Sexismus schadet allen

Sexistische Bemerkungen könnten bei Frauen zu einer verallgemeinerten negativen Haltung gegenüber Männern führen

New York / Heidelberg, 18. März 2010

Wenn Frauen Opfer von sexistischem Verhalten werden, gibt es meist auch immer andere Frauen, die unbeteiligte Zeuginnen eines solchen Vorfalls sind. Das sexistische Verhalten eines Mannes hat auch Auswirkungen auf das Gefühl beobachtender Frauen gegenüber Männern generell. Im Springer-Journal Sex Roles veröffentlichen Stephenie Chaudoir und Diane Quinn von der University of Connecticut in den USA ihre Arbeit¹ zur Frage, welche Wirkung sexistisches Verhalten auf weibliche Beobachter im Einzelfall und im Hinblick auf ihre Einstellung zu Männern generell hat.

Frauen werden oft Zeuge sexistischer Bemerkungen, die anderen Frauen gelten. Untersuchungen zeigen, dass Frauen mit unterschiedlichen negativen Empfindungen auf sexistisches Verhalten reagie-ren; betroffen sind oftmals sogar Frauen, die nur Zeugen herabsetzender Bemerkungen werden. Se-xismus hat durchaus das Potenzial, Denken, Fühlen und Verhalten von Frauen gegenüber Männern im Allgemeinen zu beeinflussen.

Chaudoir und Quinn befassten sich in ihrer Studie mit den Reaktionen von Frauen, die zufällig Zeuge sexistischer Bemerkungen wurden; untersucht wurde auch, inwieweit sexistische Vorfälle die Einstel-lung von Frauen zu Männern generell beeinflussen. 114 Studentinnen bekamen ein Video zu sehen, in dem ein Mann entweder eine sexistische Bemerkung machte („Hey, Kelly, deine Titten sehen ja geil aus in dem T-Shirt!“) oder aber eine Frau einfach begrüßte („Hey, Kelly, was geht denn so ab?“). Die Frauen wurden dann gebeten, Angaben zu Gefühlen wie Angst, Niedergeschlagenheit, Zorn und Wut zu machen. Sie sollten auch einschätzen, wie negativ die Bemerkung gemeint war und wie stark ihr Bedürfnis war, sich durch solche Ereignisse von Männern generell abzuwenden oder ihnen feindlich gesinnt zu sein. Letztlich wurden sie danach befragt, wie ihre eigene Geschlechtszugehörigkeit davon beeinflusst wurde, dass sie solche sexistischen Attacken beobachtet haben.

Die Analysen machten deutlich, dass Frauen, die sexistisches Verhalten beobachten, nicht so sehr aus ihrer individuellen Sicht heraus reagierten, sondern eher aus dem Blickwinkel ihrer Geschlechts-zugehörigkeit. Wenn sie also Zeuge sexistischer Bemerkungen werden, empfinden sie eine größere Wut gegen über Männern ganz allgemein und möchten darauf unmittelbar reagieren. Sie beurteilten weniger nach ihrer eigenen Betroffenheit, sondern vielmehr danach, ob sie die Situation an sich für frauenfeindlich oder -freundlich hielten.

Chaudoirs und Quinns Arbeit zeigt auf, welche Folgen sexistisches Verhalten für Männer und Frauen im Allgemeinen hat, und macht vor allem deutlich, dass Sexismus für alle Beteiligten schädlich ist.

Die Schlussfolgerung: „Frauen sind ganz eindeutig betroffen, denn sie leiden als Opfer unter den direkten negativen Folgen sexistischen Verhaltens und, wie unsere Untersuchung belegt, auch indirekt als stille Beobachterinnen. Sexismus schadet aber auch den Männern selbst. Wenn voreingenomme-nes Verhalten eines einzelnen Mannes mit seinem Geschlecht in Verbindung gebracht wird, wirkt sich dieses Verhalten auf die Einstellung von Frauen zu Männern generell aus.“

Quelle
1. Chaudoir SR & Quinn DM (2010). Bystander sexism in the intergroup context: the impact of cat-calls on women’s reactions towards men. Sex Roles DOI 10.1007/s11199-009-9735-0

Der vollständige Artikel steht Journalisten als PDF-Dokument zur Verfügung.
Kontakt: Joan Robinson, Springer, Tel. +49 6221 487-8130, joan.robinson@springer.com