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E-Book

Betriebliche Gesundheitsförderung

AutorGeorges Steffgen
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2004
Seitenanzahl240 Seiten
ISBN9783840918599
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR

Motive sind eine wichtige Antriebsquelle menschlichen Handelns. Sie sind komplexe Wissensnetzwerke über Bedürfnisse sowie Pläne und Ziele, mit denen sich Motive realisieren lassen. Das Buch befasst sich mit der Frage, wie Motive messbar und damit objektiv beobachtbar gemacht werden können. Die internationale Forschung zeigt, dass das Wissen über eigene Motive zum Teil auf Erlebnissen in der frühen Kindheit beruht und daher implizit, d.h. teilweise unbewusst ist. Das bedeutet, dass sich Motive nicht erfragen lassen, z.B. in einem Interview oder durch einen Fragebogen, sondern nur indirekt erschlossen werden können. Der Band informiert ausführlich über indirekte Verfahren, mit denen sich implizite Motive messen lassen.   

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt und Vorwort
  2. I Theoretische Einordnungen: Betriebliche Gesundheitsförderung: Theorie und Praxis, Anspruch und Realität (Bamberg/Ducki/Greiner)
  3. I Theoretische Einordnungen: Betriebliche Gesundheitsförderung: Arbeitsbezogene psychische Belastungen (Dunckel/Resch)
  4. I Theoretische Einordnungen: Betriebliche Gesundheitsförderung: Personenbezogene Gesundheitsinterventionen. Beispiel Umgang mit Ärger (Steffgen)
  5. I Theoretische Einordnungen: Betriebliche Gesundheitsförderung: Organisationsbezogene Gesundheits- interventionen. Beispiel Gruppenarbeit (Antoni)
  6. II Psycho-soziale Belastungen: Mobbing (Zapf)
  7. II Psycho-soziale Belastungen: Sexuelle Belästigung (Sczesny)
  8. II Psycho-soziale Belastungen: Körperliche Gewalt (Steffgen)
  9. III Psycho-physische Belastungen: Sportliche Aktivierung (Bös/Brehm/Gröben)
  10. III Psycho-physische Belastungen: Erholungsdefizit (Allmer)
  11. IV Problem der Integration von Mitarbeitern mit Handicap: Betriebliche Maßnahmen zur Integration von Mitarbeiter/ innen mit Handicap (Schmal/Niehaus)
  12. AutorInnen
Leseprobe

2 Entwicklungspsychologische Grundlagen (S. 51-52)

Die Konstruktion von Auswertungsschlüsseln in der TAT-Tradition weist einen Widerspruch auf: Einerseits wurden Motive als stabile Persönlichkeitsmerkmale verstanden mit starken Wurzeln in der frühen Kindheit. Andererseits hat man jedoch die Schlüssel aufgrund von inhaltlichen Unterschieden entwickelt, die nach sozialpsychologischen Experimenten in der „Treatmentgruppe" auftraten. Wie weiter oben bereits berichtet, gründet bspw. der Schlüssel für das Bindungs- bzw. Anschlussmotiv auf solchen Experimenten von Shipley und Verroff (1952) mit amerikanischen College- Studenten. Konzeptionell war das unbefriedigend. Erstens ist zweifelhaft, ob kurzfristige, situative Einflüsse (bspw. von einer College-Bruderschaft abgelehnt zu werden) den gleichen Effekt auf das Testverhalten in einem operanten Test ausüben wie bspw. frühe Trennungserlebnisse. Zweitens hat die Motivationstheorie einen universellen Anspruch und sollte daher nicht nur auf Untersuchungen mit Menschen aus westlichen Industrienationen beruhen. Eine stärker theoriegeleitete Herangehensweise an die Definition von Motiven erscheint daher wichtig, die auch interkulturelle Entwicklungsuniversalien berücksichtigt.

Potenziell gibt es unendlich viele Kontextmerkmale, welche die Motiventwicklung beeinflussen könnten. Welche dieser Merkmale haben sich im Laufe der Evolution herauskristallisiert? Aus der klassischen Motivationsforschung kennen wir nur Einzelbefunde, die darauf hindeuten, dass die Bindungsmotiventwicklung irgendetwas mit Einsamkeit, die Machtmotiventwicklung etwas mit ungehemmter Ausübung der eigenen Bedürfnisse als Kind zu tun hat. Beim Leistungsmotiv gibt es, wie dargestellt, eine differenzierte Entwicklungstheorie (Trudewind, Unzner & Schneider, 1997).

