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E-Book

Ratgeber Magersucht

Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher

AutorDagmar Pauli, Hans-Christoph Steinhausen
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl79 Seiten
ISBN9783840919190
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Anorexia nervosa ist eine schwerwiegende Erkrankung mit gravierenden körperlichen und psychischen Auswirkungen. Das frühzeitige Erkennen einer Magersucht ermöglicht eine effektive und nachhaltige Behandlung und verbessert die Heilungschancen. Der Ratgeber informiert über Ursachen, Erscheinungsbild und Behandlungsmöglichkeiten.

Er wendet sich an Jugendliche, die an Magersucht leiden sowie an ihre Eltern und andere Bezugspersonen. Der Ratgeber soll dabei helfen, eine beginnende Essstörung rechtzeitig zu erkennen und gemeinsam zu bewältigen. Er liefert konkrete Hinweise und Ratschläge, wie jugendliche Betroffene sich aus dem Teufelskreis der Magersucht befreien und welche Unterstützung ihnen dabei Eltern oder andere Bezugspersonen geben können.

Die Autoren

Dr. med. Dagmar Pauli, geb. 1963. Seit 1999 Oberärztin an der Poliklinik des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich und Leiterin der Sprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen.

Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen, geb. 1943. Seit 1987 Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich. 

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt und Zielsetzung des Ratgebers
  2. 1 Kennen Sie das?
  3. 2 Woran erkenne ich, dass ein Kind oder eine Jugendliche anorektisch (magersüchtig) ist?
  4. 3 Welche und wie viele Menschen sind betroffen?
  5. 4 Welche Probleme treten häufig zusätzlich auf?
  6. 5 Welche körperlichen Folgeerscheinungen entstehen durch Anorexie (Magersucht)?
  7. 6 In welchen Teufelskreis geraten Betroffene?
  8. 7 Was sind die Ursachen für Anorexie (Magersucht)?
  9. 8 Welche anderen Störungen müssen ausgeschlossen werden?
  10. 9 Wie verläuft die weitere Entwicklung?
  11. 10 Wie wird Anorexie (Magersucht) behandelt?
  12. 11 Woran erkenne ich eine Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und wie wird sie behandelt?
  13. 12 Meine Magersucht und ich – Denkanstöße für Betroffene
  14. 13 Was kann man tun?
  15. 14 Gibt es noch weitere Hilfen?
  16. Weiterführende Literatur und Beratungsstellen, spezialisierte Fachstellen und Fachkliniken sowie Informationen über Essstörungen im Internet
Leseprobe
11 Woran erkenne ich eine Bulimie (Ess-Brech- Sucht) und wie wird sie behandelt? (S. 54-55)

Anorexie und Bulimie sind nah miteinander verwandt. Nicht selten kann eine Magersucht in eine Bulimie übergehen, wenn eine Betroffene ihr eigenes Hungerregime nicht mehr ertragen kann und in plötzlichen Durchbrüchen anfallsartig zu Essen beginnt.

Umgekehrt kann auch eine Bulimie in eine Anorexie übergehen. Es gibt auch Mischformen, wobei die Betroffenen gleichzeitig Merkmale sowohl der einen als auch der anderen Krankheit haben. Nicht wenige Erkrankte pendeln zwischen magersüchtigen und bulimischen Phasen hin und her. Aus diesem Grund möchten wir im folgenden Kapitel die wichtigsten Informationen zur Bulimie zusammenfassen.

Als Bulimie wird die Kombination von so genannten Essattacken und anschließendem Erbrechen bezeichnet. Das Krankheitsbild ist voll ausgeprägt, wenn diese Attacken über einen längeren Zeitraum hinweg mindestens dreimal pro Woche auftreten. Bei vielen Betroffenen steigert sich die Häufigkeit jedoch bis hin zu täglich mehrmaligem Erbrechen. Auch bei der Bulimie besteht wie bei der Anorexie zu Beginn der Erkrankung sehr häufig der Wunsch nach einem schlankeren Körper, weshalb die Betroffenen mittels Diäten oder radikalem Hungern abzunehmen versuchen.

Durch das ständige Hungern sind die Betroffenen aber in ihren Gedanken andauernd und in übertriebener Weise mit Essen beschäftigt. Es entsteht ein Heißhungergefühl, dem sie auf Dauer nicht widerstehen können.

