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Warum Gleichheit?

Eine Kritik des liberalen Egalitarismus

AutorHeiner Michel
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl237 Seiten
ISBN9783593412450
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Ist es tatsächlich die Ungleichheit, die uns beim Anblick von Armut, Elend, Hunger, Unterdrückung und Ausbeutung stört? Sind es nicht eher die Umstände der menschenunwürdigen Existenzbedingungen, die unser Gerechtigkeitsempfinden provozieren? Heiner Michel stellt das Argument der »Gleichheit«, das die philosophischen Gerechtigkeitsdebatten des 20. Jahrhunderts dominiert hat, systematisch infrage. Denn der Gleichheitsfetischismus verliert das Wesentliche der Gerechtigkeit aus dem Blick: Brot für die Hungrigen, Autonomie für die Unterdrückten, gerechter Lohn für die Ausgebeuteten und ein gutes, menschliches Leben für alle.

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Leseprobe
Das Ideal der Gleichheit erfreut sich einer fast ungebrochenen Beliebtheit. Im öffentlichen Diskurs ebenso wie in vielen akademischen Debatten scheint bei allen sonstigen Differenzen doch eines unstrittig: Gleichheit ist ein zentraler Wert der Gerechtigkeit. Wer immer in der Lage ist, seine Forderungen und Ansprüche in das sprachliche Gewand der Gleichheit zu kleiden, hat den Applaus auf seiner Seite. Der Appell an Gleichheit übernimmt die Rolle eines scheinbar evidenten Gerechtigkeitsarguments. Exemplarisch seien einige Passagen aus dem Bericht über die menschliche Entwicklung zitiert, der die riesigen Ungleichheiten anprangert, die zwischen Armen und Reichen, zwischen Männern und Frauen, auf nationaler und internationaler Ebene herrschen: 'Die reichsten 500 Einzelpersonen der Welt verfügen gemeinsam über ein größeres Einkommen als die ärmsten 416 Millionen. Einmal abgesehen von solchen Extremen haben die 2,5 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen müssen - 40 Prozent der Weltbevölkerung - nur einen Anteil von fünf Prozent am weltweiten Einkommen. Der Anteil der reichsten zehn Prozent, von denen fast alle in Ländern mit hohem Einkommen leben, beträgt hingegen 54 Prozent.' 'Die Kluft in der Lebenserwartung zählt zu den grundlegendsten aller Ungleichheiten. Heutzutage hat jemand, der in Sambia lebt, eine geringere Chance, 30 Jahre alt zu werden, als jemand, der 1840 in England geboren wurde - und die Kluft wird immer größer.' 'In Indien liegt die Sterberate im Alter von ein bis fünf Jahren bei Mädchen um 50 Prozent höher als bei Jungen. [...] In Pakistan würde eine Gleichstellung der Geschlechter beim Schulbesuch weiteren zwei Millionen Mädchen die Chance geben, eine Schulbildung zu erhalten.' 'Im Durchschnitt kann ein in Mosambik geborenes Kind heute vier Jahre formaler Bildung erwarten. Ein in Frankreich geborenes Kind wird 15 Jahre auf weit höherem Niveau Bildung erhalten.' Diese Ungleichheiten sind moralisch empörend und legen eine egalitaristische Reaktion nahe: Wie könnte es kein Unrecht sein, dass manche so viel schlechtere Lebensaussichten haben als andere? Wäre es nicht besser, die extremen Ungleichheiten zu beseitigen und endlich Gleichheit zwischen den Menschen zu schaffen? Ungleichheit, so scheint es, ist ein verdammenswertes Übel und Gleichheit ein erstrebenswertes Gut. Kein Wunder also, dass auch in der gegenwärtigen Politischen Philosophie egalitaristische Konzeptionen einen führenden Platz einnehmen. Seit vier Jahrzehnten bestimmen Egalitaristen wie Richard Arneson, Jerry Cohen, Ronald Dworkin, Stefan Gosepath, Wilfried Hinsch, John Rawls und Philippe Van Parijs - um nur einige der wichtigsten zu nennen - maßgeblich die Arena der Politischen Philosophie. Sie streiten nicht darüber, welche Rolle Gleichheit innerhalb der Gerechtigkeit einnimmt, denn ihren zentralen Stellenwert unterstellen sie ohnehin als klar und evident, stattdessen streiten sie darüber, wie die Hinsicht, in der alle gleich sein sollten, wohl am besten auszubuchstabieren sei; kurz, sie streiten um die Frage Equality of What - Gleichheit in was?
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