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Wie geht's uns denn?

Ärztliche Kommunikation optimieren

AutorThomas Bergner, Thomas M.H. Bergner
VerlagSchattauer GmbH, Verlag für Medizin und Naturwissenschaften
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl246 Seiten
ISBN9783794563586
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Treffen Sie den richtigen Ton! Als Arzt führen Sie im Laufe Ihres Berufslebens etwa 200 000 Gespräche mit Ihren Patienten. Das Gespräch ist neben Ihrem Fachwissen das wichtigste 'Arbeitsmittel'. Je besser Sie mit Ihrer Kommunikation auf Ihre Patienten eingehen können und sich in sie hineinversetzen, umso leichter können Sie Ihr Fachwissen vermitteln und umso größer ist Ihr Therapieerfolg. Thomas M. H. Bergner, Autor der Bestseller 'Burnout bei Ärzten' und 'Burnout-Prävention', zeigt konkrete Wege auf, wie Sie Ihre ärztlichen Gespräche effektiver gestalten können und zielsicher zu dem von Ihnen angestrebten Ergebnis gelangen. Anschaulich und spannend beschreibt er die Kommunikationsmöglichkeiten auf Seiten des Arztes in Verbindung mit einem neuen, von ihm entwickelten Kommunikationsmodell. Sie erhalten valide und praxiserprobte Anregungen, wie Sie mit Ihren Patienten oder deren Angehörigen - auch in schwierigen Situationen - sprechen können, damit Sie sich sicher fühlen und der Patient sich gut aufgehoben fühlt. Zahlreiche Beispiele und Anleitungen ermöglichen es Ihnen, die Inhalte des Buches erfolgreich in die Praxis umzusetzen: - Ablaufschemata, sogenannte STEPS, für professionelle Gesprächsabläufe - Übungen zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit - Fiktive Arzt-Patienten-Gespräche als Vorschläge für Gesprächsinhalte Optimieren Sie Ihre kommunikativen und sozialen Kompetenzen als Arzt!

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Leseprobe
8 Besondere ärztliche Gespräche (S. 123-124)

8.1 Telefongespräche

Wie bereits in Kapitel 1 ausgeführt, sind etwa 55 % aller Botschaften nonverbaler Natur. Diese Informationsquelle steht Ihnen bei einem Telefongespräch nicht zur Verfügung. Sie bekommen also über die verbalen und paraverbalen, technisch stark beschnittenen Signale beim Telefonieren erheblich weniger und weniger bedeutsame Informationen vom Patienten. Gleiches gilt für den Patienten. Als Konsequenz daraus sollten Sie so wenig ärztliche Gespräche am Telefon führen wie nur möglich. Überspitzt könnte man sagen: Entweder handelt es sich um ein ärztliches Gespräch, hat damit eine gewisse Bedeutung und sollte deshalb persönlich geführt werden – oder es braucht überhaupt nicht vom Arzt geführt zu werden, kann also delegiert werden.

8.2 Visitengespräche

Der Patient in einem Krankenhaus muss sich den dort herrschenden Strukturen unterwerfen. Jede stationäre Behandlung führt zu erheblichen persönlichen Einschränkungen und sonst unüblichen Belastungen. Dazu gehören die Zimmerzuweisung, im Zimmer die Bettzuweisung, die Unmöglichkeit, sich zurückzuziehen, die Isolierung (es gibt kein Krankenhaus, das Besuche 24 Stunden am Tag ermöglicht), die Festlegung der Essenszeiten und damit des Lebensrhythmus, das Abschneiden von Informationsquellen wie dem Internet oder individuell abonnierten Zeitungen. Der Status des Patienten wird durch standardisierte Kleidung (schlimmstenfalls auch noch hinten offen) und die Abgabe von persönlichen Dingen gemindert, die ansonsten gestohlen werden könnten. Stationär behandelte Patienten wer den einer Vielzahl von im Acht-Stunden-Rhythmus wechselnden Bezugspersonen ausgesetzt, was die Beziehungen anonymisiert. Dennoch empfinden Patienten alle diese Maßnahmen weniger negativ als die mangelnde Aufklärung über Art und Verlauf der Erkrankung [40, 45].

Dem Visitengespräch kommt somit für den Patienten eine herausragende Bedeutung zu. In der Realität sieht es anders aus: Die Missachtung der Privatsphäre bei einem Visitengespräch ist offenkundig. In Anwesenheit Dritter wie beispielsweise den anderen Patienten wird über sehr Persönliches gesprochen.Die originär intime nicht-öffentliche Dyade, welche sonst beim ärztlichen Gespräch üblich ist, ist aufgehoben zugunsten einer öffentlichen. Das ärztliche Gespräch mit der wahrscheinlich stärksten Hierarchieabstufung des Patienten ist die Visite im Krankenhaus.

