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E-Book

Fernsehen in der Familie

Vom sinnvollen Umgang mit einem Massenmedium

AutorRalf-Peter Nungäßer
VerlagDiplomica Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl223 Seiten
ISBN9783836615006
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis33,00 EUR

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es seit 1990 in Deutschland rund 14.5 Mio. Familienhaushalte mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren (hierunter fallen Verheiratete, Geschiedene und Verwitwete - ohne Eheähnliche Gemeinschaften): Von diesen Familienhaushalten waren über. zweidrittel mit Radiogeräten bzw. Stereoanlagen, nahezu eindrittel mit Home-Computern (PCs) oder Telespielen, 98% mit einem Fernsehgerät und über die Hälfte mit einem Videorecorder ausgestattet.Will man diese Statistiken deuten so ist hierbei feststellbar, daß elektronische Unterhaltungsmedien im Bereich der Familie mittlerweile zur Alltagsrealität gehören und somit jederzeit von allen Familienmitgliedern präsent- und nutzbar sind. Wenn hiermit auch noch keine Aussagen über Intention und Intensität der familialen Mediennutzung getroffen sind so ist, in Abhängigkeit davon, aus den Angaben jedoch ableitbar, daß diese Medien potentielle Einflüsse auf den familialen Prozeß der Sozialisation insbesondere auf die Sprachentwicklung, Wissensbildung, und Handlungskompetenzen ausüben.

Über die Art der Einflüsse der elektronischen Programm-Medien und deren Auswirkungen auf den Rezipienten insbesondere über die des Fernsehens wird seit drei Jahrzehnten in der (Fach-) Öffentlichkeit kontrovers diskutiert: Die Fraktion der Kultur-Pessimisten (Apokalyptiker) vertritt hierbei die Ansicht, daß die Verbreitung des elektronischen Mediums Fernsehen den kulturell-gesellschaftlichen Untergang bedeute, Kultur-Positivisten (Integrierte) hingegen versprechen sich hiervon unter anderem den globalen Fortschritt.Innerhalb dieser häufig irrational, emotional und ideologisch geführten Medienwirkungsdiskussion suchen Eltern, Lehrer, Erzieher und Pädagogen oft unsicher nach Orientierung. Maßstäben und Normen für den rechten Umgang mit den neuen Medien. Dementsprechend leitet sich hieraus die Zielsetzung des Buches ab: Es soll die Frage nach den Funktionen und Wirkungen von Medien, hier insbesondere nach denen des Mediums Fernsehen, aus dem Blickwinkel der Lebenswelt des Rezipienten, konkret aus dem Lebens Zusammenhang der Familie, durchleuchtet werden.

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Leseprobe

Kapitel 4.4, Soziale Funktionen des Fernsehens und deren Wirkungen im Familiensystem:

Ausgangsfragen: Welche sozialen Funktionen werden dem Fernsehen zugeschrieben? Wie wirken sich diese Funktionen auf das Familiensystem aus? Welche Rolle übernimmt das Fernsehen bei der Identitätsbildung bei Kindern und Jugendlichen? Welche Funktionen werden dem Fernsehen durch die Eltern zugeschrieben?

„'Funktion' ist ebenso wie 'Wirkung' einer der Grundbegriffe der Kommunikationsforschung, die die Beziehung zwischen der Gesamtgesellschaft und den Medien sowie zwischen den Medien und dem Medienpublikum kennzeichnen sollen“. Hierbei versucht die Funktionsanalyse von Lasswell diese Beziehungen empirisch mit der vordergründigen Frage zu erfassen, welchen Beitrag das Mediensystem zum Funktionieren des Gesamtsystems leistet. Allerdings umfaßt, nach Rühl, der Begriff Medienfunktion den komplexen Wirkungszusammenhang der Medienkommunikation nur sehr ungenau und es müssen dabei folgende Unterscheidungen berücksichtigt werden:

1. Die normativen Vorgaben der Gesellschaft, 2. Die Intention der Journalisten und Sendeanstalten, 3. Die Folgen für gesellschaftliche Teilsysteme, 4. Die Bedeutungszuweisung der Rezipienten.

Medienfunktionen sind somit abhängig vom jeweiligen Bezugssystem und anstelle von Gesellschaft kann auch die Variable Familie und ihre Teilsysteme eingesetzt werden. Rühl spricht in diesem Zusammenhang davon, daß bestimmte Medienangebote funktional, also die Funktionsfähigkeit eines Systems fördern können, sie können dysfunktional sein, also das System in seinem Bestand behindern, oder nicht-funktional, d.h. für den Systemzustand ohne Bedeutung sein.

