Bereits im 18. Jahrhundert wurde das Nervengift Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, erstmals beschrieben. Es handelt sich dabei um ein von dem Bodenbakterium Clostridium botulinum produziertes Protein, das toxisch auf das menschliche Nervensystem wirkt und eine Lähmung der Muskulatur verursacht. In den letzten Jahren ist Botox zum einen durch die gezielte therapeutische Einsetzung vom Menschen, wie beispielsweise bei der Behandlung von Dystonie oder in der Schönheitschirurgie zur Reduzierung von Falten, zum anderen aber auch im Zusammenhang mit dem Gammelfleischskandal 2005/2006 und als potenzielle biologisch Waffe, bekannt geworden.

Ohne die Durchführung rechtzeitiger Gegenmaßnahmen verläuft eine Vergiftung mit Botox meist tödlich. Als Soforthilfe werden neben Stabilisierung der Herz-Kreislauf-Funktionen auch Spülungen des Magen-Darm-Traktes angewendet. Am wichtigsten jedoch ist der Einsatz von spezifischen Gegengiften. Dabei handelt es sich in erster Linie um Antikörper, die das giftige Protein im Blutkreislauf spezifisch binden und so dessen Wirksamkeit abschwächen. Aus einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 geht hervor, dass eine Kombination aus mehreren Antikörpern (polyvalentes Gegengift), die gegen verschiedene Botoxformen gerichtet sind, noch effektiver wirkt als monovalente Gegengifte. In Deutschland ist ein polyvalentes Präparat erhältlich, das Antikörper gegen die Botox-Typen A, B und E enthält.

Ein Nachteil dieser Präparate sind allerdings die nicht ungefährlichen Nebenwirkungen, wie u. a. der anaphylaktische Schock. Da die Produktion der Antikörper im Pferd erfolgt, kann es aufgrund von Kontaminationen mit für den menschlichen Körper fremden Proteinen aus dem Pferdeserum zu starken allergischen Reaktionen kommen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, wird das Antiserum mit einem Enzym (Pepsin) behandelt, das die im Serum enthaltenen Proteine abbaut, die Aktivität der Antikörper aber nicht einschränkt. Durch Pepsin werden die Antikörper in sogenannte Fab-Fragmente zerlegt, deren Wirksamkeit vergleichbar ist mit der von unbehandelten Antikörpern. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist damit aber dennoch nicht ausgeschlossen und es müssen bei Verabreichung des Gegengifts entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Die Entwicklung zukünftiger Botulinumtoxin-Gegengifte verfolgt das Ziel, diese noch wirksamer zu machen und das Risiko der Nebenwirkungen weiter zu reduzieren.

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