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E-Book

Autismus

Spektrum, Ursachen, Diagnostik, Intervention, Perspektiven

VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl584 Seiten
ISBN9783456947389
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis61,99 EUR
Das vorliegende gleichermaßen umfassende wie detailreiche Lehrbuch bringt Sie auf den aktuellen Stand der Klinik und Forschung im Bereich Autismus und verwandter Verhaltensprobleme (Asperger-Syndrom, atypischer Autismus, PDD-NOS) im Kindes- und Erwachsenenalter. Diese auch unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störungen zusammengefassten Entwicklungsbeeinträchtigungen sind insbesondere durch Auffälligkeiten der sozialen Interaktion und Bewusstheit, der zwischenmenschlichen Kommunikation sowie durch repetitive, rigide Denk- und Aktivitätsmuster charakterisiert. Renommierte Wissenschaftler und Therapeuten aus dem deutschsprachigen Raum schildern anschaulich die Erkenntnisse der Grundlagen- und Ursachenforschung sowie angewandten Diagnostik und Intervention. Nicht wenige der Kapitel dieses Lehrbuchs wurden in dieser Form noch nie oder nicht in deutscher Sprache oder solch kompakter und vollständiger Zusammenfassung veröffentlicht. Besonderen Neuheitswert haben z. B. Immunologie, Interaktions- und Spezialinteressen-fokussierte Beratung, Computer- und Informationstechnik, Neurofeedback, oder der Wert von Bewegung, Spiel und Sport. 44 Kapitel in sieben Abschnitten: Grundlagen, Ursachen, Intervention, Rahmenbedingungen, Länderperspektiven und persönlichen Erfahrungen bieten eingehende Information und Orientierung in jedem Bereich. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Intervention. Allein therapeutischen Maßnahmen sind 21 Kapitel gewidmet. Die Beiträge zu rechtlichen Aspekten, relevanten Organisationen, spezialisierten Einrichtungen, spezifischen Entwicklungen in Österreich und der Schweiz, persönliche Noten von autistischen Menschen, ihren Angehörigen und Experten sowie ein Prolog zu Autismus in Film und Literatur unterstreichen die breite thematische Einbettung des Buches. Prof. Dr. rer. med., Dipl.-Psych. Sven Bölte ist seit 2009 leitender Psychologe der Forschung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Er ist Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum (WGAS) und hat mehr als 80 Originalarbeiten, Reviews, Bücher, Buchbeiträge, Testverfahren und Therapieprogramme zum Thema "Autismus" publiziert.

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Horizontale Tabs

Kapitelübersicht
  1. Inhaltsübersicht, Autorenverzeichnis, Vorwort
  2. Prolog: Autismus im Film, in der Literatur und bei historischen Persönlichkeiten
  3. 1 Grundlagen
  4. 2 Ursachen
  5. 3 Diagnostik
  6. 4 Intervention
  7. 5 Rahmenbedingungen
  8. 6 Länderperspektiven
  9. 7 Persönliche Erfahrungen
  10. Sachwortverzeichnis
Leseprobe
4 Intervention (S. 220-222)

4.1 Evidenzbasierte Intervention

Sven Bölte

Handelns, Schaffung geeigneter Grundlagen für die Rechfertigung von Maßnahmen der Krankheitsversorgung, Orientierung für Experten und Laien sowie rechtliche Sicherheit für alle Beteiligten. Evidenzbasierung garantiert nicht, dass immer die bestmögliche Maßnahme durchgeführt wird, sondern garantiert lediglich, dass diejenige angewandt wird, die zu einem bestimmten Zeitpunkt wissenschaftlich am besten abgesichert ist.

4.1.1.1 Evidenzgrade

Die Güte von Maßnahmen wird im Rahmen der Evidenzbasierung in der Regel danach klassifiziert, welche Art und wie viele wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit einer Methode belegen. Der zugeschriebene Evidenzgrad hängt vor der internen und externen Validität des Studiendesigns ab. Liegen keine Studien vor, können vorläufig auch Empfehlungen von Fachgesellschaften (kollektive Expertenmeinungen) als geringe Evidenz gelten. Den höchsten Evidenzgrad erreichen Metaanalysen oder auch systematische Reviews, welche wiederum auf randomisierten kontrollierten Studien fußen. Solche bilden in der Regel auch die Grundlage für die Leitlinien und Empfehlungen von Fachgesellschaften, z. B. der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (leitlinien.net).

Es liegen verschiedene Systeme zur Gradierung der Evidenz vor. Die 4.1.1 Evidenz Der Terminus Evidenz (lat. evidentia = Augenscheinlichkeit) ist aus dem Englischen übernommen und steht für Beleg, Beweis oder Unterlage. Im Gegensatz zum alltagssprachlichen, philosophischen oder rhetorischen Gebrauch, der teilweise auch subjektive Evidenz einschließt, kann nach wissenschaftlicher Auffassung Evidenz nur durch objektive quantitative Methoden und Empirie erreicht werden. Unter evidenzbasierter Medizin (Psychologie, Pädagogik etc.) werden entsprechend alle Maßnahmen zusammengefasst, für welche ausreichende datengestützte Hinweise der Wirksamkeit vorliegen.

