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Portfolio-Arbeit am Berufskolleg: Theorie und Praxis im Unterricht für Mediengestalter

AutorDietmar Bous
VerlagBachelor + Master Publishing
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl85 Seiten
ISBN9783956845031
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Je nach Betriebszugehörigkeit und persönlichem Interesse haben sich zukünftige Mediengestalter unterschiedlich mit der Technik und Theorie von Gestaltung auseinandergesetzt. Die Fähigkeit, Gestaltungsqualität nach Vorstellung des Auftraggebers und weniger nach eigenem Geschmack zu beurteilen, ist daher unterschiedlich stark ausgeprägt. In diesem Zusammenhang ist es dem Autor wichtig, die Schüler für Gestaltungskriterien zu sensibilisieren und sie von der Auffassung zu lösen, es gehe in diesem fachlichen Kontext vornehmlich um den guten Geschmack. Die Lernenden nach ihren subjektiven Geschmackskriterien arbeiten zu lassen ist zunächst einfach, jedoch fehlt den Schülern hierbei die nötige kreative, kritische und selbstständig problementdeckende Auseinandersetzung mit ihrem Vorgehen. Während der Auseinandersetzung mit dem Portfolio-Konzept erscheint dies dem Autor ein geeignetes Hilfsmittel zu sein, mit dem sich die Besonderheiten kreativer Arbeit erlernen und begreifbar nachvollziehen lassen.

Dietmar Bous wurde 1971 in Münster geboren. Nach seiner Ausbildung zum Druckformhersteller und seinem Grafik-Design Studium arbeitete er mehrere Jahre als freiberuflicher und angestellter Artdirector in der Print- und Internetbrange in Düsseldorf und Berl

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Leseprobe
Textprobe: Kapitel 3.1, Beispiel zur Durchführung einer Unterrichtseinheit mit dem Portfolio-Konzept: 3.1.1, Ausgangslage und Vorüberlegungen zur Durchführung: Insgesamt ist festzustellen, dass Portfolioarbeit an beruflichen Schulen nicht so verbreitet ist, wie man es angesichts der projektorientierten Lernform, handlungsorientierter Didaktik und späterer beruflicher Erfordernisse erwarten könnte. Die Arbeit mit Portfolios findet gegenwärtig vor allem im Bereich allgemeinbildender Schulen wie Primar- und Sekundarstufe I und II sowie der Hochschul- und Referendariatsausbildung große Aufmerksamkeit. Hierauf bezieht sich auch die gegenwärtige Literatur mit zahlreichen Unterrichtsvorschlägen für den Portfolioeinsatz. Praktische Anregungen für die Arbeit mit Portfolios im Unterricht an Berufsschulen lassen sich derzeit kaum finden. Konzepte und Studien zum Einsatz von Portfolios in der Berufsausbildung fehlen weitgehend, sodass die Potenziale von Portfolio-Arbeit für eine selbstbewusste und selbstbestimmte Gestaltung beruflichen Lernens bisher ungenutzt bleiben. Vor allem im gestaltungstechnischen Bereich gibt es keine veröffentlichten praktischen Erprobungsansätze zur Portfolio-Arbeit im Unterricht. Der nachfolgend vorgestellte Unterrichtsentwurf möchte, basierend auf der theoretischen Vorarbeit, dazu beitragen, den Einsatz von Portfolio-Arbeit im Berufsschulkontext, speziell im gestaltungstechnischen Unterricht für Mediengestalter, voranzutreiben und dafür Anregungen bereitstellen. Ferner soll deutlich werden, dass mit der Portfolio-Arbeit dem Bildungsauftrag der Berufsschule und damit dem Rahmenlehrplan sehr gut entsprochen werden kann, denn sie ist ideal geeignet um damit auf unterschiedliche Begabungen der Schüler einzugehen und diese entsprechend zu fördern. Das erarbeitete Themengebiet wird mit dem Portfolio-Konzept im Gestaltungstechnikunterricht für den Ausbildungsberuf des Mediengestalters Digital und Print im zweiten Ausbildungsjahr ausgeführt. Hierbei handelt es sich um eine exemplarisch imaginäre aber dennoch möglichst realitätsgetreu dargestellte Ausführung, welche bei einer praktischen Umsetzung den gegebenen Lerngruppen und Rahmenbedingungen angeglichen werden müsste. 