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E-Book

Zeitstrategien in Innovationsprozessen

Neue Konzepte einer nachhaltigen Mobilität

AutorKurt Weis
VerlagDUV Deutscher Universitäts-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl222 Seiten
ISBN9783835091610
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis46,99 EUR
Die Autoren untersuchen theoretisch die Zeitlandschaften und die vielfach unterstellten Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie. Anschließend analysieren sie (individuelle) Zeitorientierungen und stellen Visionen einer umweltgerechten Mobilität vor. Eine zeitstrategische Studie konkreter Innovationsprojekte zeigt auf, welche Barrieren regelmäßig zum Scheitern von Innovationen führen und wie sie überwunden werden können. Aus den Ergebnissen lassen sich Schlussfolgerungen zur Gestaltung des gesellschaftlichen Innovationsprojektes 'Nachhaltige Mobilität' ableiten.

Prof. Dr. iur. Kurt Weis (S.J.D. Harvard) war Leiter des Fachgebiets Soziologie der Technischen Universität München. Seit 1992 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

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Leseprobe
Zur Einführung: Nachhaltigkeit und Zeit – ein gesellschaftliches Innovationsprojekt am Beispiel „Mobilität" (S. 1)

Michael Schneider

1 Vom Schicksal großer Ideen

„Wenn ein bedeutender Mann eine Idee in die Welt setzt, so wird sie sogleich von einem Verteilungsvorgang ergriffen, der aus Zuneigung und Abneigung besteht, zunächst reißen die Bewunderer große Fetzen heraus, so wie sie ihnen passen, und verzerren ihren Meister wie die Füchse das Aas, dann vernichten die Gegner die schwachen Stellen, und über kurz bleibt von keiner Leistung mehr übrig als ein Aphorismenvorrat, aus dem sich Freund und Feind, wie es ihnen paßt, bedienen. Die Folge ist eine allgemeine Vieldeutigkeit. Es gibt kein Ja, an dem nicht ein Nein hinge."

Robert Musil: „Der Mann ohne Eigenschaften", aus: „85. General Stumms Bemühung, Ordnung in den Zivilverstand zu bringen"

Eine solche Idee ist „Nachhaltigkeit". Lässt sich unsere Mobilität nachhaltig gestalten? Den Anfang des Nachhaltigkeits-Konzeptes markiert der 1987 erschienene Brundtland-Bericht, der für eine neue Art steht, globale Probleme zu sehen und auch praktisch anzugehen: Ökologische, aber auch die weltweit wachsenden Armutsprobleme werden als „Teil einer einzigen Krise" (Hauff, 1987, S. 4) wahrgenommen, und das Nachhaltigkeitsprinzip sollte nicht länger als bloße „regulative Idee" oder moralphilosophische Debatte eine Rolle spielen.

Vielmehr stellt Nachhaltigkeit eine optimistische Antwort auf diese Krise dar – eine Antwort, die verspricht, Probleme der intra- und intergenerationalen Gerechtigkeit zu lösen: Durch „nachhaltiges Wirtschaften" lassen sich unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft sichern und befriedigende Lebensbedingungen für alle Menschen schaffen.

Eine Idee, die beansprucht, solches zu leisten, muss auch im Sinne Robert Musils als wahrhaft groß verstanden werden. Entsprechend ist auch mit obigem „Verteilungsvorgang" und mit „allgemeiner Vieldeutigkeit" zu rechnen. In der Tat besteht seit nunmehr fast 20 Jahren mit Blick auf so generelle Prinzipien wie „intergenerationale Gerechtigkeit" zwar ein relativ breiter Konsens, und es gibt wohl kaum einen gesellschaftlichen oder politischen Akteur, der sich nicht einen „großen Fetzen" davon herausgerissen hätte.

Über alle konkreteren und stärker auf die Umsetzung bezogenen Schlussfolgerungen aus dem „nachhaltigen Wirtschaften" herrscht aber das Prinzip „Zuneigung und Abneigung", womit sich zahlreiche Konfliktfelder öffnen und die zu lösenden Probleme sich im Grunde bis heute haben trefflich vertagen oder aussitzen lassen.