Wie genau insbesondere Bindungs- und Machtmotive entstehen, welche Entwicklungsmechanismen diese Motive fördern oder hemmen, wissen wir nicht. Keller (2000) hat vorgeschlagen, den evolutionären Ansatz mit einer kulturvergleichenden Perspektive zu kombinieren und als „Metatheorie" für die Gewinnung entwicklungspsychologischer Hypothesen nutzbar zu machen. Tatsächlich haben dies für die Motiventwicklung McClelland und seine Mitarbeiter ja bereits schon getan, indem sie aus den unterschiedlichen Erziehungsmethoden von Indianerstämmen Rückschlüsse auf die Leistungsmotiventwicklung zogen (McClelland, 1961). Angehörige von Stämmen, bei denen früh in der Erziehung auf die Einhaltung von Gütemaßstäben und hohe Unabhängigkeit geachtet wurde, waren leistungsmotivierter als Angehörige von Stämmen, die dies nicht taten. In den letzten Jahren hat eine Theorie stark an Einfluss gewonnen, die zwei kulturell unterschiedliche „Pfade" universeller Entwicklung annimmt (Greenfield, Keller, Fuligni & Maynard, 2003; Keller, 1997a). Kulturen und Menschen unterscheiden sich u.a. darin, wie stark Bedürfnisse individuell erlebt oder aber in ein umfassendes, untergeordnet werden (Hofstede, 1980; Triandis, 1997). Aus kulturvergleichender Sicht ist die bei uns vorherrschende Wertschätzung von Individuation, Selbstverwirklichung, Neugier und Wettbewerb eine eher westliche, individualistische Orientierung, in der das Selbst (oder das „Ich") und nicht die Gruppe als Agens betont wird. Menschen in den meisten Kulturen dagegen glauben eher, dass überpersönliche Bedürfnisse der Gruppe Vorrang vor der Individualität haben. Diese Kulturen, die in Asien, Afrika, Südamerika und auch Südeuropa weit verbreitet sind werden als kollektivistisch oder interdependent bezeichnet. Kulturen hingegen, in der die persönlichen Bedürfnisse als entscheidend angesehenen werden, bezeichnet man als individualistisch oder unabhängig (Markus & Kitayama, 1991). Greenfield et al. (2003) beziehen diese beiden unterschiedlichen Pfade der Entwicklung auf drei universelle Entwicklungsaufgaben, die den drei Grundmotiven entsprechen. Der Aufbau sicherer Bindungen, der Erwerb von Wissen, und die Balance zwischen Autonomie und Bezogenheit. Keller (2000) nimmt an, dass diese beiden Entwicklungspfade in allen drei Motivbereichen durch Unterschiede in der Interaktion zwischen Eltern und ihren Kindern vermittelt werden. Dyadische Interaktionskontexte, die typisch für die Interaktion innerhalb der westlichen Kernfamilie sind, dienen dabei vorrangig dem Wissenserwerb. Die in vorindustriellen Gesellschaften und in vielen modernen nicht westlichen Kulturen anzutreffenden kohäsiven Strukturen der Großfamilie dienen dagegen eher dem Erhalt sicherer Bindungen und Bezogenheit (Keller & Eckensberger, 1998).

