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E-Book

Gewalt gegen Pflegende

Altenpflegende als Opfer und Täter

AutorErich Grond
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl143 Seiten
ISBN9783456944173
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR

Ein aufrüttelndes Buch, das das Tabu der Gewalt gegen Pflegende bricht, Hintergründe, alternatives Handeln und Konfliktlösungsmöglichkeiten aufzeigt. «... ein wichtiges Buch, das die Diskussion der letzten Jahre zusammenfasst und mutig weiterführt.» (Altenpflege)

Dass Pflegende von Gewalt bedroht werden, wird erst allmählich wahrgenommen und beschrieben. Pflegende werden indirekt von struktureller Gewalt und direkt von personaler Gewalt bedrängt. Sie werden von Pflegebedürftigen im Heim und ambulant, von Mitarbeitern durch Mobbing oder von Angehörigen bedroht, aber auch von Helfershelfern wie Politikern und Trägern, für die nur das Sparen am qualifizierten Personal zählt, oder von Heimleitern und Pflegedienstleitern, für die es um das Funktionieren geht, oder von der Heimaufsicht und vom MDK, die nur an Kunden denken.

Ziel dieses aufrüttelnden Buches ist es, das Tabu der Gewalt gegen Pflegende zu brechen, Hintergründe aufzuzeigen, alternatives Handeln und andere Konfliktlösungsmöglichkeiten zu ermöglichen, um Gewalt abzurüsten und unnötiges Leid zu verhindern.

Aus dem Inhalt

- Definitionsversuche von Gewalt und Aggression
- Von Fremdgewalt bedrohte Pflegende
- Von eigener Gewalt bedrohte AltenpflegerInnen
- Interaktionelle Faktoren der Gewalt
- Die schweigenden Dritten als Zulasser
- Die Folgen von Gewaltdrohungen gegen Pflegende
- Umgehen mit Gewalt
- Vorbeugen gegen Gewalt
- Rechtliche Aspekte der Gewalt in der Altenpflege

Der Autor

Emerit. Professor für Sozialmedizin und Psychopathologie, Lehrauftrag für Gerontopsychiatrie am Lehrstuhl für Soziale Gerontologie, Dortmund, in der Aus- und Fortbildung für AltenpflegerInnen tätig

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Vorwort
  2. Kapitel 1 Definitionsversuche von Gewalt und Aggression
  3. Kapitel 2 Von Fremdgewalt bedrohte Pflegende
  4. Kapitel 3 Von eigenen Aggressionen betroffene AltenpflegerInnen
  5. Kapitel 4 Interaktionelle Faktoren von Gewalt
  6. Kapitel 5 Schweigende Dritte
  7. Kapitel 6 Die Folgen von Gewaltdrohungen gegen Pflegende
  8. Kapitel 7 Umgang mit Gewalt
  9. Kapitel 8 Vorbeugung gegen Gewalt
  10. Kapitel 9 Rechtliche Aspekte der Gewalt in der Altenpflege
  11. Literatur
  12. Sachwortverzeichnis
Leseprobe

Kapitel 4 Interaktionelle Faktoren von Gewalt (S. 91-92)

4.1 Gewaltfaktoren in der Interaktion mit alten kranken Menschen

Nicht immer ist eindeutig festzustellen, wer Täter und wer Opfer ist, jeder kann in der Interaktion Täter und Opfer werden, besonders in engen oder verstrickten Beziehungen. Pflegende sind oft leichtgläubige Opfer, die dem «weisen» alten Menschen aggressives Handeln nicht mehr zutrauen. Einige Pflegende provozieren durch Hektik oder unbewusst, weil sie in der pflegebedürftigen alten Frau im Sinne einer Übertragung ihre nörgelnde Mutter wiederzuerkennen glauben. Masochistische Opfer sind selten: Sie ziehen einen Gewinn daraus, bemitleidet und bedauert zu werden, wenn sie wieder Opfer geworden sind. Unbewusst provozieren masochistische Opfer einen sadistischen Täter, meist einen patriarchalischen alten Mann.

Altenpfleger werden nicht selten das falsche Opfer, wenn der Bewohner z. B. die Tochter oder den Sohn meint, über die er sich gerade geärgert hat. Pflegende sollten sich wehren, wenn sie mit Worten angegriffen werden, zurückschlagen dürfen sie nie, außer in Notwehr.