Konzilianter ausgedrückt: „Diese Konzepte [einer nachhaltigen Wirtschaftsweise] formulieren sehr anspruchsvolle Forderungen und Ambitionen, die gesellschaftliche und politische Akteure vor neuartige Herausforderungen stellen." (Beschorner et al., 2005, S. 20)

Bei der Umsetzung komme es nämlich in besonderer Weise ebenso auf neue Formen der Partizipation an, wie auch neue Konsum- und Produktionsmuster seitens der Verbraucher bzw. der Privatwirtschaft unverzichtbar seien, schließlich sei Nachhaltigkeit „in hohem Maße auf Innovationen und gesellschaftliche Lernprozesse in den verschiedensten Bereichen angewiesen" (a.a.O., S. 21, Hervorh. im Orig.)

Mit mehr „Innovation" und „Partizipation", mit neuen „integrierten" und „effizienteren" Produktionsprozessen und veränderten Verbrauchsgewohnheiten sind bereits zentrale Strategien der Umsetzung von Nachhaltigkeit benannt – Strategien, bei denen sich im Übrigen auch trefflich zwischen „Freund und Feind" unterscheiden lässt.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort6
Vorwort8
Inhalt12
Zur Einführung: Nachhaltigkeit und Zeit – ein gesellschaftliches Innovationsprojekt am Beispiel „Mobilität“16
1 Vom Schicksal großer Ideen16
2 Nachhaltige Mobilität, Innovation und Zeit18
3 Mobilität in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit21
4 Realexperimente – Innovationsprozesse in der Zeit32
Teil I: Zeitlandschaften – Zeiten der Natur, Wirtschaft und Gesellschaft38
Einleitung38
1 Die „Kategorie“ Zeit41
2 Konzepte von Be- und Entschleunigung45
3 Zeiten der Wirtschaft und der Natur – Konflikte und Synergien59
4 Auf dem Weg zur nachhaltigen Innovationspolitik?83
Teil II: Empirische Ergebnisse – von Visionen zu Projekten90
Innovationen für eine umweltgerechte Mobilität – die Visionen von Mobilitätsexperten94
1 Wie konstruieren Experten die umweltgerechte Mobilität der Zukunft?94
2 Vorgehensweise und Forschungsfragen98
3 Zukunftskonstruktionen einer umweltgerechten Mobilität – Visionen, Barrieren und Behinderer101
4 Blick durch die „Zeit-Lupe“133
5 Zusammenfassung, Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen154
Zeitliche Merkmale von Innovationsprozessen und Projektverläufen – Ansatzpunkte für ein besseres Projektmanagement176
1 Von langen und kurzen Zeiten177
2 Vom linearen zum rekursiven Modell des Projektverlaufs179
3 Von der Problemfindung zur Routine und wieder zurück?182
4 Vom Förderlichen und Hinderlichen zu den Höhen und Tiefen im Projektverlauf183
5 Von Ereignissen, die zur Umkehr und Besinnung zwingen189
6 Von innovativen und nicht-innovativen – von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Projekten191
7 Vom Modell zurück in die Praxis193
Teil III: Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Innovationsprojekt195
Von Einzelprojekten zum gesellschaftlichen Projekt „Nachhaltige Mobilität“196
1 Die Phase der „Problemfindung“: Nachhaltigkeit wozu?199
2 Die Phase der „Ideengenerierung“: Das Wie zur Nachhaltigkeit208
3 Die Phase der „Meinungsbildung und Entscheidung“: Wie nachhaltig ist nachhaltig?212
4 Die Phase der „Initiierung und Umsetzung“: Und was sagt die Wirklichkeit?216
5 Die Phase der „Implementation“: Wer „nutzt“ Nachhaltigkeit?218
6 Die Phase der „Routine“: Nachhaltigkeit als „politische Verquasselung“?222
7 Schluss: Vom Innovationsprojekt zum Geldbeutel?226
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren228
Literatur230

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