Der scheinbaren oder tatsächlichen Herabstufung liegt auch ein grundsätzliches Missverständnis zugrunde: Patienten meinen, die Visite diene dazu, sie tagtäglich über den Verlauf ihrer Erkrankung oder Heilung zu informieren, dass also die Visite eine bestimmte Form der sonst üblichen Kommunikation mit dem Arzt sei. Es ist für sie oftmals die einzige Möglichkeit, den Arzt überhaupt zu sehen und zu sprechen. Ärzte hingegen nutzen die Visite vorrangig, umaufgrund ihres am Bett des Patienten auf den neuesten Stand gebrachten Wissens um dessen Erkrankung neue Entscheidungen über die Therapie und damit auch Anweisungen an das Pflegepersonal zu treffen. Ihre Erwartungen an dasGesprächmit demPatienten sind andere, sie haben mehr Routine- und Kontrollcharakter.

Die Visite ist ein Lehrbuchbeispiel für Kommunikation, die grundsätzlich aneinander vorbeiläuft. Die Gespräche während einer Visite unterscheiden sich stark von den sonst üblichen ärztlichen Gesprächen [40]:
- Sie dauern nicht lange.
- Sie haben eine weit höhere Anzahl geschlossener und damit lenkender Fragen.
- Sie ignorieren gern die Initiative des Patienten.
- Sie verzichten auf übliche Rahmenelemente wie eine adäquate, individuelle Begrüßung, Vorstellung und Verabschiedung.
- Sie weisen eine vermehrte Nutzung von Fachausdrücken auf.

Alles in allem ist das übliche ärztliche Visitengespräch von einer noch stärkeren Asymmetrie geprägt als andere ärztliche Kommunikation. Um diese zumindest zu mildern, gibt es eine eiserne Regel für jedes Visitengespräch – und es liegt in der Verpflichtung eines jeden Arztes, dafür zu sorgen, dass diese Regel eingehalten werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Inhalt8
1 Grundlagen der Kommunikation18
1.1 Ärztliche Kommunikation18
1.2 Kommunikationstheorien23
1.3 Paraverbale Körpersprache43
2 Besonderheiten ärztlicher Gespräche50
2.1 Grundlegende Aspekte eines ärztlichen Gesprächs51
2.2 Rollen des Arztes56
2.3 Kommunikation und Empathie60
3 Eröffnungsinitiative des ärztlichen Gesprächs70
3.1 Das ärztliche Gespräch beginnt ohne einWort des Arztes70
3.2 Eröffnungsinitiative76
4 Als Arzt fragen84
4.1 Ärztliche Fragen und Aussagen84
4.2 Kategorie I: Geschlossene Fragen87
4.3 Kategorie II: Offene Fragen90
4.4 Fragetypen92
4.5 Ziel: Vertrauen aufbauen97
4.6 Ziel: Klärung und Motivation100
4.7 Einfühlsames, aktives Zuhören102
5 Ärztliches Wissen innerlich bewegen104
6 Als Arzt sprechen106
6.1 Basis der ärztlichen Empfehlung106
6.2 Grundsätzliche Formen von Argumenten108
6.3 Den Patienten erkennen109
6.4 Den Patienten annehmen und berühren112
6.5 Klarheit schaffen119
6.6 Eigene Position beziehen121
6.7 Wirkung erzielen123
6.8 Den Arzt entlasten129
7 Verabschiedung136
7.1 Absicht, Aufforderung und Vereinbarung136
7.2 Handouts138
7.3 Gesprächsabschluss138
8 Besondere ärztliche Gespräche140
8.1 Telefongespräche140
8.2 Visitengespräche140
8.3 Gespräche mit Ärzten als Patienten142
8.4 Gespräche mit Angehörigen von Patienten142
9 Schwierige ärztliche Gespräche144
9.1 Der schwierige Patient144
9.2 Schwierige Konstellationen148
9.3 Kritik-Management151
9.4 Konflikt-Management154
9.5 Umgang mit »negativen« Emotionen167
9.6 Verbalonanie171
9.7 Störungen und Stockungen172
10 Schwere ärztliche Gespräche176
10.1 Vertrauenspersonen179
10.2 Grundvoraussetzungen179
10.3 Überbringer der Botschaft180
10.4 Vorbereitungen für den Arzt181
10.5 Ziele182
10.6 Grundsätzliches182
10.7 Durchführung183
11 Fehler ärztlicher Kommunikation190
11.1 Grundsätzliches190
11.2 Den Patienten missachten191
11.3 Den Patienten nicht würdigen194
11.4 Fehlende ärztliche Authentizität196
11.5 Arzt auf dem Sockel203
11.6 Ärztliche Machtausübung206
12 Kommunikation als Schutzwall210
12.1 Fachjargon210
12.2 Den Patienten nicht ernst nehmen211
12.3 Imponieren212
12.4 Fassadentechnik213
12.5 Macht ausdrücken214
12.6 Zeitdruck214
13 Nonverbale Kommunikation216
13.1 Körpersprache im ärztlichen Gespräch216
13.2 Mimik und Gestik221
13.3 Veränderbarkeit von Mimik und Gestik224
14 Meta-Ziele ärztlicher Gespräche228
14.1 Arzt- und Patientenzentrierung nutzen228
14.2 Freiheit der Patientenentscheidung231
14.3 Fokussierung auf dasWesentliche232
14.4 Patienten motivieren234
14.5 Patient als Partner – partizipative Entscheidungsfindung236
14.6 Verstehen und Verständnis238
Anhang242
Übersicht der Übungen und STEPS242
Literatur244

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