3.1.2, Unterrichtsgegenstand: Die zentrale Thematik der geplanten Unterrichtseinheit im Fach Gestaltungstechnik für Mediengestalter Digital und Print basiert auf dem Lernfeld 9 mit dem Titel 'Logos entwi-ckeln und Corporate Design umsetzen', welches für das 2. Ausbildungsjahr mit einem Zeitrichtwert von 80 Stunden angesetzt ist (Anhang 1). Aufgrund seiner Komplexität und des zeitlichen Rahmens eignet sich dieses Lernfeld gut zur eigenständigen Bearbeitung. Außerdem können bereits erworbene grundlegende Kenntnisse und Erfahrungen aus Betrieb und Schule mit in den Unterricht einfließen. Die Erarbeitung des Themas erfolgt handlungsorientiert durch die Schüler, indem diese anhand einer Lernsituation in Form eines Briefings mit Kundenauftrag (Anlage 2) den Prozess der Logogestaltung planen, durchführen und auswerten. 3.1.3, Sachanalyse: Ziel des Lernfeldes 9 ist es ein Logo zielgruppenorientiert zu konzipieren, zu entwerfen und darauf selbst entwickelte Bewertungskriterien anzuwenden. Die Schüler analysieren Logos im Hinblick auf Zeichenarten und unterschiedliche Anwendungsgebiete und leiten daraus Grundlagen für ihre eigene Gestaltung ab. Dabei entwickeln sie Gestaltungskriterien und legen ihre umgesetzten Richtlinien in einem Corporate Design fest. Sie werten Kundenvorgaben aus, analysieren Erscheinungsbilder und wenden Wahrnehmungs- und Wirkungszusammenhänge an. Im berufsbezogenen Lernbereich werden die Grundlagen der Grafikgestaltung vermittelt. Anhand einer entsprechenden Lernsituation erwerben die Schüler Kenntnisse aus den Themenkomplexen der Wahrnehmung, Kommunikations- und Zeichentheorie, Gestaltungselemente und Kreativität. Sie klären die Aufgaben und Funktionalität eines Logos und wie es folglich als visuelles Zeichen gestaltet sein muss. Symbolhafte Bildzeichen werden entsprechend ihrer Kommunikationsziele durchdacht, Zielgruppen erarbeitet, Produkte von Mitbewerbern verglichen und Briefings auf Ist- und Sollzustand analysiert. Die Bedeutung von Grundelementen der grafischen Formgestaltung wird ebenso erarbeitet wie die Wirkungsweisen einzelner Schriftklassifikationen. Kreativtechniken zur Ideenfindung, die Rolle im Kreativteam und schließlich die kreative Visualisierung werden in ihren Einzelheiten von den Schülern untersucht und umgesetzt. Im fremdsprachlichen Unterricht werden Kundenkorrespondenz und -briefings übersetzt und ihre wesentlichen Aussagen mündlich und schriftlich erfasst. Darüber hinaus diskutieren die Schüler die Übertragbarkeit verschiedener Konzeptionen auf andere Länder und erwerben entsprechendes Fachvokabular. Im Fach Wirtschafts- und Betriebslehre werden die Grundlagen des Medienrechts im Besonderen die des Urheber- und Markenrechts vermittelt und dargelegt wie sie vertreten werden. Die Schüler lernen zu prüfen, ob ein Logo die Merkmale einer Marke erfüllt und welche Verwertungsrechte der Urheber hat. Im berufsübergreifenden Lernbereich wird im Fach Deutsch/Kommunikation das Beratungsgespräch als wichtiges Instrument der Kundenbindung eingesetzt. Dazu werden die Merkmale des aktiven Zuhörens vermittelt und im Rahmen der