Diese sind abzugrenzen von solchen Maßnahmen, die allein aufgrund anderer Entscheidungsgrundlagen zur Anwendung kommen, vor allem persönlichen Überzeugungen, Erfahrungen und Annahmen, Theorien oder Traditionen. Evidenzbasierung verlangt ferner permanente Aktualität, d. h. es sollten stets solche Methoden zum Einsatz kommen, die im Moment aufgrund klinischer Studien die beste empirische Absicherung aufweisen. Insbesondere sollen keine Maßnahmen angewandt werden, die sich als nicht effektiv erwiesen haben. Evidenzbasierung bedeutet auch den möglichen Verzicht auf Therapie, falls keine Maßnahme existiert, die sich gegenüber der Unterlassung von Behandlung als überlegen erwiesen hat. Ziele evidenzbasierter Medizin sind: die bestmögliche Behandlung von Patienten, Transparenz des therapeutischen meisten sind von derjenigen der Canadian Task Force on the Periodic Health Examination (1994) abgeleitet.

Demnach lassen sich grob folgende Evidenzgrade unterscheiden: Grad Ia: Evidenz aufgrund von Metaanalysen/ systematischen Reviews von randomisierten, kontrollierten Studien, Grad Ib: Evidenz von mindestens einer randomisierten, kontrollierten Studie, Grad IIa: Evidenz aufgrund von mindestens einer kontrollierten Studie ohne Randomisierung, Grad IIb: Evidenz aufgrund von mindestens einer experimentellen Studie, Grad III: Evidenz aufgrund nicht-experimenteller, deskriptiver Studien, z. B. Vergleichsstudien, Korrelationsstudien und Fall-Kontroll- Studien, Grad IV: Evidenz aufgrund von Expertenausschüssen Fachgesellschaften oder kollektiven Expertenmeinungen anerkannter Autoritäten.

4.1.1.2 Cochrane Collaboration

Eine internationale Organisation, die das Ziel verfolgt, Informationen über die Evidenzbasierung von gesundheitsbezogenen Maßnahmen aktuell und übersichtlich aufzubereiten und zu verbreiten ist die sog. Cochrane Collaboration (CC) (cochrane.de). Sie wurde 1993 gegründet und nach dem Briten Archibald Leman Cochrane benannt. Diese Zusammenarbeit bemüht sich insbesondere um die Erstellung und Aktualisierung von systematischen Reviews von Therapiestudien zu Behandlungsmethoden. Diese werden vierteljährlich in der Cochrane Library veröffentlicht (cochrane.org/reviews). Arbeiten der CC sind auch in gängigen Datenbanken, wie Medline (ncbi.nlm.nih.gov/pubmed), gelistet.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsübersicht6
Autorenverzeichnis8
Vorwort des Herausgebers12
Prolog: Autismus im Film, in der Literatur und bei historischen Persönlichkeiten14
1 Grundlagen20
Historischer Abriss22
Symptomatik und Klassifikation32
Komorbidität und Differenzialdiagnose47
Epidemiologie66
Entwicklung, Verlauf und Prognose76
2 Ursachen86
Verhaltensgenetik, Molekulargenetik und Tiermodelle88
Neurobiologie: Umweltfaktoren, Immunsystem, Neuroanatomie, Neurochemie und Neurophysiologie109
Neuropsychologie und funktionelle Bildgebung132
3 Diagnostik154
Fragebogen, Beobachtungsskalen, Interviews156
Testpsychologie176
Persönlichkeit, allgemeine Psychopathologie, Funktionsniveau188
Neurologische, genetische und körperliche Untersuchung206
4 Intervention220
Evidenzbasierte Intervention222
Umschriebene Verhaltenstherapeutische Maßnahmen230
Applied Behavior Analysis ( ABA) / Autismus-spezifische Verhaltenstherapie ( AVT)243
Verbal Behavior261
Der TEACCH- Ansatz274
Relationship Development Intervention289
Elterntraining / Frühe Intervention302
Videomodellierung317
Berufliche und soziale Integration322
Training sozialer Fertigkeiten334
Interaktions- und Spezialinteressen – fokussierte Beratung346
Therapie bei syndromalem Autismus358
Non-direktive Verfahren371
Das Picture Exchange Communication System ( PECS)376
Psychopharmakologie388
Computer- und Informationstechnik401
Neurofeedback412
Bewegung, Spiel und Sport421
Behandlung fremd- und selbstaggressiver Verhaltensweisen432
Umstrittene und alternative Therapien445
Krisenmanagement466
5 Rahmenbedingungen478
Autismus Deutschland e. V.480
Rechte von Menschen mit Autismus489
Fachgesellschaften, Kliniken, Forschung, Institute, Information505
6 Länderperspektiven512
Österreich514
Schweiz523
7 Persönliche Erfahrungen528
Wie ein Chinese im Abendland530
Mein autistischer Sohn541
Mein Bruder oder Wie ist das mit Deinem Bruder, der Autismus hat?545
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Mein Mann ist etwas Besonderes568
Sachwortverzeichnis576

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