Sie sind hier
E-Book

Flieger über den sechsten Erdteil

Meine Südpolarexpedition

AutorRichard Evelyn Byrd
VerlagEdition Erdmann in der marixverlag GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl350 Seiten
ISBN9783843804172
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Als Richard Evelyn Byrd 1928 zu seiner ersten Antarktis-Expedition aufbricht, hat er die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit, denn die bereits in der Vorbereitung kostspielige Forschungsreise wird von bekannten öffentlichen Personen wie Edsel Ford sowie von der New York Times und der National Geographic Society unterstützt. Byrds Reise wird entbehrungsreich und abenteuerlich: Komplikationen während eines Umrundungsversuchs des Südpols in einer dreimotorigen Floyd Bennett sind nur eines von vielen Problemen, denen sich der Entdecker auf seiner Expedition stellen muss. In seinem Expeditionsbericht sind nicht nur diese außergewöhnlichen Schwierigkeiten festgehalten: Byrd beschreibt ausführlich die akribischen Vorbereitungen der Reise, den Alltag im Basislager auf dem Ross-Schelfeis und die vielen Erkundungstouren durch das ewige Eis, sodass vor den Leseraugen ein farbiges und lebendiges Bild von der Forschungsreise entsteht. Mit zahlreichen Abbildungen.

Richard Evelyn Byrd (1888-1957) wurde in Virginia geboren. Er war Konteradmiral der amerikanischen Marine und ein bedeutender Polarforscher. Seine Antarktisexpedition sorgte weltweit für Aufsehen, da sie nicht nur zum ersten Mal mit dem Flugzeug durchgeführt worden war, sondern über die auch live durch einen Reporter der New York Times berichtet wurde.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

II.


PLAN, VORBEREITUNG UND AUFGABE


DER PLAN


Das Land um den Südpol reizt mich schon seit langer Zeit. Diese Sehnsucht deckt sich mit den Namen von Scott und Peary, die ich in meiner Jugend oft zu hören bekam. Der Wunsch, dorthin zu gehen, nahm mit den Jahren immer festere Gestalt an, zumal seitdem ich mich der Fliegerei widmete. Aber erst am 10. Mai 1926 enthüllte ich meine geheimen Pläne. Dieser Tag wird meinem Gedächtnis nicht so leicht entschwinden, denn die zwei Freunde, die mein Geheimnis teilten, ruhen in kühler Erde. Sie haben das Leben geopfert, als sie Kameraden zu retten versuchten.

Das war der Abend, als ich mit Floyd Bennett auf Spitzbergen beisammensaß. Vor wenigen Stunden hatten wir den Polflug beendet. Matt und froh waren wir ins Standlager zurückgekehrt, wo uns Kapitän Amundsen und Lincoln Ellsworth begrüßten, die demnächst mit der »Norge« nach Alaska fliegen wollten. Nach dem vorzüglichen Abendessen plauderten wir. Amundsen und ich rückten zusammen.

»Nun, Byrd, was kommt jetzt daran?«, fragte er lächelnd. Halb im Ernst, halb im Scherz erwiderte ich: »Der Südpol.« Amundsen wurde gleich sehr ernst.

»Ein gewaltiges Vorhaben; aber ausführbar«, sagte er. »Sie sind auf dem richtigen Weg, denn die Zeiten ändern sich. Die Zukunft gehört dem Luftfahrzeug. Nur mit ihm lässt sich die Antarktis erobern. Also hören Sie zu!« Und damit begann er, mich zu beraten, eingehend und bedachtsam, als ob er noch inmitten seines Zuges zum Südpol steckte. Er schlug verschiedene Norweger vor, bot mir seine Ausrüstung an und empfahl ein gutes Schiff, den »Samson«, der später in »City of New York« umgetauft wurde.

