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E-Book

Messung und Steuerung von Kreditrisiken

Empirischer Befund und Handlungsempfehlungen

AutorGerhard Kroon
VerlagGabler Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl261 Seiten
ISBN9783834983589
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis54,99 EUR
Die Kreditgenossenschaften in Deutschland haben in den vergangenen Jahren die Entwicklung und Implementierung der Banksteuerungskonzeption VR-Control vorangetrieben, in deren Rahmen variabel verzinsliche Kundengeschäfte über das Konzept gleitender Durchschnitte separat modelliert und integriert werden. Auf der Basis einer empirischen Untersuchung entwickelt Gerhard Kroon einen praxisorientierten, konzeptionellen Lösungsansatz für die künftige Handhabung variabel verzinslicher Produkte in der Kreditrisikosteuerung von Kreditgenossenschaften.

Dr. Gerhard Kroon promovierte im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel bei Prof. Dr. Rainer Stöttner, Institut für Betriebswirtschaftslehre, Fachgebiet Finanzierung, Banken und Versicherungen. Er ist seit mehreren Jahren als Unternehmensberater und Dozent bei einem Genossenschaftsverband tätig.

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Leseprobe
1 Einleitung (S. 1)

1.1 Ausgangssituation

In den Jahren 2000 bis 2003 war die Ertragslage für die Kreditinstitute in Deutschland gemessen am Teilbetriebsergebnis rückläufig. Ihre Fähigkeit, Risiken abzufedern, wurde dadurch eingeschränkt, in dieser Phase stieg das Bewertungsergebnis aufgrund von Kreditausfällen an, was zu einer bis dahin nicht beobachtbaren Größenordnung des Rückgangs der Betriebsergebnisse führte.

Das bedeutendste Risiko für Banken stellt i. d. R. das Kreditrisiko dar. In einer ersten Annäherung wird das Kreditrisiko hier als Ausfallrisiko betrachtet, welches aus der möglichen Zahlungsunfähigkeit einer Gegenpartei bei Ausleihungen, Garantien oder Derivatkontrakten resultiert. Wenn eine solche Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist oder Hinweise vorliegen, dass sie möglicherweise bevorsteht, dann bilden Kreditinstitute Wertberichtigungen.

Vor diesem Hintergrund wurden insbesondere die Betriebsergebnisse der deutschen Kreditgenossenschaften durch vergleichsweise hohe Bewertungsergebnisse belastet: Im Geschäftsjahr 2002 war mit einem Bewertungsergebnis von -0,67 % der durchschnittlichen Bilanzsumme der höchste jemals erzielte Wert zu verzeichnen.

Dadurch wurde mit 0,17 % auch das schlechteste jemals erreichte Betriebsergebnis ausgewiesen. Als Folge dieser Entwicklung waren vermehrt Sanierungsfusionen zu beobachten und Sanierungsbanken, d. h. Kreditgenossenschaften, die eine finanzielle Unterstützung durch die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Anspruch nehmen mussten.

In den darauf folgenden Geschäftsjahren mussten alle Kreditgenossenschaften steigende Beitragssätze für die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung aufwenden, diese wurden für das Jahr 2004 sogar auf das satzungsmäßige Höchstmaß angehoben, mittlerweile aber wieder zurückgeführt.

Es werden insbesondere drei Auslöser für diese Entwicklung angeführt: (1) Die makroökonomische Entwicklung, (2) eine gestiegene Zahl an Unternehmensinsolvenzen und Insolvenzen privater Haushalte sowie (3) ein verändertes Marktumfeld für die Kreditgenossenschaften, welches mit zunehmender Konkurrenz durch die so genannten Non-Banks und Near-Banks die strukturelle Ertragskraft der Kreditinstitute negativ beeinflusst.

Darüber hinaus hat sich auch ein Intra-Gruppenwettbewerb entwickelt, der innerhalb der drei miteinander konkurrierenden Institutsgruppen der Privatbanken, Kreditgenossenschaften und Sparkassen zu einem Preiswettbewerb und in der Folge zu sinkenden Ergebnisbeiträgen geführt hat.

Eine Folge dieser Entwicklungen ist, dass es eine bedeutende Rolle spielt, inwieweit die einzelne Kreditgenossenschaft in der Lage ist, alle von ihr eingegangenen Kreditrisiken messbar zu machen und ggf. zu steuern, d. h. sie entsprechend ihren geschäftspolitischen Zielen zu reduzieren oder zu erhöhen.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass alle mit Kreditrisiken behafteten Geschäfte in die Risikomessung und anschließende -steuerung einbezogen werden können. Variabel verzinsliche, nicht an Referenzzinssätze gebundene Kundengeschäfte sind seit vielen Jahren fester Bestandteil im Produktangebot von Kreditgenossenschaften, aber auch von Kreditinstituten anderer Bankengruppen.