In diesem Unterkapitel sollen speziell die sozialen Funktionen des Fernsehens dargestellt werden, die immer auch „antisoziale als auch prosoziale Wirkungen“ auf die Familienmitglieder und die Familie als Ganzes, insbesondere aber Integrations- bzw. Isolationswirkungen auf und Rollendifferenzierungen innerhalb des Familiensystems hervorrufen. Hierzu dienen als Grundlage die aus den Grundannahmen gewonnenen Sozialisations-, Struktur-, Interaktions- und Kommunikationserkenntnisse der Familie als System sowie die oben beschriebenen Fernsehnutzungsvoraussetzungen und -Nutzungsroutinen der einzelnen Familiensubsysteme Eltern und Kinder bzw. Jugendliche. Der Schnittpunkt beider Funktionssysteme, Fernsehen und Familie, liegt in der „Übermittlungsfunktion“, d.h. in der Übermittlung sozialisationsrelevanter Informationen, die allerdings nicht immer für beide Funktionssysteme den selben Stellenwert einnehmen müssen. Dabei ergibt sich, daß die dem Medium Fernsehen traditionell zugeschriebenen Funktionen mit den Hauptfunktionen der Familie (vgl. Abb.3 im Anhang) korrelieren oder kollidieren können. Hierunter ist zu verstehen, daß bestimmte angebotene Sozialisationsleistungen und Sozialisationsbeiträge des Fernsehens (= mediale Sozialisationsfunktionen) besonders dann - entsprechend des 'Nutzenansatzes' - in Anspruch genommen werden, wenn es das Bedürfnis oder die Situation eines Familienmitgliedes oder eines Subsystems zur Bewältigung bestimmter individueller oder familiärer Anforderungen, Aufgaben und Probleme erfordert.

Allerdings gehen Barthelmes und Kollegen hierbei im Allgemeinen davon aus, daß Funktionen auch als Bedürfnisse beschrieben werden können, die der Rezipient in seiner täglichen Interaktion mit seiner Umwelt zu befriedigen sucht. So lassen sich diese Bedürfnisse in kognitive, emotionale und soziale Bedürfnisse einteilen, die dann bestimmten Medieninhalten zugeordnet werden. Insofern können - ausgehend vom 'Familiensystem-Ansatz' - für (z.B. dysfunktionale) systemische Strukturen problematische Fernsehinhalte - nach der 'Theorie der Selektiven Wahrnehmung' - entweder vermieden werden, oder aber - entsprechend der 'Rahmenanalyse' - mittels Fernsehen bestehende systemische Strukturen in einem interaktiven bzw. kommunikativen Prozeß - gemäß 'Thematisierungsansatz' - thematisiert, oder - gemäß der 'Verstärker-Hypothese' verstärkt oder - umgekehrt - zur Disposition gestellt werden (wobei diese Prozesse sowohl bewußt als auch unbewußt verlaufen können). Es wird dabei eindeutig erkennbar, daß die einzelnen wissenschaftlichen Theorien, Ansätze und Hypothesen nicht isoliert voneinander betrachtet werden können, sondern innerhalb eines sozialen Systems unmittelbar miteinander verknüpft sind. Weiterhin wird ersichtlich, daß die Familie entsprechend ihrer sozialen Situation dem Fernsehen für sich adäquate soziale Funktionen zuweist, die über die konventionellen Funktionszuweisungen des Fernsehens hinausgehen...

Inhaltsverzeichnis
Vorwort3
Inhalt5
Einführung7
Seminarverlauf12
1. Kapitel15
1.1 Die Familie und ihre Strukturen15
1.2 Das Fernsehen und seine Funktionen21
1.3 Fernsehwirkungen auf die Familie27
2. Kapitel32
2.1 Kulturhistorischer Abriß des Mediums Fernsehen32
2.2 Historische Entwicklung des Fernsehens im soziokulturellen Kontext der vorbundesrepublikanischen Gesellschaften33
2.3 Soziokultureller Strukturwandel der bundesrepublikanischen Gesellschaft durch die Medienevolution36
3. Kapitel42
3.1 Soziale und individuelle Sozialisationsvoraussetzungen42
3.2 Milieuzugehörigkeit und Interaktionsprozesse42
3.3 Entwicklungspsychologische Ansätze der Kindheit und Adoleszenz48
4. Kapitel59
4.1 Mediensozialisation im Familienkontext59
4.2 Sozialisationsrelevante Wirkungstheorien62
4.2.1 Gängige öffentlichkeitswirksame Fernsehwirkungsthesen62
4.2.2 Ansätze wissenschaftlicher Medienwirkungsmodelle66
4.2.3 Emotionale, kognitive und medizinische Wirkungstheorien70
4.2.4 Familienzentrierte und kommunikationstheoretische Ansatze77
4.3 Familiäre Wirkungsvoraussetzungen medialer Sozialisation81
4.3.1 Elterliche Fernsehnutzungsroutinen81
4.3.2 Fernsehnutzungsroutinen Kinder und Jugendlicher91
4.4 Soziale Funktionen des Fernsehens und deren Wirkungen im Familiensystem104
4.4.1 Rollenbildung und Rollendifferenzierung110
4.4.2 Integrations- und Isolationsaspekte119
5. Kapitel127
5.1 Die Bedeutung der familialen Fernsehsozialisation für pädagogischeHandlungskonzepte zur Sozialisationshilfe127
5.2 Curriculum Fernseherziehung und medienbezogene Elternarbeit als familienzentrierte Medienpädagogik132
5.2.1 Konzepte der Schulen137
5.2.2 Konzepte der- Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen145
5.3 Entwicklung von Fragestellungen zur Ausarbeitung empirischer und handlungsrelevanter Untersuchungen und Erkundungen152
6. Kapitel162
6.1 Zusammenfassung162
Literaturverzeichnis166
Glossar187
Anhang202
Über den Autor:222

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