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Kooperative Umweltpolitik und nachhaltige Innovationen

Das Beispiel der chemischen Industrie

VerlagPhysica-Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl259 Seiten
ISBN9783790816617
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR

Dem vorliegenden Sammelband liegt die Ausgangsfrage zugrunde, welchen Beitrag Kooperationsformen zwischen Staat und Privaten im Rahmen der Umweltpolitik leisten können, um nachhaltige Innovationen in der Wirtschaft zu begünstigen. Die Beiträge befassen sich mit den Möglichkeiten und Grenzen kooperativer Umweltpolitik, mit den Einflussfaktoren auf nachhaltige Innovationen sowie mit den Potenzialen einer umweltorientierten Forschungspolitik als Komplement zur Umweltpolitik. Gegenstand der Untersuchungen ist die Chemische Industrie. Die Fragestellungen werden sowohl theoretisch auf der Grundlage neuerer Ansätze wie der Institutionenökonomik und der Evolutorischen Ökonomik als auch empirisch anhand von Fallstudien analysiert. Die Beiträge des Sammelbandes sind interdisziplinär ausgerichtet und vereinen verschiedene Ansätze aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

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Leseprobe

2 Theoretische Grundlagen und Kriterien umweltorientierter Forschungsförderung (S. 214-215)

Die Rechtfertigung umweltorientierter Forschungsförderung und die Entwicklung eines Kriterienkataloges für ihre Ausgestaltung soll anhand von zwei Blöcken theoretischer Grundlagen fundiert werden. Hierzu werden zum Einen aus Sicht traditioneller Ansätze, d.h. einer institutionenökonomisch erweiterten Neoklassik, die Theorie öffentlicher Güter und externer Effekte, die Ansätze der Unsicherheit und Risikoaversion sowie der Informationsasymmetrie und Kreditrationierung herangezogen.

Zum anderen werden Theoriebausteine der Evolutorischen Ökonomik behandelt. Aus einer Elementenperspektive werden die Konstitution von Wissen sowie das Unternehmerbild und die Unternehmensgröße betrachtet. Aus einer Prozessperspektive werden die Analogie des Variations-Selektions-Bewahrungs- Paradigmas, der Wettbewerb als Effizienzinstrument und als „Entdeckungsverfahren" und die Existenz bestehender technologischer Pfadabhängigkeiten einbezogen. Aus beiden Blöcken wird abschließend ein Kriterienkatalog für den Einsatz forschungspolitischer Instrumente entwickelt.

2.1 Theoretische Beiträge der traditionellen Theorie

2.1.1 Externalitäten und öffentliche Güter

Die öffentliche Finanzierung umweltorientierter Grundlagenforschung ist durch ihren Charakter als in großen Teilen öffentliches Gut unumstritten. Aufgrund der Nicht-Ausschließbarkeit profitieren alle Unternehmen von grundlagenorientierten Forschungsergebnissen. Daraus resultieren Anreize weniger zu forschen, als ein gesamtwirtschaftlich optimales Niveau an Grundlagenforschung erfordern würde. Darauf aufbauend lässt sich die staatliche Bereitstellung umweltorientierter Grundlagenforschung begründen. Auch bei anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung (FuE) von Umweltinnovationen ist eine vollkommene Zurechenbarkeit des entstehenden Nutzens nicht gegeben. Vielmehr lassen sich häufig positive Externalitäten vorfinden. Durch die FuE-Aktivitäten entstehen externe Erträge für Unternehmen, die die Erkenntnisse aus den Innovationen anderer Unternehmen für Imitationen oder Folgeinnovationen verwenden können, sich an den Kosten aber nicht beteiligen müssen. Als Politikempfehlung zur Lösung dieses Marktversagensproblems wird ein die Innovationsrenten zuweisendes Patentrecht angesehen.

Der Vorteil von Patenten ist, dass sie dem dualistischen Charakter der anwendungsorientierten Innovation Rechnung tragen: Einerseits wird die marktliche Verwertung des Privatgutanteils als Innovationsanreiz geschützt. Andererseits wird durch die Offenlegungspflicht im Patentrecht der öffentliche Gutsanteil zugänglich. Außerdem werden Lizenzabgaben sowie Umgehungsinnovationen und damit Wettbewerb im Sinne bestreitbarer Märkte ermöglicht. Darüber hinaus wird bei Umweltinnovationen auch von doppelten Externalitäten gesprochen.

Neben der positiven Externalität der Umweltinnovation existiert die negative Externalität der Umweltschädigung. Wenn das politisch durchsetzbare Niveau an umweltpolitischer Instrumentierung nicht ausreicht, um ausreichend Anreize zur Reduktion von Umweltbeeinträchtigungen zu setzen, werden Umweltschutzgüter in einem geringeren Umfang und Umweltverbrauch in höherem Maße nachgefragt. Aufgrund der fehlenden Nachfrage nach Umweltschutzgütern kommt es zu weniger Innovationsanreizen für Umweltinnovationen produzierende Unternehmen.