Werden sie dann schließlich von diesem Heißhunger überwältigt, so stopfen sie riesige Mengen von Nahrungsmitteln in sich hinein, vorzugsweise kalorienhaltige Speisen wie Chips oder Süßigkeiten, welche sie sich in ihrem Hungerregime eigentlich streng verboten haben. Bis zu mehreren tausend Kilokalorien können die Betroffenen bei diesen Essanfällen zu sich nehmen. Während dieser Essattacken empfinden die an einer Bulimie Leidenden einen regelrechten Kontrollverlust, d. h. sie können bei bestem Willen nicht mehr aufhören zu essen. Anschließend haben sie den Drang, diese riesige Nahrungsmenge unbedingt und sofort wieder aus ihrem Körper entfernen zu müssen, indem sie das Essen willentlich erbrechen oder mit Hilfe von Abführmitteln ausscheiden. Manche junge Menschen mit Bulimie bereiten sich auf die Essanfälle vor, indem sie große Einkäufe von Nahrungsmittel tätigen oder Nahrungsmittel in einem Versteck horten.

Typischerweise sind Essattacken mit Erbrechen für die betroffenen Menschen sehr schambesetzt, sie ekeln sich vor sich selbst und schämen sich vor ihrer Umwelt. Aus diesem Grunde versuchen sie die Krankheit möglichst geheim zu halten. Da das Körpergewicht meist im normalen Bereich bleibt, bemerken die Familienmitglieder häufig lange Zeit nichts von der Bulimie. Es gibt viele Betroffene, die gar nicht oder erst nach langer Krankheit den Mut zu einer Behandlung finden.

Eine Bulimie kann vielfältige körperliche Schäden verursachen, die im Wesentlichen denjenigen entsprechen, die im Kapitel 5 für die Magersucht beschrieben wurden. Die unsachgemäße, unregelmäßige Ernährung sowie das ständige Erbrechen entsprechen einem Raubbau am eigenen Körper. Besonders hervorzuheben sind die Störungen der Blutsalze (Elektrolyte), welche durch das Erbrechen verursacht werden, insbesondere die Hypokaliämie (zu niedriger Kaliumwert im Blut), welche lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zur Folge haben kann. Häufig sind auch Zahnschäden durch das ständige Heraufwürgen von Magensäure vorhanden. Obwohl das Körpergewicht bei Bulimie meist noch im normalen Bereich liegt, treten durch die unregelmäßige Ernährung nicht selten extreme Schwankungen auf. Der Körper kann auch bei einem Gewicht im normalen Bereich Mangelerscheinungen zeigen. So leiden die meisten jungen Frauen mit Bulimie ebenso wie diejenigen mit Anorexie an einer Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation) und es kann ebenfalls zum Knochenabbau (Osteoporose) kommen.
Inhaltsverzeichnis
Zielsetzung des Ratgebers6
Inhalt8
1 Kennen Sie das?10
2 Woran erkenne ich, dass ein Kind oder eine Jugendliche anorektisch (magersüchtig) ist?12
3 Welche und wie viele Menschen sind betroffen?17
4 Welche Probleme treten häufig zusätzlich auf?20
5 Welche körperlichen Folgeerscheinungen entstehen durch Anorexie (Magersucht)?22
6 In welchen Teufelskreis geraten Betroffene?26
7 Was sind die Ursachen für Anorexie (Magersucht)?28
Psychologische Faktoren29
Familiäre Faktoren31
Biologische Faktoren35
Gesellschaftliche Faktoren36
Vorbilder in der unmittelbaren Umgebung39
Lebensgeschichtliche Ereignisse40
Körperliche und psychische Folgen der Unterernährung41
8 Welche anderen Störungen müssen ausgeschlossen werden?42
9 Wie verläuft die weitere Entwicklung?43
10 Wie wird Anorexie (Magersucht) behandelt?45
Ambulante Behandlung45
Stationäre Behandlung51
Tageskliniken54
11 Woran erkenne ich eine Bulimie (Ess-Brech- Sucht) und wie wird sie behandelt?55
12 Meine Magersucht und ich – Denkanstöße für Betroffene58
„Warum versteht mich niemand?“58
„Ich kann nicht essen, auch wenn ich will“59
„Was bringt mir meine Magersucht?“60
„Wenn ich nur nicht so fett wäre…“61
„Weil die Erwachsenen mich kontrollieren, muss ich sie täuschen …“62
„Ich mag wirklich keine Pommes frites!“62
„Werde ich (wieder) dick, wenn ich nicht mehr magersüchtig bin oder wenn ich nicht mehr erbreche?“63
13 Was kann man tun?64
Was können Sie als Eltern tun?64
Was können Lehrerinnen und Lehrer tun?68
Was können Sporttrainerinnen und Sporttrainer tun?69
Wie können sich betroffene Jugendliche selbst helfen?70
14 Gibt es noch weitere Hilfen?71
Weiterführende Literatur72
Anhang73
Beratungsstellen, spezialisierte Fachstellen und Fachkliniken73
Informationen über Essstörungen im Internet73

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