Bedarfsermittlung eingesetzt, Angebote kundenorientiert präsentiert und der Kundennutzen verdeutlicht. Auch angemessene Motivations-, Argumentations- und Rhetorikstrategien werden im Rahmen der Projektabwicklung eingesetzt. Dabei lernen die Schüler eine eigene Stellung zu beziehen ohne die divergierenden Sichtweisen anderer aus dem Auge zu verlieren, diese sachlich zu erörtern, mit Argumenten zu begründen, respektvoll zu kritisieren, unterschiedliche Feedbacktechniken anzuwenden und ihre Vortragsweise inhaltlich und visuell zu optimieren. Mit Hilfe geeigneter Lehrbücher und Fachliteratur, sowie durch Internet- und Multimediarecherche, sollen die Schüler diese Pflichtbereiche eigenständig erarbeiten. Darüber hinaus erhalten sie die Möglichkeit fakultative Inhalte, die ihren persönlichen Interessen entsprechen, zu bearbeiten. Die Schüler präsentieren abschließend ihre Portfolio-Arbeit und vertreten ihre Gestaltungsideen argumentativ vor ihren Mitschülern und Lehrern. 3.1.4, Darstellung der Lerngruppe: Die Klasse der Mediengestalter Digital und Print setzt sich aus 18 Schülern zusammen, welche wöchentlich zweimal am Berufschulunterricht teilnehmen und die restliche Woche im Ausbildungsbetrieb arbeiten. 16 Schüler haben den Realschulabschluss, zwei Schüler die Hochschulreife. Der überwiegende Teil der Schüler gestaltet den Unterricht aktiv mit, was sich darin zeigt, dass sie Lernaufgaben selbst durchführen möchten. Den Schülern ist die Verwertbarkeit der vermittelten theoretischen Inhalte für das spätere praktische Handeln bewusst. Sie wissen bereits, dass die Praxis viele Probleme bereitstellt, die theoretisch erst gelöst werden müssen. Die Mitarbeit der Schüler hängt jedoch maßgeblich davon ab, welchen direkten Bezug das Unterrichtsthema zur Arbeitswelt der Schüler hat. Unterrichtsthemen mit Erfahrungs- und Lebensbezug werden stärker akzeptiert als Themen, deren Lerninhalte keinen unmittelbaren Bezug zur Arbeitswelt der Schüler haben oder deren Sinn sie nicht deuten können. Das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft zur aktiven Unterrichtsgestaltung ist allerdings nur bei zehn Schülern stärker ausgeprägt. Jedoch bestehen auch bei diesen Unterschiede in der Qualität ihrer gelieferten Beiträge. Diese schwankende Bereitschaft zur Unterrichtsgestaltung resultiert aus Wissenslücken und fehlender Methodenkompetenz. Viele der Schüler sind nicht in der Lage über einen längeren Zeitraum konzentriert am Unterricht teilzunehmen. Die Schüler besitzen unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit. So befinden sich in dieser Klasse einige sehr gute Schüler, deren herausragendes fachpraktisches Verständnis oftmals in den Unterricht einfließt. Aufgrund ihrer schulischen und betrieblichen Erfahrung und ihrem Vorwissen sind die Schüler in der Lage, ein Thema in Form einer komplexen Lernaufgabe zu bearbeiten. Der Umgang mit der Portfolio-Arbeit ist ihnen jedoch weitgehend unbekannt. Hervorzuheben ist, dass die meisten Schüler beim Verstehen von Aufgabenstellungen eher unsicher und langsam sind, was zur Folge hat, dass Lerninhalte gut strukturiert und verständlich formuliert werden müssen. Insgesamt kann die Lerngruppe als ausgeglichen hinsichtlich ihres sozialen Verhaltens bezeichnet werden. Der Umgang der Schüler sowohl untereinander als auch mit den Lehrkräften ist im Allgemeinen durch einen freundlichen Umgangston geprägt, was zu dem insgesamt positiven Arbeitsklima beiträgt.
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