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Chinchillas

Artgerecht halten, pflegen und züchten

AutorJudy Fox
VerlagCadmos Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl80 Seiten
ISBN9783840464232
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis3,99 EUR
Chinchillas werden als Heimtiere immer beliebter. Nicht immer aber entsprechen die Haltungsbedingungen den besonderen Bedürfnissen der Nagetiere aus Südamerika. So dürfen die von Natur aus gesellig lebenden Chinchillas nicht alleine gehalten werden und auch bei der Ernährung sind Fehler verbreitet. Dieser Ratgeber informiert über die richtige Haltung, Ernährung und Beschäftigung, gibt Tipps für die Vergesellschaftung und setzt sich auch für den Artenschutz ein; denn in freier Wildbahn stehen Chinchillas kurz vor dem Aussterben.

Judy Fox ist Expertin für verschiedene Nagetiere und hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Sie schreibt in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten wie Veterinärmedizinern, Biologen, Ernährungsberatern und in- und ausländischen Züchtern und Zuchtverbänden und setzt sich engagiert für die Rechte und den Schutz der Tiere ein. Chinchillas hielt und züchtete sie mehrere Jahre lang.

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Leseprobe

Geschichte des Chinchillas

Der früheste Bericht über Chinchillas stammt aus dem Jahr 1590. Jesuitenpater Josef de Acosta schreibt in seinem Buch „Historia Natural y Moral de los Indios“ (Naturkunde und Moral der Indios): „Chinchillas sind eine andere Gattung kleiner Tiere wie Eichhörnchen. Sie haben ein Haar von wunderbarer Weichheit. Ihre Felle werden aus Schmuckund Gesundheitsgründen getragen. Auch Decken gibt es aus dem Haar dieser Chinchillas.“

Etwa zur selben Zeit schrieb der englische Seefahrer und Sklavenhändler John Hawkins: „Die Eingeborenen haben kleine Tiere wie Eichhörnchen, doch grau. Das Fell ist das weichste und merkwürdigste, das ich je gesehen habe. Sie nennen das Tier Chinchilla und haben es in großer Zahl.“

Etwa 200 Jahre später erschien ein weiterer Bericht eines Jesuitenpaters, des Italieners Juan Ignazio Molina. Er bemerkte in seinem 1782 veröffentlichten Werk „Versuch der Naturgeschichte von Chile“: „Die Chinchilla ... ist wegen der feinen Wolle recht zu schätzen. ... Sie könnte ohne Beschwerden in den Häusern gezüchtet werden und mit geringen Kosten.“ Damit gilt er als geistiger Urvater der Chinchillazucht. Ob zu Recht, sei dahingestellt, denn auch von den Indios ist anzunehmen, dass sie Chinchillas züchteten.

Schon seit Jahrhunderten – wie lange genau, ist unbekannt – wurden die Chinchillas von den Ureinwohnern wie den Chincha-Indianern und den Inkas gejagt. Sie verzehrten ihr Fleisch und nutzten ihren Pelz, doch nicht in solch ausbeuterischer Weise, wie es später geschah. Der Bestand der Chinchillas war durch die Indios nie gefährdet. Edmund Bickel, Autor des Buches „Südamerikanische Chinchillas“, vermutet, dass sie die Chinchillas auch als Haustiere hielten. Das scheint zwar sehr wahrscheinlich – besonders da sich die Tiere, als die Bestände noch nicht so dezimiert waren, Schilderungen zufolge ausgesprochen zutraulich verhielten –, doch gibt es dafür keine Beweise.

Erst die spanischen Eroberer wurden den Chinchillas zum Verhängnis. Im Jahr 1524 erhielt die spanische Königin Isabella als Geschenk einen Chinchillapelz. Das war der Auftakt für eine gnadenlose Jagd. Wegen des besonderen Fells stieg die Nachfrage in Europa und Nordamerika trotz der horrenden Preise schnell an. Da zur Herstellung eines Pelzmantels 100 bis 150 Tiere nötig sind, wurden Chinchillas zu Millionen gejagt, bis schließlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts alle drei Arten beinahe ausgerottet waren.

