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E-Book

Erste Hilfe am Hund

Im Notfall richtig handeln

AutorImke Niewöhner
VerlagCadmos Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl80 Seiten
ISBN9783840461859
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis3,99 EUR
Ob beim ausgelassenen Toben, beim Hundesport oder dem täglichen Spaziergang: Es kann jederzeit geschehen, dass ein Hund sich verletzt oder in eine Notlage gerät, in der er schnell Hilfe braucht. Wer die nötigen Handgriffe und Maßnahmen kennt, die dann erforderlich sind, und seinem Hund helfen kann, ohne in Panik zu geraten, rettet ihm vielleicht das Leben. Ein Hund kann jederzeit, völlig unerwartet, in eine Gefahrensituation oder Notlage kommen, in der es für ihn vielleicht die einzige Rettung bedeutet, dass sein Besitzer weiß, was zu tun ist, und ihm helfen kann. In diesem Buch erfährt der Leser daher, wie er die Notfallarten beim Hund - von absolut über dringend bis schwer - richtig erkennen und einstufen kann und wie er jeweils darauf reagieren muss. Er wird über die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen informiert: von der Prüfung der Vitalwerte des Hundes bis zur Reanimation bei Kreislaufversagen. Das wichtige Thema Vergiftungen kommt ebenso zur Sprache wie das Erkennen von organischen Erkrankungen. Ein praktisches Symptomregister zum raschen Nachschlagen sowie Tipps zur Ausstattung der Notfallapotheke runden das Buch ab. Die detaillierte Beschreibung und die vielen anschaulichen Fotos, die unter anderem zeigen, wie Verbände fachgerecht angelegt werden, machen dieses Buch zu einem wertvollen Ratgeber für alle Hundebesitzer, die im Notfall richtig handeln möchten.

Imke Niewöhner ist Tierärztin mit den Schwerpunkten Verhaltenstherapie und Chiropraktik. Sie besucht fortlaufend qualifizierte Seminare, unter anderem an der Akademie für Tierärztliche Fortbildung, und erfüllt die Auflagen für die Zusatzbezeichnung 'Verhaltenstherapie'. Sie ist berechtigt, die Sachkundeprüfung im Rahmen des Hundegesetzes Niedersachsen abzunehmen. Imke Niewöhner hat diverse Bücher, Fachartikel und DVDs zu verschiedenen Hundethemen verfasst und ist eine national und international gefragte Seminarreferentin.

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Leseprobe

Als Erste Hilfe werden Maßnahmen bezeichnet, die von einem Laienhelfer durchgeführt werden können, um bei einem medizinischen Notfall die akute Gefährdung durch Gesundheitsstörungen zu überbrücken, bis professionelle Hilfe gegeben ist.

Beispiele für Erste-Hilfe-Maßnahmen sind:

Sicherung der Vitalfunktionen: Falls kein tastbarer Puls und keine Atmung vorhanden sind, sollten abwechselnd Herzdruckmassage und Beatmung durchgeführt werden.

Lagerung des nicht akut lebensgefährdeten Notfallpatienten, stabile Seitenlage

Versuch, starke Blutung zu stillen (Wunde verbinden, drücken)

Weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel den Notfallpatienten mit Rettungsdecke vor Kälte schützen

Wichtige Grundlagen, erste Schritte

Ruhe bewahren

In einem Notfall sind Hektik und Panik unangebracht, deswegen gilt: Ruhe bewahren und den eigenen Schrecken überwinden. Anschließend ist es wichtig, ruhig und überlegt zu handeln.

Vermeiden Sie zusätzlichen Schaden und hindern Sie den Hund unbedingt am Weglaufen. In Panik und Schmerz ist ein Hund oft nicht berechenbar und teilweise orientierungslos.

Ruhe ist für ein Tier in Schmerz und Panik besonders wichtig. Sprechen Sie ruhig und leise, vermeiden Sie direkten Augenkontakt.

Versuchen Sie, sich zu erinnern: In welcher Reihenfolge gehe ich vor? Was habe ich gelesen/gelernt? Habe ich Hilfe zur Verfügung, wo ist der nächste Tierarzt?