Aufgrund der universellen Gültigkeit von interdependenten und individualistischen Entwicklungsverläufen liegt es nahe, hier auch die Wurzel für die Entstehung von impliziten Motiven zu suchen. Wie bereits in der Einleitung angedeutet, könnte ein individualistischer Entwicklungspfad mit der Induktion von Motiven zusammenhängen, was deren implizite Repräsentation erklären würde: Eine auf Individualismus und Selbstverwirklichung abzielende Entwicklung ist egoistisch und wettbewerbsorientiert. Zumindest in den für die menschliche Evolution typischen Kleingruppen musste eine solche Orientierung unbewusst abgespeichert werden (Greenfield et al., 2003). Es leuchtet zunächst nicht ein, was das Bindungsmotiv mit Egoismus zu tun haben soll, da es doch auf zwischenmenschlichen Kontakt zielt. Wie wir sehen werden, lässt sich jedoch durchaus auch das Bindungsmotiv in die beiden universellen Entwicklungspfade einordnen.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort7
I Theoretische Einordnungen9
Betriebliche Gesundheitsförderung: Theorie und Praxis, Anspruch und Realität11
1. Einleitung11
2. Rechtliche Bestimmungen in Deutschland11
3. Theoretische und empirische Grundlagen14
4. Gesundheitspolitisches Rahmenprogramm: Die Ottawa- Charta17
5. Ablauf und Vorgehen bei betrieblicher Gesundheitsförderung19
6. Models of good practice20
7. Resümee: Aktuelle Handlungsbedingungen und zukünftige Aufgaben betrieblicher Gesundheitsförderung30
Arbeitsbezogene psychische Belastungen37
1. Schöne neue Arbeitswelt?37
2. Belastungs- und Stresskonzepte39
3. Auswirkungen von Belastungen49
4. Analyse, Bewertung und Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeit53
5. Ausblick56
Personenbezogene Gesundheits- interventionen. Beispiel Umgang mit Ärger63
1. Einleitung63
2. Personen- versus organisationsbezogene Gesundheitsinterventionen64
3. Auswirkungen von Ärger auf die Gesundheit65
4. Effizienter Umgang mit Ärger67
5. Integratives Ärgermodell68
6. Verfahren zur Modifikation psychischer Ärgerprozesse71
7. Vergleichsstudien und Meta-Analysen zu Ärgerinterventionen75
8. Möglichkeiten der Erweiterung primär personen- bezogener Ärgerinterventionen76
Organisationsbezogene Gesundheits- interventionen. Beispiel Gruppenarbeit85
1. Einleitung85
2. Gesundheitsförderung als Aufgabe menschengerechter Arbeitsgestaltung85
3. Gruppenarbeit als Strategie menschengerechter Arbeitsgestaltung87
4. Auswirkungen von Gruppenarbeit – eine Zwischen- bilanz94
5. Konsequenzen für die Gestaltung und Einführung von Gruppenarbeit98
II Psycho-soziale Belastungen107
Mobbing109
1. Einleitung109
2. Zur Definition und Abgrenzung von Mobbing109
3. Zur Prävalenz von Mobbing112
4. Ursachen von Mobbing114
5. Individuelle und organisationale Auswirkungen von Mobbing116
6. Bewältigung, Prävention und Intervention bei Mobbing117
Sexuelle Belästigung131
1. Einleitung131
2. Definition131
3. Prävalenz135
4. Ursachen der Problematik137
5. Folgen der Problematik138
6. Interventionskonzepte und -maßnahmen140
1. Einleitung149
2. Definition149
3. Prävalenz151
4. Ursachen153
5. Folgen der Gewalt155
6. Interventionskonzepte und -maßnahmen157
III Psycho-physische Belastungen169
Sportliche Aktivierung171
1. Einleitung171
2. Stellenwert und Zielsetzungen der sportlichen Aktivierung172
3. Programme und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung Erwachsener im Erwerbsalter durch sportliche Aktivierung182
4. Evaluationsforschung und Qualitätssicherung zu Maßnahmen der Gesundheitsförderung durch sportliche Aktivierung188
Erholungsdefizit199
1. Erholung „wovon“ und „wozu“?199
2. Phasenmodell der Erholung201
3. Formen und Bedingungen des Erholungsdefizits203
4. Folgen des Erholungsdefizits207
5. Maßnahmen der Erholungsintervention208
6. Betriebliche Gesundheitsförderung durch Bewegungs- pausen am Arbeitsplatz211
7. Implementierung der Bewegungspause am Arbeitsplatz216
IV Problem der Integration von Mitarbeitern mit Handicap221
Betriebliche Maßnahmen zur Integration von Mitarbeiter/ innen mit Handicap223
1. Einführung in die Problembereiche223
2. Definition und Abgrenzung224
3. Prävalenz, Ursachen und Folgen der Problematik225
4. Praxisbezogene Interventionskonzepte und Maßnahmen227
5. Fazit und Ausblick235
AutorInnen239

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