Chinchillas wurden vermutlich schon von den Indios gezüchtet. (Foto: Jung)

1918 verhängten die vier südamerikanischen Regierungen eine Ausfuhrsperre für Chinchillafelle. 1929 stellten sie die Chinchillas gesetzlich ganz unter Schutz. Doch die Jagd ging im Illegalen weiter. Zu hoch war einfach der Wert eines Chinchillapelzes. In den Dreißigerjahren kostete ein bolivianischer Pelz etwa 500 000 Goldmark. Ein Chinchillafell brachte in Deutschland vor der Währungsreform 150 bis 200 Mark ein, ein Pelzmantel rund eine Viertelmillion. In Bolivien und Peru starben die Chinchillas schließlich aus. Die Tiere in den verbleibenden zwei Ländern bedürfen dringend unserer Hilfe.

Das Schutzreservat in Chile

Oft ist in der Literatur über Chinchillas zu lesen, dass sich seit dem Jahr 1974 die chilenische Regierung intensiv um den Schutz der Chinchillas kümmerte.

Die Jahreszahl lässt aufhorchen, denn zu der Zeit war der Diktator Pinochet an der Macht. Augusto Pinochet ließ im September 1973 als General und Oberbefehlshaber der chilenischen Armee den Präsidenten Salvadore Allende ermorden. 16 Jahre lang stand Chile anschließend unter seiner Diktatur, etwa 80 000 Menschen von zweieinhalb Millionen wurden gefoltert oder ermordet. Konnte dieser Mann seine plötzliche Liebe zu den Chinchillas entdeckt haben?

Wie ganz richtig zu lesen ist, begann die chilenische Regierung 1974 ein Schutzreservat für die letzten lebenden Chinchillas zu errichten, allerdings mit höchst zweifelhafter Motivation. „Sie begann ...“, lässt sich ironisch sagen, denn bis zur Vollendung vergingen zehn Jahre.

Nach der Wiederentdeckung des Langschwanz-Chinchillas Anfang der Siebzigerjahre kam die chilenische Militärregierung nicht umhin, den Chinchillas durch internationalen Druck von Tierschützern ein wenig Aufmerksamkeit zu zollen, zumal man im Ausland um ein ehrenwertes Ansehen bemüht war. 1974 untersuchte die Forstbehörde Chiles die Chinchillapopulation. Danach vergingen fünf Jahre, bis man Beamte vollamtlich mit dem Schutz der Chinchillas beauftragte, und zwar gerade mal zwei! Verständlich, dass die beiden mit der Verwaltung eines 4.200 Hektar großen Grundstücks überfordert waren. Vor der Verwaltung aber erfolgte ein langwieriger Landrückkauf von den Bauern und überhaupt erst einmal die Klärung der Besitzansprüche. Das zog sich weitere fünf Jahre hin.

Im Jahr 1984 wurde dann das „Reserva Nacional Las Chinchillas“ eingeweiht. Die Buchautorin Sabine Cremer („Das große Chinchilla-Handbuch“) berichtete mir darüber Näheres. Laut ihrer Schilderung kümmern sich jetzt immerhin vier Arbeiter der chilenischen Nationalparkbehörde um das Chinchillareservat. Es zählt aber nach wie vor zu den kleinsten Reservaten des Landes, obgleich es für deutsche Verhältnisse groß sein mag. Öffentliche Verkehrsmittel halten nur auf Anfrage vor dem Reservat, während zu deutschen Zoos jede U-Bahn fährt. Bleiben Besucher über Nacht im Reservat, macht das Wachpersonal Feierabend, weil das Reservat dadurch angeblich vor Dieben geschützt sei.

Heute unterstützt der World Wild Fund (WWF) das Reservat. Doch dem Diktator Pinochet sei hiermit eine unverdiente Ehre wieder genommen.

