Neue Hoffnung für Überlebende von Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Traumata

Auch Jahre nach einer Hirnentzündung kann eine einmalige Behandlung mit Etanercept helfen

Chronische neurologische Funktionsstörungen als Folge eines Schlaganfalls oder eines Schädel-Hirn-Traumas können erstmals durch eine einmalige Medikamentenbehandlung signifikant und in kurzer Zeit verbessert werden – selbst, wenn der Schlaganfall oder das Trauma schon Jahre zurück liegt. Den klinischen Nachweis für diese Behandlung liefert eine neue bahnbrechende Studie, die in der Fachzeitschrift CNS Drugs von Adis erscheint.

Für die Studie¹ wurden 629 Patienten über einen Zeitraum von fast zwei Jahren beobachtet. Dabei wurde bei den Patienten mit Schlaganfall eine große Bandbreite positiver Effekte festgestellt, wie z.B. die Verbesserung der Motorik, der Spastik und des Wahrnehmungsvermögens. Vergleichbare Verbesserungen zeigten auch die Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata. An der Studie nahmen 617 Patienten teil, die durchschnittlich 42 Monate zuvor einen Schlaganfall erlitten, und 12 Patienten, die durchschnittlich 115 Monate zuvor ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Nach solch langen Zeiträumen würde eigentlich keine spontane und signifikante Verbesserung erwartet werden.

Die Studie wurde am Institute of Neurological Recovery (INR) in den USA durchgeführt. Als Medikament wurde Etanercept eingesetzt: Es bindet selektiv ein entzündungsförderndes Molekül des Immunsystems, welches noch Jahre nach einem Schlaganfall in erhöhter Konzentration vorliegen kann, und neutralisiert es. Etanercept wurde mithilfe einer Methode verabreicht, die der Erstautor der Studie, Edward Tobinick M.D., neu entwickelt hatte.

„Diese Forschungsergebnisse bedeuten einen grundlegenden Wandel für die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten, die einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben“, sagt Dr. Steven Ralph, Professor an der Griffith University School of Medical Science in Australien. „Nur selten sehen wir einen so fundamentalen Durchbruch bei medizinischen Behandlungen wie bei dieser Untersuchung von Schlaganfall-Patienten. Ein früheres Beispiel war der Fortschritt bei der thrombolytischen Therapie durch den Einsatz von Medikamenten wie Gewebeplasminogenaktivatoren (t-PA). Diese führen zu erheblichen Verbesserungen bei der Behandlung von akuten Schlaganfällen, wenn sie in frühen Stadien verabreicht werden. Allerdings gab es bis jetzt keine vergleichbare Behandlungsmethode für chronische Schlaganfälle.“

Unlängst reiste Professor Ralph mit einem Team von Ärzten an das INR, um die neue Technik zur Verabreichung von Etanercept zu erlernen. Ihr neues Wissen werden sie später in Australien anwenden und ausgewählte Patientengruppen behandeln. „Unser Team konnte live erleben, wie bei den Schlaganfall-Patienten nach einem kurzen Praxisbesuch rasche klinische Verbesserungen eintraten“, so Professor Ralph.

In der Fachzeitschrift CNS Drugs diskutiert Professor Ian Clark in einem begleitenden Artikel² die wissenschaftlichen Grundlagen der neuen Behandlungsmethode sowie deren klinischen Ergebnisse. Clark ist ein weltweit anerkannter Experte in den Bereichen Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und Funktionsstörungen des Gehirns. Weltweit sind viele Millionen Menschen von chronischen Funktionsstörungen nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma betroffen; dies unterstreicht die große Bedeutung dieser neuen Studie.

Quellenangabe
1. Tobinick E, Kim N, Reyzin G, et al. Selective TNF Inhibition for Chronic Stroke and Traumatic Brain Injury – An Observational Study Involving 629 Consecutive Patients Treated with Perispinal Etanercept. CNS Drugs. 2012;16(12). DOI 10.1007/s40263-012-0013-2
2. Clark, I. New Hope for Survivors of Stroke and Traumatic Brain Injury. CNS Drugs. 2012;16(12). DOI 10.1007/s40263-012-0014-1

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