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E-Book

Captain Phil Harris

Fischer, Outlaw, Fernseh-Held - ein wildes Leben, erzählt von seinen Söhnen

AutorBlake Chavez, Jake Harris, Josh Harris, Steve Springer
VerlagAnkerherz Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783940138743
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Sein Gespür für die besten Fangreviere der Beringsee und sein bedingungsloser Einsatz für seine Crew sind legendär. Seine Trunksucht, notorische Untreue und Wutanfälle waren gefürchtet. Und als Kapitän Phil Harris mit nur 53 Jahren in Anchorage, Alaska, starb, kannte ein Millionenpublikum sein von Stürmen und Wodka gezeichnetes Gesicht. Wer war der Mann, den seine Gefährten wahlweise den 'König der Beringsee' oder den 'zähesten Bastard der Welt' nannten? Fesselnd geschildert von Harris' Söhnen, erzählt CAPTAIN PHIL HARRIS von den Träumen eines kleinen Jungen auf dem Fangboot seines Vaters, von der ersten Sturmfahrt eines siebzehnjährigen Greenhorns - unbezahlt und seekrank - und vom märchenhaften Aufstieg eines abgewrackten Krabbenfischers zum schillernden Fernseh-Helden der DMAX-Serie 'Fang des Lebens'. Ein Leben so wild und unberechenbar wie die Beringsee. Die Saga von einem unbeugsamen Kapitän und seinen Dämonen, von der Macht der rauen See und der Kraft der Vaterliebe.

Josh und Jake Harris, geboren in Dutch Harbor, Alaska, traten als Söhne von Kapitän Phil Harris in die Fußstapfen ihres Vaters und arbeiten heute beide als Kapitäne auf der Beringsee. Im Jahr 2012 erwarben sie die 'Cornelia Marie', das Fangboot, auf dem ihr Vater noch bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 dem gefährlichsten Job Alaskas nachging. Steve Springer, preisgekrönter US-Journalist und Autor zahlreicher Bestseller, schrieb als Sportreporter 25 Jahre lang für die Los Angeles Times. Zuletzt erschien von ihm und seinem Koautor Blake Chavez die Boxerbiografie 'Hard Luck'. Beide leben in Kalifornien, Springer in den Woodland Hills, Los Angeles, Chavez in Vista, San Diego County.

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Leseprobe

SALZWASSER IM BLUT

Grant Harris war die Seefahrt nicht in die Wiege gelegt worden, er stammte nicht aus einem Clan namhafter Fischer und folgte keiner Familientradition. Aber er begründete eine neue, so viel ist mal sicher.

Grant, 1933 in Seattle geboren, hat seinen Vater, einen Stahlarbeiter, nie kennengelernt. Seine Eltern hatten sich scheiden lassen und waren ihre eige­nen Wege gegangen, bevor er das Licht der Welt erblickte.

Obwohl er in Seattle aufwuchs, einer Hafenstadt mit einer großen Fischereiflotte, behielt er lange festen Boden unter den Füßen. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Automechaniker und arbeitete auf dem Bau. Erst 1961, mit 27 Jahren, heuerte er das erste Mal auf einem Schiff an. Über Kanus und Ruderboote war er bis dahin nicht hinausgekommen.

Sein erstes Schiff war die Reefer II, ein Frachter, der auf See tiefgekühlten Fisch bei den Trawlern abholte und zu den Fischfabriken in Alaska brachte. Auf seinen fünfjährigen Sohn Phil wirkte der Abschied des Vaters wie der Aufbruch zu einem großen Abenteuer.

»Es war ein knochenharter Job, aber wenn man jung ist, macht einem das nicht so viel aus. Für mich galt immer: Je härter es wurde, desto größer war auch die Herausforderung.«
Grant Harris

Sechs Monate dauerte Grants erste Fahrt, sechs Monate ohne Frau und Sohn, das tat weh. In den folgenden Jahren sollten noch viele solcher langen Reisen folgen. Die Familie gewöhnte sich an den neuen Rhythmus, und Grant lernte, was es bedeutete, ein Fischer zu sein. Doch kaum hatte er seine Liebe zur See entdeckt, verlor er die größte Liebe seines Lebens. 1964 starb seine Frau Phyllis mit gerade einmal 27 Jahren an Hautkrebs.

Phil, acht Jahre alt, war am Boden zerstört, in seinem Leben klaffte plötzlich ein Loch, das nicht mehr zu füllen war. Weil sein Vater stets die Hälfte des Jahres auf See verbracht hatte, war die Bindung zu seiner Mutter umso stärker geworden. Ein Band, das Phil für unzerstörbar gehalten hatte.

