‚Vorzeitig‘ zurück?

Eine Rückreise erscheint kürzer, wenn der Hinweg als lang empfunden wurde

New York / Heidelberg, 25. August 2011

Bei der Rückreise aus dem Urlaub empfinden wir häufig die Rückreise mit dem Flugzeug, dem Auto oder dem Zug als deutlich kürzer als die Anreise, obwohl die Entfernungen und die Reisezei-ten normalerweise gleich lang sind. Wie kommt es zu dieser Wahrnehmung? Niels van de Ven und seine Kollegen haben diesen ‚Effekt‘ untersucht und festgestellt, dass vielen Menschen der Rückreiseweg kürzer vorkommt. Nachzulesen ist ihre Studie in der Online-Ausgabe des Springer-Journals Psychonomic Bulletin & Review. Demnach beruht dieser Effekt nicht etwa darauf, dass der Rückweg bereits von der Hinreise vertraut ist, sondern weil eine andere Erwartungshaltung vorliegt.

„Häufig unterschätzen wir die Zeit, die wir für die Anreise benötigen und empfinden diese deshalb als lang“, sagt Niels van de Ven von der Tilburg University in den Niederlanden. „Aufgrund dieser Empfindung erwartet der Reisende auch eine lange Rückreise, die sich dann als kürzer heraus-stellt.“ Eine überoptimistische vorherige Einschätzung der Anreisezeit führt folglich zu einer gefühlt kürzeren Rückreisezeit.

Diese Schlussfolgerung stützt sich auf drei kleinere Untersuchungen mit insgesamt etwa 350 Personen in drei verschiedenen ‚Reisegruppen‘. Die eine Gruppe macht eine Busreise, eine andere fährt mit dem Fahrrad und eine dritte schaut sich eine Radtour auf dem Video an. Beim Vergleich der geschätzten Zeitdauer gaben die Personen an, dass sie die Rückreise um durch-schnittlich 22 Prozent kürzer empfanden als die Anreise. Der Wahrnehmungseffekt einer verkürz-ten Rückreise wurde am stärksten von den Teilnehmern empfunden, die die Anreise als unerwartet lang erlebt hatten. Der sogenannte Rückreise-Effekt verschwand, als einer Teilnehmergruppe mitgeteilt wurde, dass ihnen die Anreise lang vorkommen könnte. Ironischerweise empfanden Teilnehmer, denen gesagt wurde, dass die Anreise sehr lange dauern würde, die Reise als insgesamt kürzer.

Bisher war die häufigste Erklärung für den Rückreise-Effekt, dass der Reisende durch seine Hin-reise bereits mit der Reiseroute vertraut war und die Rückreise dadurch besser abschätzen konn-te. Die Forscher zeigten allerdings in ihrer Studie, dass diese Erklärung wahrscheinlich nicht zutrifft. „Denn“, so der Ko-Autor Michael Roy vom Elizabethtown College in Pennsylvania, USA, “der ‚Rückreise-Effekt’ lag auch dann vor, wenn Teilnehmer eine ganz andere, aber gleichlange Rückreiseroute wählten. Um den Effekt wahrzunehmen, ist es nicht erforderlich, eine Reiseroute wiederzuerkennen.“

Schlussendlich erhoffen sich die Forscher noch mehr als nur den Rückreise-Effekt erklären zu können. Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung: „Diese Forschungsergebnisse zum ‚Rückrei-se-Effekt‘ können uns dabei helfen, neue Voraussagen darüber zu machen, wie Menschen die Zeitdauer von Aufgaben in einem anderen Kontext empfinden, der nichts mit Reise zu tun hat.“

Quelle
Van de Ven N, van Rijswijk L and Roy MM (2011) The return trip effect: Why the return trip often seems to take less time. Psychonomic Bulletin & Review. DOI 10.3758/s13423-011-0150-5

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