Er warnte mich davor, mich allzu sehr auf meine Leute zu verlassen. »Da unten im Eis gehört der Mensch zu den zweifelhaften Einsätzen. Die beste Vorbereitung kann durch einen Unfähigen oder Minderwertigen zunichtegemacht werden.« Ähnlich, wenn auch mit anderen Worten, sprach ein hervorragender leitender Teilnehmer an Scotts letzter Fahrt: »Der erste Mann, der Ränke spinnt, verdient den schlimmsten Tod, den man sich ausdenken kann.« Ein anderer Forscher meinte: »Wer sich gemein und unkameradschaftlich benimmt, sollte sofort mit Handschellen gefesselt werden, die ihm erst nach der Heimkehr abgenommen werden.« Ein hartes, aber wohl notbefohlenes Gesetz des Eises. Der wackere Mann ist hier unbezahlbar. Der Schweinehund verrät sich bald; und seine Gefährten werden den Tag verfluchen, an dem er geboren wurde.

DIE VORBEREITUNG


Den Aufbau konnte ich erst nach der Beendigung des atlantischen Fluges beginnen. Es dauerte einige Monate, bis wir einen Generalstab einrichten konnten. Die erste Rüstkanzlei bestand aus einem kleinen Zimmer im fünfzehnten Stock des Putnam-Gebäudes zu New York Sie enthielt Schreibtisch, Maschine, Briefablage und ein paar Stühle. Das war mitten im Winter 1927/28. Einige Wochen später mussten wir uns schon in größeren Räumen ausbreiten, die uns John McEntee im Hotel Biltmore zur Verfügung stellte. Ein Stab von Helfern unter meinem Geschäftsführer Brophy fahndete auf der ganzen Welt nach dem hochwertigsten Rüstzeug. Ich befasste mich derweilen mit der so peinlichen Geldbeschaffung, in der ich erst nach meiner Abreise von Kapitän Railey abgelöst wurde, einem ehemaligen Offizier des Landheers. Er war zugleich mein persönlicher Vertreter. Nie fand ich einen gewissenhafteren Mitarbeiter.

Im Frühjahr 1928 waren wir zu einem Großbetrieb ausgewachsen, der wie eine Maschine und mit höchster Geschwindigkeit arbeitete. Das war notwendig, denn die Zeit drängte. Im August sollte die »City of New York« abdampfen, im September die »Bolling«. In der zweiten Oktoberwoche mussten die letzten Einheiten die Heimat verlassen. Mit knapper Not hielten wir die Fristen ein.

Beförderung hieß immer wieder der erste und letzte Schlüssel zum Gelingen. Zweckmäßige Verfrachtung entschied das Schicksal der Reise. Lasten und Menschen mussten über Meer, Eis und durch die Luft verschoben werden.

Ein gutes Schiff verdankten wir schon Amundsens gütiger Vermittlung. Drahtlich kaufte ich den »Samson« in Tromsø und ließ ihn sofort nach New York segeln. Alt an Jahren, war dieses Fangschiff doch noch jung in Mark und Bein. Nach dem Überholen im Jahr 1928 war es ebenso stark wie vor nahezu fünfzig Jahren, als es zum ersten Mal mit Robbenschlägern ins Packeis um Spitzbergen vordrang. Wir verwandelten die ursprüngliche Schonerbark in eine Bark. Mit der Hilfsmaschine ergab sich ein Zwitter von nicht gerade hervorragender Schönheit, aber kerniger Gesundheit. Mit kleiner Gestalt verband das Schiff den gedrungenen und wuchtigen Bau eines Schwergewichtsmeisters. Der Rumpf bestand aus bestem Tannen- und Eichenholz von gewaltiger Dicke. Die Eichenspanten standen mittschiffs so dicht, dass man kaum mit der Hand dazwischenfassen konnte. Schwere Planken bildeten die Innenhaut. Über den Planken der Außenhaut lag noch eine Verkleidung aus Grünholz. So ergab sich eine Gesamtdicke von 86 Zentimetern als Wehr gegen den Eisdruck. Die einen Meter dicken Kielplanken schützten gegen Längsdurchbiegung, wenn das Schiff einmal plötzlich unter Bug und Heck gehoben wurde. Also ein richtiges Eisschiff. Mit der Gedrungenheit hatten die Erbauer gewölbte Gleitlinien verbunden, längs denen der Rumpf den Umarmungen des Eises ausweichen konnte. Wie bei Nansens »Fram« war die Bauform dazu bestimmt, seitlichen Druck in lotrechten Hub zu verwandeln. Auf diese Weise klettert das Schiff sozusagen aufs Eis, anstatt eingeklemmt zu verharren. Solch ein winziges Schiff vermag Angriffen des Eises zu widerstehen, denen das mächtigste Schlachtschiff erliegen würde.