Seine beiden Großmütter versuchten, ihn wieder aufzurichten. Ersatzmütter wollten sie sein, jeder Besuch von Phil sollte etwas Besonderes sein. Sie überhäuften ihn mit Geschenken, wachten über seine Hausaufgaben und pflegten ihn hingebungsvoll, wenn er sich eine Erkältung eingefangen hatte. Sie waren immer für ihn da – besonders wenn Grant auf See war.

Um seinem Sohn den Halt der gewohnten Umgebung nicht zu nehmen, behielt Grant das Haus der Familie in Bothell, auch wenn jedes einzelne Zimmer ihn daran erinnerte, wie sehr ihm seine Frau fehlte. Bothell sollte der einzige Ort sein, den Phil je sein Zuhause nannte. Das Städtchen liegt zwölf Meilen nordöstlich von Seattle und hatte rund 2200 Einwohner, als er noch ein Kind war. Ein ruhiger Ort, die meisten Bürger zählten zur Mittelschicht und verdienten ihren Lebensunterhalt in der Industrieproduktion oder der Forschung und Entwicklung.

In Bothell zu bleiben hatte für Phil einen wichtigen Vorteil: Er konnte weiter zur selben Schule gehen und behielt auch seinen Freundeskreis. Trotzdem war Grant klar, dass er ohne Phyllis noch mehr für seinen Sohn tun musste. Als alleinerziehender Vater musste er sein eigenes Leben umkrempeln; monatelang in Alaska zu arbeiten, das war keine Option mehr.

Weil er aber seine Liebe zur See nicht komplett aufgeben wollte, fand er eine Kompromisslösung: Anstatt weiter für andere zu schuften, wollte er sein eigenes Schiff haben und nur noch dann rausfahren, wenn es ihm passte. Mit einem Kompagnon namens Ralph Shumley charterte Grant zunächst ein Boot für den Lachsfang in der Bristol Bay. Rechtzeitig zum Beginn der Saison im Juni nahm er Phil aus der Schule, damit er seinen Vater auf der Reise nach Norden begleiten konnte.

Das Unterfangen verlief derart erfolgreich, dass Grant schon nach zwei Jahren den nächsten Schritt ins Auge fasste – er wollte sein eigenes Schiff kaufen. Der Plan war so lange gut, bis Grant anfing, sich genauer mit dem Markt zu befassen. Denn keines der angebotenen Schiffe genügte seinen Qualitätsansprüchen. Und alle übertrafen den Preis, den er zu zahlen bereit gewesen wäre.

Also legte sich Grant einen neuen Plan zurecht: Er würde sich ein eigenes Boot bauen. Die Konstruktionspläne ließ er von einem Schiffbauer zeichnen, als Material wählte er Alaska-Zeder.

Tagsüber verdiente Grant sein Geld als Zimmermann oder mit Aushilfsjobs, abends und am Wochenende arbeitete er am Ufer des Lake Union an seinem Schiff. Alles, was er bisher als Handwerker gelernt hatte, kam jetzt diesem Projekt zugute.

Oft ging ihm dabei ein junger Helfer zur Hand: Nach der Schule und an Samstagen und Sonntagen kam Phil mit runter zum See und wurde Zeuge, wie das neue Schiff Gestalt annahm. Für den zehnjährigen Jungen, der den Verlust seiner Mutter noch immer nicht verarbeitet hatte, war das eine wichtige und wertvolle Form der Therapie. Was ihn schließlich von seiner Trauer befreite und ihn aus seiner Einsamkeit rettete, war die Verlockung eines Lebens auf See.

»Als ich das Schiff baute, übernahm Phil Lackierarbeiten und andere einfache Aufgaben, die er in seinem Alter schon schaffen konnte. Hauptsache, er war bei mir. In dem Alter kannst du einen Jungen nicht sich selbst überlassen. Seine Mutter war nicht mehr da, deshalb musste ich immer wissen, was er gerade machte.«
Grant Harris

Am Ufer des Sees war Phil bald schon bekannt wie ein bunter Hund. Er kletterte von einem Kahn auf den nächsten und saugte alles auf: die Geschichten vom Leben auf See, die Gerüche auf dem Wasser, das Knarzen und Ächzen der Schiffe. Eindrücke, die sich im Kopf des Jungen festsetzten.

