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Sonderpädagogik der sozialen und emotionalen Entwicklung (Handbuch Sonderpädagogik, Bd. 3)

AutorBarbara Gasteiger-Klicpera, Chrstian Klicpera, Henri Julius
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl1103 Seiten
ISBN9783840917073
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis88,99 EUR

Der 3. Band des Handbuchs der Sonderpädagogik will seine Leser fundiert über das Themengebiet des Förderschwerpunkts soziale und emotionale Entwicklung informieren und zur weiteren Diskussion anregen. Er gibt einen theoriegeleiteten Überblick über derzeit diskutierte Erklärungsansätze, umreißt Ansätze der Diagnostik und stellt die verschiedenen Zielgruppen vor.

Der zentrale Teil des Werkes ist den Aspekten der Prävention und Intervention gewidmet, wobei die umfangreiche Breite der Interventionsansätze deutlich wird, aber auch die Notwendigkeit einer empirischen Überprüfung und Weiterentwicklung. Schließlich werden die Bereiche Unterricht und Schule diskutiert, aber auch die Frage der Qualitätssicherung und der Kooperation zwischen den verschiedenen Institutionen wird thematisiert. Ein abschließendes Kapitel zu Fragen der Forschung und deren Methoden rundet dieses lesenswerte Werk ab.

Das Buch bietet einen fundierten Überblick über den Gegenstandsbereich mit seinen vielfältigen Fassetten. Die Sonderpädagogik der sozialen und emotionalen Entwicklung unterliegt im deutschen Sprachraum einem grundlegenden Wandel von einer eher hermeneutisch geprägten zu einer stärker empirisch orientierten Wissenschaft. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in dem vorliegenden Werk.

Es ist den Herausgebern gelungen, eine Reihe namhafter Autoren für dieses Buch zu gewinnen und stellt den bisher einzigartigen Versuch dar, das Thema umfassend zu beleuchten und damit die Sonderpädagogik der sozialen und emotionalen Entwicklung neu zu definieren und weiterzuentwickeln.

Die Herausgeber

Prof. Dr. Barbara Gasteiger-Klicpera, geb. 1960, Studium der Psychologie, Medizin und Theologie in Innsbruck und Wien. 1995 Promotion. 2002 Habiliation. Seit 2004 Professorin für Pädagogische Psychologie, Pädagogische Hochschule Weingarten. Arbeitsschwerpunkte: Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, aggressives Verhalten im Schulkontext, Prävention von Verhaltens- und Lernstörungen.

Prof. Dr. Henri Julius, geb. 1958, Studium der Sonderpädagogik und Psychologie in Oldenburg und Trier. 1999 Promotion Klinische Psychologie, 1998-1999 Research Fellow an der San Francisco State University und der University of Hawaii at Manoa, 2002-2004 Professor für Verhaltensgestörtenpädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M.. Seit 2005 Professor für Verhaltensgestörtenpädagogik an der Universität Rostock. Arbeitsschwerpunkte: Bindungsgeleitete Interventionen, Integrative (Schau)-Spielgruppen für Kinder und Jugendliche im autistischen Spektrum, Tiergestützte Interventionen, Frühförderung.

Prof. Dr. phil. Dr. med. Christian Klicpera, geb. 1947, Studium der Medizin und Psychologie in Wien und Salzburg. 1973 Promotion zum Dr. med. 1977 Promotion zum Dr. phil. 1985 Habilitation im Fach Psychologie. Bis 2007 Professor für Klinische Psychologie an der Universität Wien. Arbeitsschwerpunkte: Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Entwicklungsneuropsychologie, Autismus, Verhaltensauffälligkeiten.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Vorwort
  2. Teil I Bestimmung des Gegenstandsbereiches
  3. Teil II Erklärungsmodelle zu Risikofaktoren bei der Entwicklung von Verhaltensstörungen
  4. Teil III Diagnostik
  5. Teil IV Störungsbilder
  6. Teil V Prävention von Verhaltensstörungen
  7. Teil VI Interventionen
  8. Teil VII Schule und Unterricht
  9. Teil VIII Forschungsaspekte
  10. Autoren- und Sachregister
Leseprobe

2 Klassifikation (S. 25)

2.1 Dimensionale Klassifikationssysteme
Martin Holtmann und Martin H. Schmidt
2.1.1 Einleitung
Seit Ende der 1970er Jahre haben Bemühungen um die diagnostische Klassifikation psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen sowohl die klinische wie auch die wissenschaftliche Arbeit nachhaltig positiv beeinflusst (Döpfner & Lehmkuhl, 1997, Schmidt, 2001). Wesentlichen Anteil daran hatte die Fortentwicklung der beiden wichtigsten klinischen Klassifikationssysteme, der International Classification of Diseases (aktuell ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (Dilling, Mombour & Schmidt, 1991) und des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (aktuell DSM-IV) der American Psychiatric Association (1994).

Beide Klassifikationssysteme sind der kategorialen Diagnostik verpflichtet (vgl. Becker & Schmidt, in diesem Band, S. 34ff.), bei der psychische Auffälligkeiten in klar gegeneinander abgrenzbare Störungsbilder unterteilt werden, sie stehen als „Entscheidungsklassifikation" (etwa: Ist der Patient schizophren oder nicht?) in der Tradition medizinischer Diagnostik, die in dichotomer Weise das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Störung feststellt (Davison & Neale, 1998). Parallel zu den Arbeiten an den kategorialen Diagnostiksystemen fand ein weiterer Ansatz zunehmend Beachtung.