Andererseits verfügte die »City« nur über eine sehr schwache Maschinenkraft und dementsprechend kurze Reichweite. Sie vermochte knapp 200 PS aufzubringen. Immerhin durften wir uns glücklich schätzen, dass ihre Maschine aus dem Jahr 1882 überhaupt noch lief, denn zu einer neuen fehlte das Geld. Mit einem Dieselmotor hätten wir das Vielfache herausholen können.

Auf diesem Windschieber also ruhte die Hauptverantwortung für die Fernfracht. Er musste den riesigen Eisgürtel ums Rossmeer durchbrechen, und zwar so früh, dass uns Zeit zum Ausladen blieb, ehe die Walfischbucht zufror.

Wie klein die »City« war, zeigte sich besonders auffällig bei der Ausfahrt aus New York am 25. August, wo sie im Kielwasser des »Leviathan« rollte. Wie eine weiße Nussschale schaukelte sie neben dem schwarzen Riesen. An Deck fehlte der Platz zum Unterbringen der Tragwerke unserer Flugzeuge. Rund 50 Meter lang und 13 Meter breit, verfügt das Schiffchen über einen Raumgehalt von 515 Tonnen. Infolge seiner stämmigen Bauart erscheint es noch kleiner.

Zudem hatte das Alter die Tragfähigkeit vermindert; denn im Lauf der Jahre steigt das tote Gewicht durch das vom Holz aufgesogene Wasser. Die »Resolution“, eins von Cooks Schiffen im Jahr 1772, war in der Tat geräumiger als unser Hauptschiff.

Ohne Flugzeuge wären wir mit einem einzigen Schiff ausgekommen. Das zweite der Flotte war die »Chelsea«, ein Frachtdampfer von 800 Tonnen, aber trotz größeren Fassungsvermögens kaum länger und breiter als die »City«. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug neun Knoten. Ich kaufte diesen Kasten wegen seiner Billigkeit, die ungefähr seinen einzigen Vorzug darstellte. Im Trockendock erhielt der Eisenrumpf einige Verstärkungen gegen den Eisdruck. Das war also die spätere »Eleanor Bolling«, das erste eiserne Forscherschiff, das sich ins Packeis wagte. Obwohl ich deswegen angegriffen wurde, hielt ich den Versuch für erlaubt. Natürlich stützte ich mich auf gründliche Packeisforschungen. Immerhin lastete schwere Verantwortung auf Kapitän Gustav Brown.

Allerdings konnte ich mich auf Vorgänger berufen, nämlich auf die stählernen Walfänger »C. A. Larsen« und »Sir James Clark Ross«, die ungeschoren ins Rossmeer und wieder heraus gelangten. Gewaltige Pferdestärken geben ihnen die Möglichkeit, drohenden Pressungen auszuweichen. Sonst würde sie das Eis wie Blechdosen zerknüllen. Außerdem fahren sie ja nur in der günstigsten Jahreszeit, wo die Schollen treiben und ein Netz von Durchlässen offen lassen. Immerhin blieb es fraglich, ob die »Bolling« mit ihren 200 PS dem Spiel mit den Eistrümmern gewachsen war. Sie musste aber durch, weil sie die Flugzeuge trug. Da saß der Haken.

Einschließlich des Kaufpreises kostete die Indienststellung der zwei Schiffe über 1,1 Millionen Mark. Aus Freundschaft übernahm William Todd die Arbeiten zum Selbstkostenpreis auf seiner Werft, wodurch wir viel sparten. Der bewährte Fachmann Kapitän Gatewood überwachte die Arbeiten. Der Ingenieur Herbert Todd und Bill Smith leisteten dabei unschätzbare Hilfe.