Aufgrund der relativ hohen Ergebnisbeiträge dieser Produkte sind sie von wesentlicher Bedeutung für die jeweilige Bank, verursachen zugleich jedoch erhebliche komplexe Probleme für die Risikomessung und -steuerung. Denn diese Geschäfte haben hinsichtlich ihrer finanzmathematischen Bewertung kein direktes Pendant an den Finanzmärkten, sondern können nur mit speziellen Ansätzen, wie dem Konzept gleitender Durchschnitte, in die Risikomessung integriert werden:

„Die Theorie der Bankunternehmung kann erst dann als Grundlage für eine Bankbetriebslehre wirklich fruchtbar gemacht werden, wenn die typische Leistung der Bank als gerade nicht vom Kapitalmarkt erbringbare Leistung hinreichend beschrieben ist.“ An diesen Sachverhalt knüpft die Problemstellung des vorliegenden Werkes an.
Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit6
Vorwort8
Inhaltsübersicht9
Inhaltsverzeichnis10
Abbildungsverzeichnis16
Abkürzungsverzeichnis21
Symbolverzeichnis24
1 Einleitung26
1.1 Ausgangssituation26
1.2 Problemstellung29
1.3 Ziel der Untersuchung und Vorgehensweise31
2 Anforderungen an die vermögensorientierte Messung und Steuerung von Kreditrisiken im variabel verzinslichen Kundengeschäft von Kreditgenossenschaften34
2.1 Untersuchungsobjekt deutsche Kreditgenossenschaften34
2.1.1 Genossenschaftlicher Bankensektor in Deutschland34
2.1.2 Systematik bankbetrieblicher Risiken und Ausprägungen des Kreditrisikos36
2.1.3 Erwartete und unerwartete Verluste39
2.1.4 Relevante Merkmale des Kreditgeschäfts41
2.1.5 Einführungsprozess VR-Control45
2.1.6 Zwischenergebnis48
2.2 Vermögensorientierte Messung und Steuerung von Kreditrisiken49
2.2.1 Grundprinzipien einer vermögensorientierten Steuerung50
2.2.2 Ergebnis- und Risikomessung in den verschiedenen Steuerungsbausteinen58
2.2.3 Zwischenergebnis77
2.3 Bewertung und Disposition variabel verzinslicher Kundengeschäfte78
2.3.1 Abgrenzung variabel verzinslicher Kundengeschäfte79
2.3.2 Zinselastizitätskonzept81
2.3.3 Konzept der gleitenden Durchschnitte87
2.3.4 Analyse des Konzepts der gleitenden Durchschnitte hinsichtlich seiner Steuerungsimpulse110
2.3.5 Zwischenergebnis122
2.4 Steuerung von Kreditrisiken126
2.4.1 Ausgewählte Instrumente im Überblick127
2.4.2 Zwischenergebnis128
3 Empirischer Befund zur Handhabung variabel verzinslicher130
3.1 Untersuchungsmethodik132
3.1.1 Phasen der empirischen Untersuchung132
3.1.2 Wahl der Erhebungsmethode133
3.1.3 Planung der Untersuchung136
3.1.4 Durchführung der Untersuchung145
3.1.5 Auswertung der Untersuchung145
3.1.6 Gütekriterien der Untersuchung146
3.2 Untersuchungsergebnisse149
3.2.1 Vergleich ausgewählter Kennzahlen der Stichprobe mit der Grundgesamtheit149
3.2.2 Rücklaufgesamtheit155
3.2.3 Befund zum aktuellen Umsetzungsstand zur Banksteuerung160
3.2.4 Befund zur Behandlung des variabel verzinslichen Kundengeschäfts174
3.2.5 Befund zum aktuellen Umsetzungsstand der Kreditrisikosteuerung211
3.2.6 Fusionstätigkeit231
3.3 Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse in Thesenform233
4 Handlungsempfehlungen zur Integration variabel verzinslicher Kundengeschäfte in die Messung und Steuerung von Kreditrisiken in Kreditgenossenschaften240
4.1 Bewusstsein für die Notwendigkeit einer barwertigen Kreditrisikosteuerung entwickeln240
4.2 Steuerungsbaustein Kreditrisiko implementieren und anwenden242
4.2.1 Inhaltliche Umsetzung242
4.2.2 Organisatorische Umsetzung243
4.3 Ergebnis- und Risikosteuerungsprozess erweitern245
4.3.1 Integration eines Regelkreises zur Parameterüberprüfung in die Risikoidentifizierung245
4.3.2 Berücksichtigung von Parametrisierungseffekten bei der Beurteilung248
4.3.3 Berücksichtigung von Parametrisierungseffekten bei Steuerungsentscheidungen249
4.3.4 Überwachung und Kommunikation249
4.4 Konzept der Integration variabel verzinslicher Kundengeschäfte in VR-Control250
5 Schlussbetrachtung251
Anhang A: Rundschreiben, Anschreiben und Fragebogen253
Anhang B: Weitere Ergebnisse267
Literaturverzeichnis271
Gesetzestexte, Verlautbarungen285

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