Grant brauchte gerade einmal sieben Monate, um das Schiff seiner Träume zu vollenden. Er taufte es auf den Namen Provider, in der Hoffnung, dass es für ihn und Phil genau das sein würde: der Versorger, der Ernährer. Grant ließ das Boot auf einen Frachter laden und nach Norden bringen, in die Bristol Bay. Mit zehn Meter Länge und etwas mehr als drei Meter Breite entsprach es genau den Bestimmungen für die Lachsfischerei vor Ort. Grant suchte sich einen Job in einer Fischfabrik und erledigte die letzten Arbeiten an seinem Schiff nach der Schicht am Abend. Als die Saison für Königslachs im Juni offiziell eröffnet wurde, lief die Provider von Nushagak zu ihrer ersten Fahrt aus. An Bord die beiden Eigner, Grant und Shumley – und ihr jüngstes Crewmitglied Phil.

Für Phil war es der Beginn seines Lebens als Fischer – und er hasste jede Minute. Es ging schon damit los, dass die Lachssaison zur selben Zeit begann wie die Baseballsaison. Phil liebte den Sport über alles und wäre lieber wieder in Bothell gewesen, um mit seinen Freunden zu spielen. Als wäre das nicht schlimm genug gewesen, wurde er auch noch seekrank. Die Wellen der Bristol Bay waren nichts im Vergleich zu den Monstern, die ihm später auf der Beringsee begegnen sollten, aber sie waren allemal heftiger, als er es in seinem Alter vertragen konnte. Er wurde seekrank. Und für ihn gab es nur ein Mittel dagegen – schlafen. Er versuchte, so oft es nur ging, die Augen zuzumachen. Ein Luxus, den er sich als erwachsener Fischer nie wieder würde leisten können.

Grant dachte allerdings nicht daran, seinen Sohn vor der Küste Alaskas spazieren zu fahren. Stattdessen ließ er ihn jeden nur denkbaren Job auf dem Boot machen, von der Vorbereitung der Köder bis zum Ausladen des Fangs im Hafen.

»Mein Großvater hatte nicht die geringste Ahnung, wie man ein Kind erzieht. Also hat er seinen Sohn zum Malocher erzogen.«
Jake Harris

Grant beließ es nicht bei der Lachsfischerei. Nach dem Ende der Saison fuhr er bis nach Togiak, ganz im Norden der Bristol Bay, um Hering zu fangen. Er handelte mit Lachsrogen, erledigte Zubringerdienste für andere Fischer, lieferte ihren Silberlachs in den Fischfabriken ab und verdingte sich als Skipper auf fremden Schiffen.

In seinen vielen Jahren auf See hat sich Grant den Respekt der anderen Fischer erworben. Bewundert wurde er vor allem für seine Gelassenheit, die er selbst dann nicht verlor, wenn die Lage wirklich heikel wurde. Zugleich war sein Tatendrang nicht zu stoppen, egal wie schwierig die Bedingungen gerade waren. Auch seine Fähigkeiten als Schiffszimmermann sprachen sich schnell herum; die Provider ist der schwimmende Beweis für sein Können als Bootsbauer. Grant hat sie zwar schon vor vielen Jahren weiterverkauft, aber sie ist noch immer absolut seetüchtig und liegt heute in Seattle – nicht schlecht für ein Schiff, das in Eigenregie nach Feierabend entstand.

Grant machte trotzdem keine große Welle deswegen, überhaupt war er nicht der Typ, der die Aufmerksamkeit sucht. Er blieb lieber schön im Hintergrund. Sein Sohn war als Erwachsener das genaue Gegenteil: Phil liebte den großen Auftritt, das Adjektiv extrovertiert trifft es ganz gut. Dafür waren seine Launen aber auch so explosiv wie die Brecher auf See, laut und reizbar rauschte er durchs Leben, als würde er von einer gewaltigen Strömung mitgerissen.

Wie sparsam Grant mit Worten umging, zeigt folgende Anekdote: Er hatte seinen Enkel Jake gebeten, einen Zaun auf seinem Grundstück niederzureißen. Jake trank noch eine Limo, bevor er sich an die Arbeit machte. Er entdeckte eine alte Kaffeekanne und gab ihr einen kräftigen Tritt. Zu seiner Überraschung summte ein Schwarm Bienen aus der rostigen Kanne und ging sofort zum Angriff über. Nachdem er vier-, fünfmal gestochen worden war, wusste Jake sich nicht anders zu helfen, als das trockene Gras...

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