Bei der Ankunft in New York befand sich die »City« in einem bejammernswerten...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Fernreisen - Afrika - Australien - Asien

Bliefe von dlüben

E-Book Bliefe von dlüben
Der China-Crashkurs Format: ePUB

Der Journalist und Satiriker Christian Y. Schmidt kennt sich in China bestens aus, ist er doch mit einer Chinesin verheiratet und lebt in Peking. Hier beobachtet, probiert und kostet er, was er an…

Zeit zu entdecken

E-Book Zeit zu entdecken
Tagebuch eines WeltenReisenden Format: ePUB

Carsten Alex, 1965 in Berlin geboren und aufgewachsen, hat zeitlebens sein näheres persönliches Umfeld in Atem gehalten. Irgendwas war immer! Nun hat er das gemacht, von dem viele (…

Bildung, Politik und Menschenrecht

E-Book Bildung, Politik und Menschenrecht
Ein ethischer Diskurs Format: PDF

Dieses Grundlagenwerk für die bildungsethische Debatte wirft einen Blick auf das Thema Bildungsgerechtigkeit aus christlich-sozialethischer Sicht und geht aktuellen konkreten bildungspolitischen…

Berufsbildung im europäischen Verbund

E-Book Berufsbildung im europäischen Verbund
Erfahrungen aus der Chemiebranche Format: PDF

Bildungsverbünde werden für die Qualifikation von Facharbeitern in den Chemiebranchen immer wichtiger. Dies liegt auch an dem hohen Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen in dem Bereich. Um die…

Ohne Netz!?

E-Book Ohne Netz!?
Kopiervorlagen zum Thema Streit, Trennung, Scheidung Format: PDF

Das Praxismaterial ermutigt Jugendliche, sich mit ihren Gefühlen und Erfahrungen auseinanderzusetzen.Jugendliche, die zu Hause Stress und Streit miterleiden, die die Trennung der Eltern, die Gründung…

Ich gegen mich!?

E-Book Ich gegen mich!?
Kopiervorlagen zum Thema Selbstverletzung, Selbstbewusstsein, Identität Format: PDF

Die Materialien bestärken junge Menschen, sich individuell mit ihrem Ich auseinanderzusetzen und dabei auch religiöse Faktoren nicht außer Acht zu lassen.Zwischen »Ich bin großartig« und »Ich bin der…

Compendium Grammaticum

E-Book Compendium Grammaticum
Kurze systematische Grammatik für den Lateinunterricht Format: PDF

Compendium Grammaticum ist die 2., durchgesehene Auflage der bewährten Schulgrammatik Compendium; es stellt die Grammatik auf der Basis des herkömmlichen Grammatikmodells dar, unter angemessener…

Fachdidaktik Latein kompakt

E-Book Fachdidaktik Latein kompakt
Format: PDF

Der Lateinunterricht erfreut sich steigender Beliebtheit bei Schülern und Eltern an Gymnasien und Gesamtschulen: Noch nie haben in Deutschland so viele Schüler Latein gelernt wie heute. Dies bringt…

Weitere Zeitschriften

FESTIVAL Christmas

FESTIVAL Christmas

Fachzeitschriften für Weihnachtsartikel, Geschenke, Floristik, Papeterie und vieles mehr! FESTIVAL Christmas: Die erste und einzige internationale Weihnachts-Fachzeitschrift seit 1994 auf dem ...

BONSAI ART

BONSAI ART

Auflagenstärkste deutschsprachige Bonsai-Zeitschrift, basierend auf den renommiertesten Bonsai-Zeitschriften Japans mit vielen Beiträgen europäischer Gestalter. Wertvolle Informationen für ...

Die Versicherungspraxis

Die Versicherungspraxis

Behandlung versicherungsrelevanter Themen. Erfahren Sie mehr über den DVS. Der DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband e.V, Bonn, ist der Interessenvertreter der versicherungsnehmenden Wirtschaft. ...

DSD Der Sicherheitsdienst

DSD Der Sicherheitsdienst

Der "DSD – Der Sicherheitsdienst" ist das Magazin der Sicherheitswirtschaft. Es erscheint viermal jährlich und mit einer Auflage von 11.000 Exemplaren. Der DSD informiert über aktuelle Themen ...

ea evangelische aspekte

ea evangelische aspekte

evangelische Beiträge zum Leben in Kirche und Gesellschaft Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland ist Herausgeberin der Zeitschrift evangelische aspekte Sie erscheint viermal im Jahr. In ...

F- 40

F- 40

Die Flugzeuge der Bundeswehr, Die F-40 Reihe behandelt das eingesetzte Fluggerät der Bundeswehr seit dem Aufbau von Luftwaffe, Heer und Marine. Jede Ausgabe befasst sich mit der genaue Entwicklungs- ...