Frauen leiden unter männlicher Belästigung – auch wenn keine sexuelle
Komponente im Spiel ist

New York / Heidelberg, 5. August 2010

Männliche Belästigung am Arbeitsplatz – ob verbal oder non-verbal, durch Beleidigung, Ablehnung oder Erniedrigung – ist für die weiblichen Opfer genauso belastend wie sexuelle Annäherungsversuche. Emily Leskinen, Lilia Cortina und Dana Kabat von der University of Michigan in den Vereinigten Staaten haben festgestellt, dass sich jede Art von Belästigung durch Männer bei den Opfern persönlich und beruflich negativ auswirkt und darum ebenfalls als ernste Form sexueller Diskriminierung zu werten ist. Sie glauben, dass die bestehende Gesetzgebung so interpretiert werden muss, dass auch Belästigung nichtsexueller Art durchaus als eine ernste Form der Diskriminierung am Arbeitsplatz gesehen wird. Ihre Studie erscheint jetzt in der Online-Ausgabe des Springer-Journals Law and Human Behavior.

Unerwünschte sexuelle Beachtung ist nach allgemeiner Auffassung die wesentliche Komponente sexueller Belästigung. Leskinens Studie zeigt jedoch, dass neun von zehn Frauen, die sich am Arbeitsplatz von Männern belästigt fühlten, angaben, dass es dabei keine sexuelle Komponente gegeben hat. Diese Art von Mobbing ohne den sexuellen Aspekt fällt jedoch nach der herrschenden juristischen Meinung nicht unter den Tatbestand der sexuellen Belästigung.

Leskinen, Cortina und Kabat analysierten Umfragedaten von Frauen, die in zwei von Männern dominierten Umgebungen arbeiteten: im amerikanischen Militärdienst (9.725 Frauen) und in Gerichtsbehörden (1.425 Frauen). Ihre Analyse zeigte fünf typische Belästigungsmuster: gelegentliches sexistisches Verhalten, heftige Belästigung durch sexistisches Verhalten, Belästigung mit unerwünschter sexueller Beachtung, moderate Schikane (aller Art, allerdings mäßige Belästigung); extreme Schikane (häufige Belästigung). Die überwiegende Mehrheit der Opfer (90 Prozent) litt unter einer der beiden ersten Formen der Belästigung. Sexuelle Annäherungsversuche kamen dabei kaum vor, dennoch handelt es sich um die häufigste Form der Belästigung zwischen den Geschlechtern.

Frauen, die in diesen beiden beruflichen Umfeldern derartigen Belästigungen ausgesetzt waren, berichteten von negativen persönlichen und beruflichen Auswirkungen. Beim Militär hatten die Op-fer eine deutlich negativere Einstellung zur Arbeit und sprachen von einem erheblichen Leistungs-abfall aufgrund physischer und emotionaler Probleme. Sie fühlten sich insgesamt nicht sonderlich wohl und dachten häufiger daran, den Job aufzugeben. In den Gerichtsbehörden waren Frauen, die männlichen Belästigungen ausgesetzt waren, mit ihren beruflichen Kontakten weniger zufrieden und sprachen von erheblichem Stress im Arbeitsleben. Die Ergebnisse machen deutlich, dass diese Frauen es am Arbeitsplatz genauso schwer haben, wie Frauen, die sexuell belästigt werden.

Quelle
1. Leskinen EA, Cortina LM, Kabat DB (2010). Gender harassment: broadening our understanding
of sex-based harassment at work. Law and Human Behavior. DOI 10.1007/s10979-010-9241-5

Der vollständige Artikel steht Journalisten als PDF-Dokument zur Verfügung.

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