Die Eskalation der Aggression beginnt mit einem Machtspiel: wenn der Kranke inkontinent ist, Waschen oder Essen verweigert, rechtfertigen Pflegende Gewalt, indem sie dem Kranken trotziges, widerspenstiges oder bösartiges Verhalten zuschreiben und ihn zwingen, mit andern Worten: Pflegende lassen sich provozieren und erwarten Erfolg und Zustimmung anderer Mitarbeiter. Opfer sind Kranke, die dement oder depressiv sind oder als stur, uneinsichtig oder Hilfe fordernd eingeschätzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass Kranke, die Pflegende anerkennen, loben und dankbar sind, seltener Opfer von Gewalt werden.

«Wer hat angefangen?» ist oft eine nicht mehr zu klärende Frage. Jeder beurteilt das Verhalten anders, jeder behauptet, dass der andere im Unrecht ist, erklärt den anderen zum Täter und sich selbst zum Opfer: Wenn sich der Kranke behauptet oder schimpft, fühlen sich Pflegende bedroht und beurteilen das Verhalten des Kranken als unangemessen aggressiv, aber das eigene Verhalten als nicht aggres siv. Wenn der Pflegende reagiert und droht, bewertet er sein Verhalten als angemessen. Der Kranke fühlt sich bedroht und hält das Verhalten des Pflegenden für unangemessen und aggressiv und reagiert mit Schimpfen und Drohen, beurteilt aber seine Reaktion als angemessen und nicht aggressiv. Der Teufelskreis beginnt von neuem. Jeder erklärt den anderen zum Täter. Die Frage, wer angefangen hat, ist müßig.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis und Vorwort6
Kapitel 1 Definitionsversuche von Gewalt und Aggression14
Bisherige Gewaltdefinitionen14
Gewaltformen15
Abgrenzung zu Aggression18
Gewalt und Pflege26
Kapitel 2 Von Fremdgewalt bedrohte Pflegende28
Von strukturellen Bedingungen bedrohte Pflegende28
Von direkter Gewalt bedrohte Pflegende31
Kapitel 3 Von eigenen Aggressionen betroffene AltenpflegerInnen74
Häufigkeit der Gewalt von AltenpflegerInnen74
Beispiele von Aggressions- und Gewaltformen75
Einteilung der von Pflegenden ausgehenden Gewaltformen83
Patiententötungen durch Pflegende85
Gewalt- und Aggressionsbedingungen bei Pflegenden87
Kapitel 4 Interaktionelle Faktoren von Gewalt92
Gewaltfaktoren in der Interaktion mit alten kranken Menschen92
Aggressionsfaktoren in der Interaktion mit Mitarbeitern95
Aggressionsfaktoren in der Interaktion mit Angehörigen96
Aggressionsfaktoren in der familiären Interaktion96
Konstruktiver Umgang mit interaktioneller Gewalt96
Kapitel 5 Schweigende Dritte98
Gründe für das Verschweigen familiärer Gewalt98
Schweigend wegschauen bei Gewalt im Heim98
Mitverantwortung aller Mitarbeiter98
Kapitel 6 Die Folgen von Gewaltdrohungen gegen Pflegende100
Burn-out100
Reaktionen auf schwere Belastungen103
Kapitel 7 Umgang mit Gewalt106
Selbsterfahrung106
Konstruktiver Umgang mit eigener Aggression107
Möglichkeiten der Konfliktlösung111
Konstruktiver Umgang mit familiärer Gewalt114
Kapitel 8 Vorbeugung gegen Gewalt116
Grundsätze zur Vorbeugung116
Gewaltvorbeugung durch Fehlerkultur119
Gewaltvorbeugung durch Psychohygiene119
Gewaltvorbeugung in der Familie120
Gewaltvorbeugung im Heim122
Gewaltvorbeugung durch friedfertige Einstellung124
Kapitel 9 Rechtliche Aspekte der Gewalt in der Altenpflege126
Der Freiheitsanspruch der alten Menschen126
Das Schutzdenken der Pflegenden126
Rechtliche Einordnung von Aggressionen127
Rechtfertigungsgründe für Zwangsmaßnahmen127
Vormundschaftsgerichtliche Genehmigungspflicht127
Rechtfertigungsgründe für eine Gegenwehr128
Rechtliche Reaktionsmöglichkeiten130
Dokumentation133
Arbeitsrechtlicher Schutz für Pflegende133
Literatur134
Sachwortverzeichnis140
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