegründet, weil der Staat meinte, die Familien schützen zu müssen. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es außerdem ein umfangreiches Beihilfesystem für private Tagespflege. Die...

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