Ein aus einer Verknappung entstehender „market/demand pull" wird in diesem Fall nicht erreicht. Für die Rechtfertigung des Einsatzes umweltorientierter Forschungspolitik aus neoklassischer Perspektive prinzipiell gilt: Die positive Externalität sollte durch Patentrecht, die negative durch Umweltpolitik internalisiert werden. Einzig für Grundlagenforschung verbliebe die Instrumentierung beim Staat. Eine Förderung anwendungsorientierter Forschung lässt sich also nur bei unzureichender Instrumentierung der positiven und negativen Externalitäten begründen. Für den Instrumenteneinsatz gilt: Je eher FuE marktferne Grundlagenforschung ist, desto eher kann eine öffentliche Finanzierung begründet werden. Es ist sinnvoll, die Kosten der Förderung soweit zurechenbar angebotsseitig den Nutznießern und nachfrageseitig den Verursachern aufzuerlegen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
Abkürzungsverzeichnis10
Einleitung in die Problemstellung: Chemische Industrie, Nachhaltigkeit und Innovationen13
1 Einführung14
1.1 Charakteristika der Chemischen Industrie20
1.2 Der Begriff der Nachhaltigkeit24
1.3 Innovationen und Nachhaltigkeit27
1.4 Innovationstheorie und Umweltinnovationstheorie28
1.1 Überblick über den Forschungsstand41
1.2 Empirischer Untersuchungsrahmen43
1.3 Exkurs: Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen für den Umweltschutz seit den 1960er Jahren44
Umweltinnovationen – Untersuchung von Fallstudien bei der Bayer AG39
1 Fragestellung und Vorgehensweise40
1.1 Überblick über den Forschungsstand41
1.2 Empirischer Untersuchungsrahmen43
1.3 Exkurs: Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen für den Umweltschutz seit den 1960er Jahren44
2 Fallstudien bei der Bayer AG52
2.1 Die Gründung der Abwasserkommission im Jahr 190152
2.2 Einstellung der Bayer-Dünnsäureverklappung in die Nordsee60
2.3 Hohe-See-Verbrennung von chlorierten Kohlenwasserstoffen71
2.4 Entwicklung und Produktion des Komplexiermittels IDS76
2.5 Entwicklung und Produktion des Dispergiermittels Polyasparaginsäure86
2.1 Die Existenz und Bedeutung von Transaktionskosten113
2.2 Probleme des politischen Prozesses: Individuelle versus kollektive Rationalität121
2.3 Beschränkung und Erweiterung staatlicher Steuerungsfähigkeit127
2.4 Rationales Verhalten und Reziprozität133
2.5 Einordnung der theoretischen Ansätze und erstes Zwischenergebnis135
2.6 Ordnungspolitische Bewertung von Kooperation137
3 Zusammenfassung der Ergebnisse91
Kooperative Umweltpolitik: Theoretische Einordnung und empirische Fallstudien107
1 Kooperation: Eingrenzung des Gegenstandes109
2 Zur Einordnung und Begründung von Kooperation112
3 Typologie und Ausgestaltung von Kooperation139
3.1 Problemstruktur: zwischen Aufgaben- und Verteilungsorientierung141
3.2 Problemstruktur und Politikphasen144
3.3 Institutionelle Rahmenbedingungen147
3.4 Staatliche und nicht-staatliche Akteure: Ressourcen und Interessen147
3.5 Kooperationsformen149
3.6 Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für Kooperation151
3.7 Innovationswirkungen kooperativer Umweltpolitik152
4 Empirische Fallstudien kooperativer Chemikalienpolitik158
4.1 Entwicklung zum deutschen Chemikaliengesetz160
4.2 Das Beratergremium für umweltrelevante Altstoffe (BUA)162
4.3 Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)173
4.4 REACH – Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik178
4.5 Selbstverpflichtungen in der chemischen Industrie190
5 Zusammenfassung und Empfehlungen205
Möglichkeiten und Grenzen einer umweltorientierten Forschungspolitik223
1 Warum umweltorientierte Forschungspolitik?225
2 Theoretische Grundlagen und Kriterien umweltorientierter Forschungsförderung226
2.1 Theoretische Beiträge der traditionellen Theorie226
2.2 Theoretische Beiträge der Evolutorischen Ökonomik229
2.3 Kriterien zur Ausgestaltung umweltorientierter Forschungspolitik237
3 Die Betrachtung der Förderpraxis239
3.1 Die Entwicklung umweltorientierter Forschungspolitik239
3.2 Besonderheiten der Forschungsförderung in der chemischen Industrie244
3.3 Projektförderung in der Chemischen Industrie 1998-2002246
4 Ansatzpunkte zu einer Neuorientierung der umweltorientierten Forschungspolitik248
4.1 Betrachtete Instrumententypen248
4.2 Direkt-spezifische Projektförderung249
4.3 Institutionelle Förderung251
4.4 Indirekte Förderung252
5 Zusammenfassung und Empfehlungen254
Zusammenfassung der Ergebnisse261
Mitarbeiterverzeichnis271

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