Springer-Journal Human EcologyDie Feige – mehr als nur eine Frucht?

Wissenschaftler untersuchen die facettenreiche Bedeutung der Feige in unterschiedlichen Kulturen weltweit

Feigen und Feigenbäume sind vielen Völkern bekannt, als Nahrungsmittel ebenso wie in ihrer spirituellen Bedeutung. Relativ wenig bekannt ist die ‚globale Natur‘ der Verbindung zwischen Mensch und Feige. David Wilson von Ecology and Heritage Partners und Anna Wilson von der University of Melbourne in Australien haben auf verschiedenen Kontinenten in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kulturen das Verhältnis zwischen Mensch und Feige erforscht – ihre Arbeit erscheint im Springer-Journal Human Ecology. Die Autoren belegen durch Beispiele aus aller Welt, dass die Feigenfrucht, ganz gleich welche Art, einen bedeutungsvollen Platz in den unterschiedlichen Kulturen einnimmt.

Dass Feigen in der Religion immer wieder eine Rolle gespielt haben, ist bekannt: Der Feigenbaum ist der erste in der Bibel erwähnte Obstbaum und manche Glaubensgemeinschaften gehen davon aus, dass die Feige auch die verbotene Frucht im Garten Eden war. Unter dem Feigenbaum fand Buddha die Erleuchtung. Auch im Alltag spielen Feigen oftmals eine bedeutende Rolle, im negativen wie im positiven Sinn. Kikuyu-Frauen in Afrika schmieren sich mit dem Mark des Feigenbaumes ein, wenn sie schwanger werden wollen. In Bolivien leben Geister auf der Suche nach Seelen in den Kronen der Feigenbäume; unter den Bäumen durchzulaufen oder sie gar zu fällen, soll angeblich Krankheiten auslösen. In Papua-Neuguinea glaubt man, dass Feigenbäume böse Geister beherbergen, die mit dem Fällen des Baumes befreit werden.

Wie die Autoren mit weltweiten Beispielen belegen, dient die Feige abgesehen von ihrer spirituellen Bedeutung vielen praktischen Zwecken. Getrocknet wie frisch, ist sie wichtige Nahrungsquelle für Mensch und Tier. Verschiedene Feigenspezies tragen oft zu unterschiedlichen Zeiten, sodass es in Ländern mit einer Vielzahl von Arten das ganze Jahr über Früchte gibt. Triebe und Blätter des Baumes werden auch als Viehfutter verwendet, in Zeiten knappen Futters oft hilfreich.

Rinde und Wurzeln des Feigenbaumes werden zu unterschiedlichsten Produkten verarbeitet: Schilde, Tuche, Kunstgegenstände, oft werden sie zum Bauen verwendet. Die Autoren zeigen Beispiele der Rindentuchproduktion aus Mexiko, Uganda und Sulawesi. Dieselbe Methode bei der Herstellung dieser Tuchsorte hat sich dreimal entwickelt, obwohl unterschiedliche Feigenspezies im Spiel waren – ein bemerkenswertes Beispiel konvergenter kultureller Evolution. Feigen spielen auch in der traditionellen Medizin eine Rolle: Das Mark kommt bei einer Vielzahl von Krankheiten zum Einsatz, von Magen-Darm-Beschwerden bis zu Herzproblemen und Malaria. Die Behandlungsmethoden variieren; Zubereitung und Handhabung sind weitgehend gleich geblieben.

Die Liste der Verwendungsmöglichkeiten von Feige und Feigenbaum ist schier unerschöpflich. Die Menschen, die sie verwenden, trennen Kontinente. Die Art und Weise, wie die Feige zum Einsatz kommt, ist dennoch immer wieder ähnlich. Es ist das Anliegen der Autoren, den globalen Charakter der Beziehung Mensch – Feige in den Fokus zu rücken. Dass Feigen auch vom Menschen profitieren können, zeigen zwei Beispiele, in denen der Mensch bei der Verbreitung der Feige geholfen hat: Die Ficus religiosa in Südostasien wird von Buddhisten weiterverbreitet und in Fundong, Kamerun, sind alle Feigenarten aus anderen Regionen eingeführt worden. Hier wird deutlich: Weitere Recherchen werden zeigen, wie eng die Verbindung zwischen Mensch und Feige ist.

Quelle
Wilson D and Wilson A (2013). Figs as a global spiritual and material resource for humans. Human Ecology DOI 10.1007/s10745-013-9582-z

Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.
Kontakt: Renate Bayaz, Springer, Tel. +49 6221 487-8531, renate.bayaz@springer.com