Anlegen von Maulkorb oder Maulschlinge zum eigenen Schutz

Ein wichtiger Faktor, der vor allem am eigenen Tier oft vergessen und unterschätzt wird, ist die eigene Sicherheit. Verletzte, panische Tiere können beißen. Damit rechnet man als Tierhalter selten, das Vertrauen in den eigenen Hund ist oft sehr groß. Dennoch sollten Sie unbedingt zur eigenen Sicherheit dem Hund einen Maulkorb oder eine Maulschlinge anlegen.

1  Zum Anlegen einer Maulschlinge wird zunächst eine Schlaufe vorgefertigt.

2  Die Schlaufe wird um das Maul des Hundes gelegt, mit dem Knoten nach oben.

3  Die Bindenenden unter dem Kinn des Hundes überkreuzen …

4  … und hinter den Kopf des Hundes führen.

5  Zum Schluss die Enden zubinden.

6  Eine korrekt angelegte Maulschlinge.

Für Hunde, die eine gute Maulkorbgewöhnung genossen haben, ist der Maulkorb keineswegs unangenehm und kann in vielen Situationen eine Hilfe sein. Ich halte eine Maulkorbgewöhnung für einen sehr wichtigen Trainingsteil im Leben eines Hundes. Im Anhang finden Sie einen Trainingsplan, wie man einen Hund freundlich so an einen Maulkorb gewöhnt, dass er diesen ohne Stress tragen kann.

Wenn kein passender Maulkorb zur Verfügung steht, wird eine Maulschlinge angelegt. Dies kann mit einer sehr breiten Mullbilde (auf keinen Fall eine dünnere, diese schneiden ein) geschehen.

Gehen Sie dazu in folgenden Schritten vor:

1.  Vorfertigen einer Schlaufe

2.  Umlegen der Schlaufe um das Maul des Hundes, Knoten oben

3.  Bindenenden unter dem Kinn des Hundes überkreuzen und hinter den Kopf führen

4.  Zubinden der Enden

Fixation des Hundes

Stellen Sie sicher, dass für den Hund das Flüchten unmöglich ist. Am besten wird er angeleint, wenn Sie sicher sind, dass seine Wirbelsäule unverletzt ist.

Der Hund sollte unbedingt fixiert werden, wenn Sie ihn untersuchen. Am optimalsten funktioniert das mit einem Helfer. Sollten Sie am Unfallort allein sein, müssen Sie versuchen, den Hund zu fixieren und gleichzeitig zu untersuchen.

Fixation am stehenden Tier

Umfassen Sie mit einem Arm den Bauch des Hundes vor den Hinterbeinen und den Kopf-/Halsbereich mit Ihrem anderen Arm. Drücken Sie den Hund an Ihren Oberkörper. Ruhige Tiere lassen sich so meist gut untersuchen.


ACHTUNG!

Wenn der Hund erbrochen hat oder Maul und/oder Nase verletzt sind oder der Hund Atemnot zeigt, darf keine Maulschlinge angelegt werden! Vorsicht ist ebenfalls bei extrem kurznasigen Rassen angesagt.

Um einen stehenden Hund zu fixieren, umfassen Sie mit einem Arm seinen Bauch vor den Hinterbeinen und mit dem anderen Arm den Kopf-/Halsbereich.

Dann drücken Sie den Hund an Ihren Oberkörper.

Umfassen Sie von oben das Ihnen am nächsten stehende Beinpaar.

Ziehen Sie nun vorsichtig die Beine unter dem Hund weg und stützen Sie ihn dabei mit Ihrem Oberkörper.

Der Hund kommt auf der gesunden Seite zum Liegen.

Fixation am liegenden Tier

Dazu wird der Hund in Seitenlage gebracht. Setzen Sie sich an die gesunde Seite des Hundes, falls eine Seite Verletzungen zeigt (Ausnahme siehe Kapitel „Brustverletzungen“).

Greifen Sie von oben über den Hund und fassen Sie das Beinpaar, das näher bei Ihnen ist. Ziehen Sie die Beine nun vorsichtig unter dem Hund weg und stützen den Rumpf des Hundes beim Hinlegen mit Ihrem Oberkörper. Der Hund kommt dann auf der gesunden Seite zum Liegen. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass der Hund sich langsam hinlegt und nicht ruckartig umgeworfen wird.