Der dimensionalen Klassifikation psychischer Störungen liegt die Annahme zugrunde, dass sich psychische Auffälligkeiten als kontinuierlich verteilte Merkmale mit Übergängen zwischen normalen und abnormen psychischen Phänomenen darstellen, anhand dieser Dimensionen lassen sich Kinder und Jugendliche beschreiben – eng orientiert am beobachtbaren Symptom (Schmidt, 2001). Studien, die diesem Ansatz verpflichtet sind, bedienen sich psychometrischer Methoden (Fragebogen, Beobachterskalen) und multivariater statistischer Verfahren (zumeist Hauptkomponenten- bzw. Faktorenanalysen). Durch Faktorenanalysen lassen sich viele Merkmale (z. B. Items eines Fragebogens) auf wenige Faktoren (=Dimensionen) reduzieren.

Psychische Auffälligkeiten werden dann anhand quantifizierbarer Charakteristika auf den empirisch gewonnenen Dimensionen beschrieben (Döpfner & Lehmkuhl, 1997). Bisher gibt es keinen Konsens, welche Dimensionen optimalerweise zur Beschreibung psychischer Auffälligkeiten herangezogen werden sollten. Die Antwort hierauf muss berücksichtigen, dass psychische Auffälligkeiten mit einem unterschiedlichen Grad von Auflösung betrachtet werden können.

Die Anzahl an Dimensionen ist nicht unverrückbar in der Wirklichkeit vorgegeben, vielmehr wird das Auflösungsniveau von den Zielen des Untersuchers und dem verwandten Instrument bestimmt: Soll mittels eines Fragebogens ein breites Spektrum an Auffälligkeiten durch eine begrenzte Anzahl von Fragen erfasst werden, bietet sich zur Beschreibung eher ein relativ grobes dimensionales Raster mit niedrigem Auflösungsgrad an. So leitet etwa Achenbach (1991) aus umfangreichen empirischen Untersuchungen und statistischen Analysen zwei basale Störungsdimensionen ab.

Der Dimension Externalisierung sind aggressive und dissoziale Verhaltensprobleme zugeordnet, während die Dimension Internalisierung Auffälligkeiten wie sozialen Rückzug, körperliche Beschwerden und ängstlich-depressives Verhalten vereinigt. Aus kulturvergleichenden Untersuchungen geht hervor, dass beide Gruppen von Störungen im transkulturellen Vergleich eine hohe Stabilität besitzen (Verhulst & Achenbach, 1995, Döpfner et al., 1996).

Quay (1986) wertete 61 multivariate Studien zu psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen aus und untersuchte sie daraufhin, mit welcher Häufigkeit einzelne Dimensionen extrahiert wurden. Obschon in den berücksichtigten Studien unterschiedliche Fragebogenverfahren zum Einsatz kamen, zeigte sich eine hohe Übereinstimmung im Hinblick auf empirisch gewonnene Dimensionen psychischer Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Am häufigsten (in insgesamt 42 Studien) wurde die Dimension „Aggressives Verhalten" abgebildet.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis5
Vorwort der Reihenherausgeber25
Vorwort der Bandherausgeber27
Teil I Bestimmung des Gegenstandsbereiches29
Einführung31
1 Begriffe und Theorien im Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung – Versuch einer Standortbestimmung33
2 Klassifikation53
3 Epidemiologie psychischer Störungen des Kindes- und Jugendalters77
Teil II Erklärungsmodelle zu Risikofaktoren bei der Entwicklung von Verhaltensstörungen91
Einführung93
4 Einführung in die Entwicklungspsychopathologie95
5 Intraindividuelle Risikofaktoren109
6 Soziale Risikofaktoren116
7 Risikofaktoren des weiteren sozialen Umfeldes140
8 Der Einfluss der Medien156
Teil III Diagnostik183
Einführung185
9 Zur Bedeutung diagnostischer Verfahren im Kontext sozialer und emotionaler Störungen187
Teil IV Störungsbilder203
Einführung205
10 Störungen des Sozialverhaltens (dissoziale Störungen)209
11 Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen235
12 Schulaversives Verhalten247
13 Sozial unsichere Kinder262
14 Depression271
15 Angst286
16 Suizidales Verhalten304
17 Essstörungen319
18 Jugend und Sucht333
19 Das Asperger-Syndrom353
20 Der Zusammenhang zwischen kognitiver und sozial-emotionaler Entwicklung381
Teil V Prävention von Verhaltensstörungen425
Einführung427
21 Frühförderung429
22 Prävention im Vorschulalter451
23 Prävention im Schulalter470
Teil VI Interventionen493
Einführung495
24 Lerntheoretische Interventionen499
25 Psychodynamische Intervention525
26 Humanistische Intervention552
27 Das konstruktivistisch lösungs- und entwicklungsorientierte Denk- und Handlungsmodell – oder: wie Menschen zu besseren Problemlösern werden583
28 Spezielle Verfahren598
Teil VII Schule und Unterricht673
Einführung675
29 Organisationsformen679
30 Unterricht768
31 Qualitätsentwicklung915
32.1 Kooperation mit den Eltern959
32.2 Kooperation und Beratung zwischen Lehrkräften an Regelschulen zu Fragen der schulischen Erziehungshilfe978
32.3 Rechtliche Regelungen in der Jugendhilfe999
Teil VIII Forschungsaspekte1011
Einführung1013
33 Kontrollierte Einzelfallstudien1015
34 Sonderpädagogische Gruppenforschung1024
35 Meta-Analyse und Strukturgleichungsmodelle1037
Autorenregister1055
Sachregister1093

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