Chinchillas in Europa

Die ersten Chinchillas in Europa waren in Zoos zu besichtigen, ab 1829 in London und ab 1865 in Hamburg. Da die wild lebenden Chinchillas schon stark dezimiert waren, gab es in verschiedenen Ländern immer wieder Versuche, die Tiere zu züchten. Das scheiterte regelmäßig, weil man zu wenig über ihre Lebensgewohnheiten wusste. Eine Engländerin, Mrs Johnstone, war 1911 die Erste, die nach einer misslungenen Außenhaltung von Chinchillas begann, diese Tiere in Zuchträumen zu vermehren. Leider musste sie zu Beginn des Weltkriegs ihre zwölf Chinchillas an Tiergärten abgeben, wo sie alle eingingen.

In Deutschland entstanden Anfang 1970 die ersten Liebhaberzuchten.

Die meisten Chinchillas in Europa und Nordamerika gehen auf die Zuchttiere Mathias F. Chapmans zurück. (Foto: Knoll)

Der Begründer der Chinchillazucht

Im Jahr 1918 kam der Amerikaner Mathias F. Chapman als Bergbauingenieur nach Chile. Ein Jahr später brachte ein Indianer ein Langschwanz-Chinchilla zum Lager. Chapman kaufte es. Er entwickelte den Plan, noch mehr Chinchillas zu kaufen, sie in die USA zu transportieren und dort als Heimtiere zu züchten. Später änderte er seinen Plan und es wurde daraus eine Pelztierzucht.

Noch im selben Jahr startete Chapman eine Expedition in die Anden mit 23 Trappern. Sie stiegen bis in Höhen von 1.400 Metern, denn die meisten im Tiefland lebenden Chinchillas waren damals schon ausgerottet. Die schwierige Suche dauerte bis 1922 und ging bis nach Peru, unter primitiven Lebensbedingungen. Nur elf Chinchillas wurden gefangen. Man nimmt an, dass es sich bei allen um Chinchilla lanigera handelte, jedoch um verschiedene Typen.

Nachdem Chapman die Erlaubnis zur Ausfuhr der Tiere zunächst verweigert worden war, erhielt er sie 1923 dann doch. Die Chinchillas wurden mit der Eisenbahn zur Küste gebracht. Sie reisten in großen Holzkisten, die mit Eis gekühlt wurden. Auf den Dampfer, der sie in die USA bringen sollte, schmuggelte Chapman die Tiere allerdings. Erst auf hoher See beichtete er dem Kapitän. Dieser drohte mit einer Klage, sollte irgendeine Störung von den Chinchillas ausgehen. Am 22. Februar 1923 – George Washingtons Geburtstag – kamen die Chinchillas in Amerika an. Ein Tier war gestorben, dafür waren zwei Babys geboren worden.

Chapman baute die erste Chinchillafarm der Welt in Inglewood in Kalifornien auf und besaß schließlich einen Bestand von 100 Tieren. Eines Nachts wurden ihm viele Tiere gestohlen (je nach Quelle zwischen 32 und 50). Chapman stellte Nachforschungen an. Die Spur führte nach Texas, von dort war der Dieb nach Europa geflüchtet. Beim Transport durch die Wüste waren leider viele Tiere gestorben. Die Rückgabe der noch übrigen gestohlenen Chinchillas per Gerichtsbeschluss dauerte lang. Quellen zufolge gingen bis dahin die meisten Tiere ein, sodass Chapman letztendlich nur fünf zurückerhielt. Denkbar ist aber auch, dass sie verkauft wurden, da bald darauf mehrere Chinchillazuchten in Europa entstanden.

Trotz dieses Rückschlags gelang es Chapman, seine Zucht zu neuer Höhe zu bringen. Er starb am 26. Dezember 1934.

Gibt es das Kurzschwanz-Chinchilla tatsächlich noch?

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