Transport des Hundes

Um ein Tier zu transportieren, brauchen Sie in den meisten Fällen einen Helfer. Mit einer Decke oder einem Handtuch, worauf Sie den Hund platzieren, können auch schwerere Tiere getragen werden. Eventuell können Stöcke oder Bretter bei der Stabilisierung helfen.

Im Auto sollte der Hund wenn möglich unter Kontrolle sein, wenn er nach einem Unfall oder einer Verletzung transportiert wird. Versuchen Sie auf keinen Fall, einen Hund, der bei Bewusstsein ist, in eine bestimmte Körperhaltung zu bringen. Meist nehmen die Hunde instinktiv die korrekte Schonhaltung ein. Durch eventuell erzwungene Lagerungen muten Sie dem Hund unnötigen Stress zu.

Bewusstlose Tiere sollten in stabiler Seitenlage transportiert werden. Dazu wird der Hund auf die Seite gelegt und der hintere Teil seines Körpers in eine leicht erhöhte Lage gebracht.

Kleine Hunde werden getragen, indem eine Hand unter das Hinterteil fasst und die andere Hand von vorne (Hals) unter den Brustkorb greift.

Größere Hunde werden angehoben, indem beide Beinpaare jeweils vorne und hinten umfasst werden. Achten Sie immer darauf, dass Sie eventuell verletzte Gliedmaßen dabei nicht berühren und diese frei hängen lassen!

Erkennen und Einstufen der Notfallarten beim Hund

Absolute Notfälle

Beispiele für absolute Notfälle sind Herzstillstand, Atemstillstand, schwere Blutungen aus der Hauptschlagader und Verlegungen der Luftwege. Bei diesen Notfällen ist sofortiges Handeln (binnen Sekunden) nötig, damit der Hund nicht stirbt.

Dringende Notfälle

Hierbei handelt es sich um Notfälle, die binnen Minuten oder auch noch bis zu einer Stunde behandelt werden müssen. Beispiele sind mehrfache, tiefe Verletzungen mit starken Blutungen, Öffnungen einer Körperhöhle (Bauch- oder Brusthöhle), Kopfverletzungen mit Verhaltensauffälligkeiten, Schockzustände, schwere Atemnot und Wirbelsäulenverletzungen.

Schwere Notfälle

Hierunter fallen Notfälle, die innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden tierärztlich behandelt werden müssen, aber keine sofortige Lebensgefahr bedeuten. Beispiele sind tiefe Verletzungen, Knochenbrüche großer Knochen oder offene Brüche (Hautverletzung am Bruch), offene Gelenkhöhlen und plötzliche Infektionskrankheiten, außerdem die Magendrehung.

So auf einem großen Tuch platziert, lässt sich auch ein schwerer Hund zu zweit gut transportieren.

So werden kleine Hunde sicher getragen.

Notfälle

Unter die Bezeichnung „Notfälle“ fallen verschiedene Verletzungen, die innerhalb der ersten 24 Stunden tierärztlich versorgt werden sollten. Beispiele hierfür sind tiefe Wunden und geschlossene Knochenbrüche ohne Schock, Verrenkungen und Bänderschäden.

Vitalwerte prüfen lernen – das A und O der Ersten Hilfe

Um zu beurteilen, wie schwerwiegend die Veränderungen der Kreislaufsituation des Hundes sind, müssen Sie wissen, wie seine normalen Werte aussehen und wie Sie diese bestimmen können. Alle genannten Werte können in der Gesamtheit Auskunft über die Kreislaufsituation des Hundes geben und sind zur Diagnose eines Schocks (siehe Kapitel „Schock – was sind die Symptome und was kann ich tun?“) besonders wichtig.

Wie bestimme ich den Puls meines Hundes?

Sie können entweder den Puls direkt an der Brustwand fühlen, den sogenannten Herzspitzenstoß. Ebenfalls sehr gut zu tasten ist der Puls an der Oberschenkelarterie, diese liegt an der Innenseite des Hinterbeins. Legen Sie dort einen oder zwei Finger (nicht den Daumen) an und zählen Sie 30 Sekunden lang die Schläge. Verdoppeln Sie dann diese Zahl und vergleichen das Ergebnis mit...

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